Steinbömer & Lubinus: Unterschied zwischen den Versionen
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Auf Initiative des ''Konsuls'' und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] stattete König Georg V. von Hannover der [[Stadt Norden]] am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab. Ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der ''Konsul'' die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. 1869 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung des Produktionsgeländes. Das neue Hauptgebäude gehörte zu den höchsten der Stadt und überragte mit einer imposanten Dachkonstruktion die gesamte Nachbarschaft, zwei neue, mächtige Schornsteine ergänzten das Stadtpanorama. Weiterhin wird neben Tabak auch Seife produziert, der Kolonialwarenhandel hingegen aufgegeben. | Auf Initiative des ''Konsuls'' und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] stattete König Georg V. von Hannover der [[Stadt Norden]] am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab. Ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der ''Konsul'' die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. 1869 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung des Produktionsgeländes. Das neue Hauptgebäude gehörte zu den höchsten der Stadt und überragte mit einer imposanten Dachkonstruktion die gesamte Nachbarschaft, zwei neue, mächtige Schornsteine ergänzten das Stadtpanorama. Weiterhin wird neben Tabak auch Seife produziert, der Kolonialwarenhandel hingegen aufgegeben. | ||
[[Datei:Steinbömer Lubinus Auszeichnung Weltausstellung 1873 01.jpg|mini|259x259px|Auszeichnung einer internationalen Jury (Weltausstellung 1873 in Wien).]] | [[Datei:Steinbömer Lubinus Auszeichnung Weltausstellung 1873 01.jpg|mini|259x259px|Auszeichnung einer internationalen Jury (Weltausstellung 1873 in Wien).]] | ||
Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883 bzw. 1884 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] die gesamte Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref> Offenbar behielt er jedoch ein Packhaus an der [[Uffenstraße]] ein und verkaufte es 1891 an die [[Schokoladenmanufaktur Heddinga]].<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref> | Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883 bzw. 1884 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] die gesamte Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref> Offenbar behielt er jedoch ein Packhaus an der [[Uffenstraße]] ein und verkaufte es 1891 an die [[Schokoladenmanufaktur Heddinga]].<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref> Ein weiteres Packhaus der Tabakmanufaktur befand sich am [[Neuer Weg 77|Neuen Weg 77]].<ref>[https://www.speicher77.de/ueber-uns/die-historie-des-speichers/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAYnJpZBEwbjlaME1sSEVpZno4VXUxQXNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR4S1CWLc5MdfXzswtydKMf4BASeexRkyOHLSecIPRVpTvyiEqXAegxPuzlYpQ_aem_mFB1t7q9zXbc1h-43qAfTA Eckdaten zur Historie des Speichers], abgerufen am 9. Dezember 2025</ref> | ||
1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien in Übersee und stellte erstmals Zigarren her. | 1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien in Übersee und stellte erstmals Zigarren her. | ||