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Der Chor wurde wahrscheinlich von einer wandernden Bauhütte (mittelalterlicher Werkstättenverband) errichtet, die zuvor den Chor der "Martinikerk" (Martinikirche) in Groningen gebaut hatte. Der Anbau größerer Chorbauten an ältere Kirchen entsprach dem Zeitgeist, wie er auch bei der Kirche St. Sebald in Nürnberg, dem Aachener Dom und dem Freiburger Münster erkennbar ist. Zur Erstausstattung des Chores, der spätestens um 1455 fertiggestellt gewesen sein dürfte, gehörte sicherlich auch der geschnitzte Hochaltar, von dem nur noch der spätgotische Baldachin mit dem reichhaltigen Schnitzwerk erhalten ist.<ref>Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 266</ref>
Der Chor wurde wahrscheinlich von einer wandernden Bauhütte (mittelalterlicher Werkstättenverband) errichtet, die zuvor den Chor der "Martinikerk" (Martinikirche) in Groningen gebaut hatte. Der Anbau größerer Chorbauten an ältere Kirchen entsprach dem Zeitgeist, wie er auch bei der Kirche St. Sebald in Nürnberg, dem Aachener Dom und dem Freiburger Münster erkennbar ist. Zur Erstausstattung des Chores, der spätestens um 1455 fertiggestellt gewesen sein dürfte, gehörte sicherlich auch der geschnitzte Hochaltar, von dem nur noch der spätgotische Baldachin mit dem reichhaltigen Schnitzwerk erhalten ist.<ref>Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 266</ref>


Mit dem Einzug der Reformation in der Stadt ab 1527 wurden viele der historisch wertvollen Bildwerke und Gemälde katholischen Ursprungs zerstört oder beschädigt.
Mit dem Einzug der Reformation in der Stadt ab 1527 wurden viele der historisch wertvollen Bildwerke und Gemälde katholischen Ursprungs zerstört, beschädigt oder übermalt, denn Bildnisse von Heiligen entsprachen nicht der reformatorischen Gesinnung. In der Kirche wirkten nun abwechselnd lutherische und reformatorische Pastoren. Dem Geiste der Reformation entsprechend wurde 1576/77 der Hochaltar in einen Schriftaltar umgewandelt. Die Inschrift lautet: ''DV SCHALT DY NENE BILDE NOCH GELIKENISSE MAKE. BEDE SE NICHT AN VND DENE EN NICHT.'' (Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.).<ref name=":2">Ruge, Reinhard (2015): Die Ludgeri-Kirche zu Norden, Norden, S. 18</ref>


1531 fiel [[Balthasar von Esens]] in der Stadt ein und zerstörte viele bedeutende Gebäude in der Stadt, unter anderem die benachbarte [[Andreaskirche]]. Als Grund dafür wird vermutet, dass die Ludgerikirche nicht die städtische Kirche war und Balthasar es offenbar nur auf städtische Gebäude abgesehen hatte oder aber da die Kirche sich den reformatorischen Bestreungen widersetzte und weiter dem Katholizismus anhing. Nach der Zerstörung der Andreaskirche 1531 übernahm die Ludgerikirche deren Funktion als Stadtkirche. Vermutlich wurden einige Teile des figürlichen Schmucks von der Ruine an den Fassaden der Ludgerikirche angebracht. Der Großteil davon ist heute im Chorumgang ausgestellt. Über dem Nordportal des Querhauses befindet sich ein Relief mit der Anbetung der Könige, das aus der Zeit um 1240 erhalten blieb.
1531 fiel [[Balthasar von Esens]] in der Stadt ein und zerstörte viele bedeutende Gebäude in der Stadt, unter anderem die benachbarte [[Andreaskirche]]. Als Grund dafür wird vermutet, dass die Ludgerikirche nicht die städtische Kirche war und Balthasar es offenbar nur auf städtische Gebäude abgesehen hatte oder aber da die Kirche sich den reformatorischen Bestreungen widersetzte und weiter dem Katholizismus anhing. Nach der Zerstörung der Andreaskirche 1531 übernahm die Ludgerikirche deren Funktion als Stadtkirche. Vermutlich wurden einige Teile des figürlichen Schmucks von der Ruine an den Fassaden der Ludgerikirche angebracht. Der Großteil davon ist heute im Chorumgang ausgestellt. Über dem Nordportal des Querhauses befindet sich ein Relief mit der Anbetung der Könige, das aus der Zeit um 1240 erhalten blieb.


1576/77 wurde der Hochaltar in einen Schriftaltar umgewandelt. Die Inschrift lautet: ''DV SCHALT DY NENE BILDE NOCH GELIKENISSE MAKE. BEDE SE NICHT AN VND DENE EN NICHT.'' (Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.).<ref>Ruge, Reinhard (2015): Die Ludgeri-Kirche zu Norden, Norden, S. 18</ref>
Seit 1565 war das erste Pfarramt mit dem gemäßigt reformierten Pastor [[Andreas Larletanus]] und das zweite Pfarramt mit [[Adolph Empenius]] besetzt, der stark reformiert orientiert war. Als Larletanus am 13. Juli 1577 überraschend verstarb, geriet Norden in den seit Machtkampf der eigentlich gemeinsam regierenden [[Edzard II. Cirksena]], der lutherisch gesinnt war, und seinem reformiert eingestellten Bruder [[Johann II. Cirksena]]. Beide Brüder beanspruchten das Recht für sich, die vakante Pfarrstelle mit einem Geistlichen ihrer Wahl besetzen zu dürfen. In diesem Machtkampf setzte sich letztlich Edzard II. durch und im Frühjahr 1578 wurde Empenius seines Pfarramts enthoben und seine Stelle mit einem Lutheraner besetzt. Die Reformierten wichen zunächst in das [[Gasthaus]] aus, das Johann II. ihnen als Predigtstätte zuwies. Nachdem sie auch dort im Jahre 1579 vertrieben wurden, hielten sie ihre Gottesdienst in Lütetsburg ab. Anderen christlichen Konfessionen war es bis in das 18. Jahrhundert verboten, ihren Glauben in der Stadt öffentlich zu praktizieren. Mit dem Bau der reformierten [[Bargeburer Kirche]] fanden die Reformierten schließlich wieder ein eigenes Gotteshaus - wenn auch außerhalb der Stadt.<ref>Rödiger, Hans-Bernd / Ramm, Heinz (1983): Friesische Kirchen im Auricherland, Norderland, Brokmerland und im Krummhörn, Jever, S. 98</ref>


1746 erhielt das Langschiff das bis heute erhaltene Holztonnengewölbe. Im 18. Jahrhundert nahm die Gemeinde vom Bilderverbot Abstand und ließ im Jahre 1785 drei Gemälde des Groninger Porträt- und Historienmalers Friedr. Corn. de Hosson auf die Innenseiten der Schrifttafeln des Hochaltars nageln und die Außenseiten einfarbig übermalen. In der Mitte des Altars befand sich nun eine Darstellung des Abendmahls. Links und Rechts daneben Gemälde der Kreuzigung und der Kreuzabnahme Jesu.<ref name=":2" />


Nach der Reformation wirkten in der Ludgeri-Kirche sowohl lutherische als auch reformierte Pastoren. Dabei gewann mal die eine, mal die andere Konfession die Oberhand. Seit 1565 war das erste Pfarramt mit dem gemäßigt reformierten Pastor Andreas Larletanus und das zweite Pfarramt mit Adolph Empenius besetzt, der eher kämpferischer Reformierter war. Als Larletanus am 13. Juli 1577 überraschend verstarb, geriet Norden in den Machtkampf der Brüder Edzard II., der lutherisch gesinnt war, und dem reformierten Johann II. Beide hatten zu jener Zeit gemeinsam die Souveränität über Ostfriesland inne, regierten jedoch de facto jeder für sich. In Norden beanspruchten beide Brüder das Recht, die vakante Pfarrstelle zu besetzen. In diesem Machtkampf setzte sich letztlich Edzard II. durch und im Frühjahr 1578 wurde auch Adolph Empenius seines Pfarramts enthoben und seine Stelle mit einem Lutheraner besetzt. Die Reformierten wichen in dieser Zeit zunächst auf das Gasthaus aus, das Johann II. ihnen als Predigtstätte zuwies. Seitdem sie auch dort im Jahre 1579 vertrieben wurden, war Norden für lange Zeit endgültig lutherisch. Anderen christlichen Konfessionen war es daraufhin bis in das 18. Jahrhundert verboten, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren.
In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Westteil des Langschiffs abgetrennt und als Schule genutzt. Dadurch fehlte der Lichteinfall des großen Westfensters und der Kirchenraum wurde, vor allem unter den Emporen, zu dunkel, weswegen 1840 die großen Spitzbogenfenster an der Nord- und der Südwand angebracht wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei große Fenster an der Nord- und Südseite des Querschiffs eingebaut. Sie zeigen die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Das nördliche wurde 1889 zur Erinnerung an die Feierlichkeiten zum 400. Geburtstag des Reformators im Jahr 1883 eingefügt. Das Fensterbildnis des Melanchthon folgte 1898.<ref name=":2" />


1746 erhielt das Langschiff das Holztonnengewölbe. Im 18. Jahrhundert nahm die Gemeinde vom Bilderverbot Abstand und ließ im Jahre 1785 drei Gemälde des Groninger Porträt- und Historienmalers Friedr. Corn. de Hosson auf die Innenseiten der Schrifttafeln des Hochaltars nageln und die Außenseiten einfarbig übermalen. In der Mitte des Altars befand sich nun eine Darstellung des Abendmahls. Links und Rechts daneben Gemälde der Kreuzigung und der Kreuzabnahme Jesu.
Von 1956 bis 1968 fanden umfassende Sanierungsarbeiten in sieben Bauabschnitten statt. Von 1980 bis 1985 folgte eine umfassende Kirchenrenovierung, bei der Dächer und Außenmauerwerk ausgebessert und gesichert wurden. Zwischen 1981 und 1985 wurde die Orgel restauriert. Im Verlauf der Arbeiten wurden auch die Innenfarben der Kirche in ihrer ursprünglichen Fassung freigelegt und der Altarbereich in der Vierung neu gestaltet. Die Altargemälde wurden im Jahre 1983 im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Schriftaltars restauriert und anschließend an der Südwand des Langschiffs aufgehängt.<ref name=":2" />
 
In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Westteil des Langschiffs abgetrennt und als Schule genutzt. Dadurch fehlte der Lichteinfall des großen Westfensters und der Kirchenraum wurde, vor allem unter den Emporen, zu dunkel, weswegen 1840 die großen Spitzbogenfenster an der Nord- und der Südwand angebracht wurden.
 
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei große Fenster an der Nord- und Südseite des Querschiffs eingebaut. Sie zeigen die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Das nördliche wurde 1889 zur Erinnerung an die Feierlichkeiten zum 400. Geburtstag des Reformators im Jahr 1883 eingefügt. Das Fensterbildnis des Melanchthon folgte 1898.
 
Von 1956 bis 1968 fanden umfassende Sanierungsarbeiten in sieben Bauabschnitten statt. In den Jahren 1980–1985 folgte eine umfassende Kirchenrenovierung, bei der Dächer und Außenmauerwerk ausgebessert und gesichert wurden. Von 1981 bis 1985 wurde die Orgel restauriert. Im Verlauf der Arbeiten wurden auch die Innenfarben der Kirche in ihrer ursprünglichen Fassung freigelegt und der Altarbereich in der Vierung neu gestaltet. Die Altargemälde wurden im Jahre 1983 im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Schriftaltars restauriert und anschließend an der Südwand des Langschiffs aufgehängt.


==Beschreibung==
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