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In der sogenannten Reichspogromnacht 1938 wurde unter Everwiens Leitung die [[Synagoge]] der [[Jüdische Gemeinde|jüdische Gemeinde]] niedergebrannt. Gemeinsam mit zwei anderen SA-Mitgliedern hatte Lenhard Everwien dazu Benzin bei einer Norder Tankstelle besorgt.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref>[[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|281x281px|Everwien empfängt [[Otto Ites]] als ersten Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes der Stadt am 14. April 1942 vor der Norder NDSAP-Parteizentrale (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]).|alternativtext=]]Am 5. Oktober 1942 trat Everwien als Nachrücker für den ausgeschiedenen Abgeordneten Lühr Hogrefe in den Reichstag ein, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 als Vertreter des Wahlkreises 14 (Weser-Ems) angehörte.
In der sogenannten Reichspogromnacht 1938 wurde unter Everwiens Leitung die [[Synagoge]] der [[Jüdische Gemeinde|jüdische Gemeinde]] niedergebrannt. Gemeinsam mit zwei anderen SA-Mitgliedern hatte Lenhard Everwien dazu Benzin bei einer Norder Tankstelle besorgt.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref>[[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|281x281px|Everwien empfängt [[Otto Ites]] als ersten Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes der Stadt am 14. April 1942 vor der Norder NDSAP-Parteizentrale (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]).|alternativtext=]]Am 5. Oktober 1942 trat Everwien als Nachrücker für den ausgeschiedenen Abgeordneten Lühr Hogrefe in den Reichstag ein, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 als Vertreter des Wahlkreises 14 (Weser-Ems) angehörte.


Everwiens vorletzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 20. April 1945. Bei einer Rede anlässlich des Führergeburtstags im vollbesetzten Saal des [[Hotel Deutsches Haus|Deutschen Hauses]] gelobte er unter anderem die "unwandelbare Treue" der Nationalsozialisten "zum Führer" und schloss seine Rede mit den Worten: "Die Ostfriesen werden – wie ihre Vorfahren – stur und verbissen kämpfen, sich durch nichts irre machen lassen, bis der Sieg errungen ist!" Zum Zeitpunkt dieser Ansprache standen die alliierten Streitkräfte bereits im südlichen Ostfriesland bei Leer.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 54</ref> Seine letzte öffentliche Rede hielt Everwien am 2. Mai 1945. Anlass war eine Trauerfeier für Adolf Hitler, die im NSDAP-Kreishaus (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]] am [[Marktplatz]] stattfand. Wenige Tage später wurde er verhaftet und interniert.<ref name=":1" />
Everwiens vorletzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 20. April 1945. Bei einer Rede anlässlich des Führergeburtstags im vollbesetzten Saal des [[Hotel Deutsches Haus|Deutschen Hauses]] gelobte er unter anderem die "unwandelbare Treue" der Nationalsozialisten "zum Führer" und schloss seine Rede mit den Worten: "Die Ostfriesen werden – wie ihre Vorfahren – stur und verbissen kämpfen, sich durch nichts irre machen lassen, bis der Sieg errungen ist!" Zum Zeitpunkt dieser Ansprache standen die alliierten Streitkräfte bereits im südlichen Ostfriesland bei Leer.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 54</ref> Seine letzte öffentliche Rede hielt Everwien am 2. Mai 1945. Anlass war eine Trauerfeier für Adolf Hitler, die im NSDAP-Kreishaus (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]) am [[Marktplatz]] stattfand. Wenige Tage später wurde er verhaftet und interniert.<ref name=":1" />


In zwei Prozessen wurde Everwien 1948 wegen Denunziation und Brandstiftung in der Norder Synagoge zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Auch wurden ihm für einen Zeitraum von vier Jahren die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Bielefelder Spruchkammer verurteilte ihn wegen der "Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation" 1949 zu einer weiteren Gefängnisstrafe, die aber auf seine Internierungshaft angerechnet wurde.<ref name=":1" />
In zwei Prozessen wurde Everwien 1948 wegen Denunziation und Brandstiftung in der Norder Synagoge zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Auch wurden ihm für einen Zeitraum von vier Jahren die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Bielefelder Spruchkammer verurteilte ihn wegen der "Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation" 1949 zu einer weiteren Gefängnisstrafe, die aber auf seine Internierungshaft angerechnet wurde.<ref name=":1" />