Synagoge: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Schon 1679 erwarb die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] ein Gebäude am [[Neuer Weg 110|Neuen Weg 110]], das sie als Synagoge, [[Jüdische Schule|Schule]] und Wohnhaus nutzten. Das Gebäude wurde 1903 neu erbaut und um eine Lehrerwohnung im Obergeschoss erweitert.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref | Schon 1679 erwarb die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] ein Gebäude am [[Neuer Weg 110|Neuen Weg 110]], das sie als Synagoge, [[Jüdische Schule|Schule]] und Wohnhaus nutzten. Das Gebäude wurde 1903 neu erbaut und um eine Lehrerwohnung im Obergeschoss erweitert, in dem der Lehrer der 1871 (als Anbau) errichteten [[Jüdische Schule|üdischen Schule]] wohnte.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref> | ||
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Hierfür wurde dieser 1948 zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt, wobei in diese Strafe auch mehrere Verfahren wegen Denunziation - vor allem jüdischer Bürger - eingerechnet wurde.<ref>Lüpke-Müller, Inge (1998): Eine Region im politischen Umbruch. Der Demokratisierungsprozess in Ostfriesland nach dem Zweiten Weltkrieg, Aurich, S. 215</ref> | 1804 erbauten sie in der unmittelbar anliegenden Judenlohne, dem heutigen [[Synagogenweg]], eine "richtige" Synagoge.<ref name=":2">Gretje Schreiber, Norder Häuser (XIX): Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, 17./18. August 1006, S. 12</ref> Möglicherweise gab es auch schon vor 1679 einen jüdischen Gebetsraum im Stadtgebiet, doch ist über deren Ursprung - ebenso wenig wie über den Zeitpunkt der Ansiedlung der ersten Juden in Norden - nichts näher bekannt. | ||
Das Grundstück, auf dem die Synagoge und nachfolgend das Gemeindezentrum errichtet wurde, hatte seit 1752 einer jüdische Familie aus [[Bargebur]] gehört. Für den Bau der Synagoge bewilligte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 100 Reichstaler als Zuschuss. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nichtjüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":0">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> 1891 folgte der Neubau eines neuen Gebäudes für den [[Vorsängers Haus|Vorsänger der Gemeinde]], in dem sich auch ein Frauenbad befand und Holz zum Sargbau sowie die Totenbahren gelagert wurden. Diesem Bau ging ein älterer Bau voran, über den jedoch nichts näher bekannt ist.<ref name=":2" /> | |||
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Hierfür wurde dieser 1948 zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt, wobei in diese Strafe auch mehrere Verfahren wegen Denunziation - vor allem jüdischer Bürger - eingerechnet wurde.<ref>Lüpke-Müller, Inge (1998): Eine Region im politischen Umbruch. Der Demokratisierungsprozess in Ostfriesland nach dem Zweiten Weltkrieg, Aurich, S. 215</ref> Die Überbleibsel der Synagoge wurden nach dem Brand einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref name=":0" /> | |||
Nach dem Krieg wurde der Bereich rund um die Synagoge überbaut. Im September 1985 wurde ihr Grundmauernfragment freigelegt. Die [[Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg]] gründete sich noch im selben Jahr und bemühte sich um die Einrichtung einer Gedenkstätte am Ort der ehemaligen Synagoge. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Norden das Grundstück und ließ dort eine Gedenkstätte einrichten, in deren Zentrum ein Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge steht. Diese wurde während einer "Woche der Begegnung" am 21. Juni 1987 in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden und deren Angehörigen eingeweiht.<ref name=":1" /> | Nach dem Krieg wurde der Bereich rund um die Synagoge überbaut. Im September 1985 wurde ihr Grundmauernfragment freigelegt. Die [[Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg]] gründete sich noch im selben Jahr und bemühte sich um die Einrichtung einer Gedenkstätte am Ort der ehemaligen Synagoge. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Norden das Grundstück und ließ dort eine Gedenkstätte einrichten, in deren Zentrum ein Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge steht. Diese wurde während einer "Woche der Begegnung" am 21. Juni 1987 in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden und deren Angehörigen eingeweiht.<ref name=":1" /> | ||