Ludgerikirche: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Geschichte==
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Die Geschichte der Ludgerikirche steht in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung der Stadt Norden. Angenommen wird, dass die Stadt als zentraler Marktort der umliegenden Bauerschaften [[Ekel]], [[Lintel]] und [[Westgaste]], die sich später zur Gemeinde [[Sandbauerschaft]] zusammenschlossen, entstand. Die Ortschaften befanden bzw. befinden sich nördlich, östlich und westlich des heutigen Stadtkerns und wurden in erhöht liegendem, damals noch weitestgehenden sturmflutsicherem Geestgebiet gegründet.
Die Geschichte der Ludgerikirche steht in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung der Stadt Norden. Angenommen wird, dass die Stadt als zentraler Marktort der umliegenden Bauerschaften [[Ekel]], [[Lintel]] und [[Westgaste]], die sich später zur Gemeinde [[Sandbauerschaft]] zusammenschlossen, entstand. Die Ortschaften befanden bzw. befinden sich nördlich, östlich und westlich des heutigen Stadtkerns und wurden in erhöht liegendem, damals noch weitestgehenden sturmflutsicherem Geestgebiet gegründet. So entstanden in etwa zur gleichen Zeit zwei Kirchen: Die [[Andreaskirche]] und die Ludgerikirche. Beide Kirchen wurden im höchstgelegenen Punkt der Stadt erbaut, die Andreaskirche zusätzlich auf einer Warft, also einer künstlichen Erderhöhung. Diese Warft ist auch nach dem Zerfall der Andreaskirche erhalten und bildet heute den [[Alter Friedhof|Alten Friedhof]]. Während die Andreaskirche zur städtischen Kirche wurde, wurde die Ludgerikirche die des Norder Umlandes; sprich der heute zur Stadt gehörenden und damals noch als Gemeinden [[:Kategorie:Stadtteile von Norden|selbstständigen Stadtteile]].


So entstanden in etwa zur gleichen Zeit zwei Kirchen: Die [[Andreaskirche]] und die Ludgerikirche. Beide Kirchen wurden im höchstgelegenen Punkt der Stadt erbaut, die Andreaskirche zusätzlich auf einer Warft, also einer künstlichen Erderhöhung. Diese Warft ist auch nach dem Zerfall der Andreaskirche erhalten und bildet heute den [[Alter Friedhof|Alten Friedhof]]. Während die Andreaskirche zur städtischen Kirche wurde, wurde die Ludgerikirche die des Norder Umlandes; sprich der heute zur Stadt gehörenden und damals noch als Gemeinden [[:Kategorie:Stadtteile von Norden|selbstständigen Stadtteile]].
Die Kirche wurde sodann dem heiligen Ludger geweiht, dem Apostel der Friesen und Schutzheiligen des [[Norderland|Norderlandes]]. Wie auch die [[Andreaskirche]] hatte die Ludgerikirche einen Vorgängerbau aus Holz, da insbesondere in Ostfriesland die natürlichen Steinvorkommen sehr begrenzt waren und die Ostfriesen zu dieser Zeit noch nicht sehr versiert im Steinbau waren. Dieser dürfte um die Zeit der christlichen Missionierung erbaut worden sein, spätestens im 9. oder 10. Jahrhundert.


Die Kirche wurde sodann dem heiligen Ludger geweiht, dem Apostel der Friesen und Schutzheiligen des [[Norderland|Norderlandes]]. Wie auch die [[Andreaskirche]] hatte die Ludgerikirche einen Vorgängerbau aus Holz, da insbesondere in Ostfriesland die natürlichen Steinvorkommen sehr begrenzt waren und die Ostfriesen zu dieser Zeit noch nicht sehr versiert im Steinbau waren. Dieser dürfte um die Zeit der christlichen Missionierung erbaut worden sein, spätestens im 9. oder 10. Jahrhundert.
Die eigentlich Bauarbeiten begannen in der Zeit um 1200 bis 1250. Zunächst wurde lediglich die rechteckige Einraumkirche, das Langschiff, aus Backsteinen im romanischen Stile erbaut. Mit einer Länge von 41 und einer Breite von 13 Metern hatte dieser Bau eine etwas größere Dimensionen als die benachbarte Andreaskirche. Dies wird als Hinweis gewertet, dass es zwischen den beiden Kirche eine Art Konkurrenzkampf gab. Der Bau hatte je zwei Eingänge an der Nord- und Südseite, kleine Rundbogenfenster und eine flache Holzbalkendecke.<ref>Ruge, Reinhard (2015): Die Ludgeri-Kirche zu Norden, Norden, S. 2</ref> Die Ausstattung wird, wie zu der Zeit üblich, nur aus einem Taufstein und einem einfachen Altar bestanden haben; denn Kanzel, Altaraufsatz, Leuchter und andere Ausstattungsgegenstände waren damals noch unbekannt. Es gab auch noch kein festes Gestühl. Die Gläubigen mussten stehend der heiligen Messe beiwohnen.<ref>Noah, Robert (1989): Gottes Häuser in Ostfriesland. Soltau-Kurier, Norden 1989, <nowiki>ISBN 3-922365-80-9</nowiki>, S. 82.</ref>


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Das Areal, auf dem beide Gotteshäuser errichtet wurden, liegt auf einer Sandinsel in der Marsch, die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.<ref>Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94</ref> Der eigentliche Kirchhügel hat eine Fläche von rund 150×90 Metern und erhebt sich an seiner höchsten Stelle auf 10,2 Meter über Normalnull.<ref>Bärenfänger, Rolf (1996): Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands. Band 76 (1996) S. 220</ref> Für den Bau der Vorgängerkirche der Andreaskirche wurde der Hügel in seinem Zentrum auf einer Fläche von 30 x 13 Metern um 0,6 Meter mit Heidesoden erhöht, später dann auch in den Randbereichen durch Aufbringung von humosem Sand.<ref>Bärenfänger, Rolf (1999): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 35: Ostfriesland, Stuttgart, S. 187f.</ref>
Die Ludgerikirche ist mit rund 80 Meter Länge der größte erhaltene mittelalterliche Sakralbau Ostfrieslands. Der in der Außenansicht stark zergliederte Baukörper besteht aus drei Abschnitten, die auch in der Höhe variieren, und ist vor allem durch den um 1455 fertiggestellten gotischen Chor geprägt. Er überragt das gotische Querhaus und das romanische Langhaus deutlich. Der Chorraum ist mit seinem Umgang der einzige dreischiffige Sakralbau in Ostfriesland in der Art gotischer Kathedralenarchitektur. Der südlich neben der Kirche freistehende romanische Glockenturm ist durch eine Straße von der Kirche getrennt.
Die Ludgerikirche ist mit rund 80 Meter Länge der größte erhaltene mittelalterliche Sakralbau Ostfrieslands. Der in der Außenansicht stark zergliederte Baukörper besteht aus drei Abschnitten, die auch in der Höhe variieren, und ist vor allem durch den um 1455 fertiggestellten gotischen Chor geprägt. Er überragt das gotische Querhaus und das romanische Langhaus deutlich. Der Chorraum ist mit seinem Umgang der einzige dreischiffige Sakralbau in Ostfriesland in der Art gotischer Kathedralenarchitektur. Der südlich neben der Kirche freistehende romanische Glockenturm ist durch eine Straße von der Kirche getrennt.



Version vom 4. März 2021, 15:13 Uhr

Ludgerikirche

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Basisdaten
Entstehungszeit 1200-
Erbauer Kirchengemeinde Süderneuland
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 37

26506 Norden

Die Ludgerikirche ist die größte mittelalterliche Kirche Ostfrieslands. Mit ihrem Standort am zentralen Marktplatz von Norden ist sie zudem eines der Wahrzeichen der statt. Erbaut wurde die Kirche in mehreren Abschnitten vom frühen 13. Jahrhundert an bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts und weist sowohl Elemente des romanischen als auch des gotischen Baustils auf. Im frühen 14. Jahrhundert wurde sie um einen freistehenden Glockenturm erweitert. Geweiht war sie dem heiligen Ludger, dem Apostel der Friesen und ersten Bischof des Bistums Münster, zu dem Norden einst gehörte.

Als sogenannte "Sendkirche" des Norderlandes war die Ludgerikirche lange Zeit Verhandlungsort von Gerichtsverfahren, abgehalten durch kirchliche und weltliche Würdenträger.

Geschichte

Die Geschichte der Ludgerikirche steht in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung der Stadt Norden. Angenommen wird, dass die Stadt als zentraler Marktort der umliegenden Bauerschaften Ekel, Lintel und Westgaste, die sich später zur Gemeinde Sandbauerschaft zusammenschlossen, entstand. Die Ortschaften befanden bzw. befinden sich nördlich, östlich und westlich des heutigen Stadtkerns und wurden in erhöht liegendem, damals noch weitestgehenden sturmflutsicherem Geestgebiet gegründet. So entstanden in etwa zur gleichen Zeit zwei Kirchen: Die Andreaskirche und die Ludgerikirche. Beide Kirchen wurden im höchstgelegenen Punkt der Stadt erbaut, die Andreaskirche zusätzlich auf einer Warft, also einer künstlichen Erderhöhung. Diese Warft ist auch nach dem Zerfall der Andreaskirche erhalten und bildet heute den Alten Friedhof. Während die Andreaskirche zur städtischen Kirche wurde, wurde die Ludgerikirche die des Norder Umlandes; sprich der heute zur Stadt gehörenden und damals noch als Gemeinden selbstständigen Stadtteile.

Die Kirche wurde sodann dem heiligen Ludger geweiht, dem Apostel der Friesen und Schutzheiligen des Norderlandes. Wie auch die Andreaskirche hatte die Ludgerikirche einen Vorgängerbau aus Holz, da insbesondere in Ostfriesland die natürlichen Steinvorkommen sehr begrenzt waren und die Ostfriesen zu dieser Zeit noch nicht sehr versiert im Steinbau waren. Dieser dürfte um die Zeit der christlichen Missionierung erbaut worden sein, spätestens im 9. oder 10. Jahrhundert.

Die eigentlich Bauarbeiten begannen in der Zeit um 1200 bis 1250. Zunächst wurde lediglich die rechteckige Einraumkirche, das Langschiff, aus Backsteinen im romanischen Stile erbaut. Mit einer Länge von 41 und einer Breite von 13 Metern hatte dieser Bau eine etwas größere Dimensionen als die benachbarte Andreaskirche. Dies wird als Hinweis gewertet, dass es zwischen den beiden Kirche eine Art Konkurrenzkampf gab. Der Bau hatte je zwei Eingänge an der Nord- und Südseite, kleine Rundbogenfenster und eine flache Holzbalkendecke.[1] Die Ausstattung wird, wie zu der Zeit üblich, nur aus einem Taufstein und einem einfachen Altar bestanden haben; denn Kanzel, Altaraufsatz, Leuchter und andere Ausstattungsgegenstände waren damals noch unbekannt. Es gab auch noch kein festes Gestühl. Die Gläubigen mussten stehend der heiligen Messe beiwohnen.[2]

Beschreibung

Das Areal, auf dem beide Gotteshäuser errichtet wurden, liegt auf einer Sandinsel in der Marsch, die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.[3] Der eigentliche Kirchhügel hat eine Fläche von rund 150×90 Metern und erhebt sich an seiner höchsten Stelle auf 10,2 Meter über Normalnull.[4] Für den Bau der Vorgängerkirche der Andreaskirche wurde der Hügel in seinem Zentrum auf einer Fläche von 30 x 13 Metern um 0,6 Meter mit Heidesoden erhöht, später dann auch in den Randbereichen durch Aufbringung von humosem Sand.[5]

Die Ludgerikirche ist mit rund 80 Meter Länge der größte erhaltene mittelalterliche Sakralbau Ostfrieslands. Der in der Außenansicht stark zergliederte Baukörper besteht aus drei Abschnitten, die auch in der Höhe variieren, und ist vor allem durch den um 1455 fertiggestellten gotischen Chor geprägt. Er überragt das gotische Querhaus und das romanische Langhaus deutlich. Der Chorraum ist mit seinem Umgang der einzige dreischiffige Sakralbau in Ostfriesland in der Art gotischer Kathedralenarchitektur. Der südlich neben der Kirche freistehende romanische Glockenturm ist durch eine Straße von der Kirche getrennt.

Die Ludgerikirche weist eine besonders reiche Ausstattung auf. Bedeutend sind insbesondere der Schriftaltar, die barocke Kanzel, das gotische Chorgestühl, das Taufbecken, das Epitaph des Unico Manninga und vor allem die Orgel von Arp Schnitger, historisch und klanglich ein Kunstwerk von internationalem Rang. Vorreformatorische Kunst des Mittelalters ist wegen des Bildersturms zur Zeit der Reformation nur in geringen Resten vorhanden, die nur im Querschiff und im Chor zu sehen sind.

Einzelnachweise

  1. Ruge, Reinhard (2015): Die Ludgeri-Kirche zu Norden, Norden, S. 2
  2. Noah, Robert (1989): Gottes Häuser in Ostfriesland. Soltau-Kurier, Norden 1989, ISBN 3-922365-80-9, S. 82.
  3. Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94
  4. Bärenfänger, Rolf (1996): Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands. Band 76 (1996) S. 220
  5. Bärenfänger, Rolf (1999): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 35: Ostfriesland, Stuttgart, S. 187f.

Siehe auch