Altes Rathaus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Geschichte==
==Geschichte==
Das Alte Rathaus wurde zwischen 1539 und 1542 um den Kern seines Vorgängerbaus erbaut, welches 1531 durch [[Balthasar von Esens]] schwer beschädigt wurde. Katasteramtsauszüge belegen, dass der Keller aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammt, was darauf schließen lässt, dass der Vorgängerbau ebenfalls aus dieser Zeit stammt. Das Gebäude befand sich, wie viele Bauten und Ländereien in Norden und Umgebung, im Besitz der Kirche.
Das Alte Rathaus wurde zwischen 1539 und 1542 um den Kern seines im gotischen Stile gehaltenen Vorgängerbaus erbaut, welches 1531 durch [[Balthasar von Esens]] schwer beschädigt wurde. Katasteramtsauszüge belegen, dass der Keller aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammt, was darauf schließen lässt, dass der Vorgängerbau ebenfalls aus dieser Zeit stammt. Das Gebäude befand sich, wie viele Bauten und Ländereien in Norden und Umgebung, im Besitz der Kirche. In den Kirchenrechnungen dieser Zeit ist zu lesen: "Anno (15)42 dat Rathues angevangen tho temeren oeck gelt daer tho uvgenommen", was übersetzt soviel bedeutet wie "Im Jahr 1542 wurde das Rathaus erbaut und dafür ein Darlehen aufgenommen." Die älteste Urkunde vom Rathaus selbst stammt von 1539, was auf eine Erbauung in dieser Zeit schließen lässt. Nach einer Huldigungsfeier für [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] und ihren Söhnen wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben.


In den Kirchenrechnungen dieser Zeit ist zu lesen: "Anno (15)42 dat Rathues angevangen tho temeren oeck gelt daer tho uvgenommen", was übersetzt soviel bedeutet wie "Im Jahr 1542 wurde das Rathaus erbaut und dafür ein Darlehen aufgenommen." Die älteste Urkunde vom Rathaus selbst stammt von 1539, was auf eine Erbauung in dieser Zeit schließen lässt.
Aufgrund der Tatsache, dass sich sowohl das Alte Rathaus als auch sein Vorgängerbau im Eigentum der Kirche befand und dass Balthasar vor allem kirchliche Gebäude in Norden zerstörte, ist anzunehmen, dass auch das Alte Rathaus eigentlich ein kirchlich genutztes Gebäude war. Denkbar ist, dass es sich um ein Verwaltungsgebäude o.ä. handelte. In jedem Fall wurde der Stadt ein Mitnutzungsrecht am Gebäude eingeräumt und dieses als Rathaus genutzt.


==Bauweise==
Längster Nutzer des Alten Rathauses ist indes nicht die Stadt, sondern die [[Theelacht]], die hier in der sogenannten "Theelkammer" im linken Untergeschoss tagt. Dieses Anrecht auf die Theelkammer hat sie sich über Jahrhunderte lang trotz vieler Widerstände erfolgreich behauptet. Seit 1897 ist dieses Privileg auch grundbuchamtlich eingetragen.
 
Während des [[Appell-Krieg|Appellkrieges]] von 1724 bis 1727 diente das Rathaus als Wachlokal für dänische und kaiserliche Truppen. Zeitweise war hier zudem ein Klassenraum der [[Lateinschule]], dem Vorläufer des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]], eingerichtet. Später beherbergte das Rathaus noch das [[Amtsgericht]], welches in der obersten Etage des Turmes ein Gefängnis unterhielt. Auch das Eichamt sowie die Berufsschule waren dort zeitweise untergebracht. Darüber hinaus wurde das Gebäude für gewerbliche und private Sitzungen und Feste genutzt.
 
1861 erwarb die Stadt das Gebäude von der Kirche. Im Herbst 1883 zog die Stadtverwaltung in das [[Rathaus|neue Rathaus]] und vermiete einen Großteil der Räumlichkeiten des alten Rathauses ab 1922 [[Heimatverein Norden|Norder Heimatverein]] vermietet, der hier ein [[Heimat- und Teemuseum]] aufbaute.


2013 wurde das Alte Rathaus umfangreich renoviert und saniert. Hierbei geriet am 1. August ein hölzerner Fensterrahmen in Brand. Durch schnelles, aber zugleich besonnenes Eingreifen der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] konnte der Schaden weitestgehend auf den Fensterbereich begrenzt werden. Die entstandene Verrauchung verursachte keine allzu großen Schäden. Ein Ausbreiten des Feuers hätte zu unschätzbaren Schäden an einem der bedeutendsten Bauten der Stadt geführt. Auch die unterhalb der Brandstelle befindliche Theelkammer wäre durch einen größeren Löschwassereinsatz in Mitleidenschaft gezogen worden.


Es wurde u. a. ein Treppenturm gebaut. Weiterer Benutzer des Rathauses war die Theelacht, die hier in der so genannten Theelachtskammer ihre Versammlungen abhielt. Dieses Anrecht auf die Theelkammer hat sie sich über Jahrhunderte lang trotz vieler Widerstände erfolgreich behauptet. Seit 1897 ist dieses auch grundbuchamtlich eingetragen. Während des sog. Appellkrieges 1724-1727 diente das Rathaus als Wachtlokal für dänische und kaiserliche Truppen; zeitweise war ein Klassenraum für die Lateinschule eingerichtet; dann beherbergte das Rathaus das Stadtgericht, es gab ein Gefängnis in der obersten Etage des Turmes. Auch das Eichamt sowie die Berufsschule waren dort zeitweise untergebracht. 1861 kam das Rathaus in den Besitz der Stadt und seit 1922 ist es an den Norder Heimatverein vermietet, der hier ein Heimatmuseum aufbaute (2).
==Bauweise==
Das steinerne Gebäude, welches traufständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde, besteht zum Großteil aus Backsteinen. In der Front verfügt es über einen Turm, in dem sich Treppen befinden, die die Stockwerke verbinden. Die Fenster bestehen aus Holz, als Dämmmaterial wurde vor allem Torf verwendet.


Größter Raum ist der sogenannte "Rummel", ein Sitzungs- und Festsaal, der heute sowohl zur Durchführung der ostfriesischen Teezeremonie vom Museum als auch vom [[Standesamt]] für Trauungen genutzt wird.


Die Bauweise weist deutliche Ähnlichkeiten mit dem [[Uldingaburg|Ekeler Torenhus]] auf.


==Quellenverzeichnis==
==Quellenverzeichnis==
* [
* Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 66f.
* [https://flurnamen-ostfriesland.de/flurnamenkarte Historische Flurnamensammlung] der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.feuerwehr-norden.de/2013/08/01/feuer-im-heimatmuseum-2/ Einsatzbericht der [[Feuerwehr Norden]]], abgerufen am 24. Februar 2021


==Siehe auch==
==Siehe auch==

Version vom 24. Februar 2021, 14:56 Uhr

Altes Rathaus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1539-1542 (um 1300)
Erbauer unbekannt
Bauweise Steinhaus mit Turm
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 36

26506 Norden

Das Alte Rathaus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Norder Marktplatz. Bis 1883 diente es als städtisches Rathaus. Seit 1922 hat hier der Norder Heimatverein seinen Sitz, der einen Großteil der Räumlichkeiten als Heimat- und Teemuseum nutzt. Längster Nutzer des Gebäudes ist indes die Theelacht.

Geschichte

Das Alte Rathaus wurde zwischen 1539 und 1542 um den Kern seines im gotischen Stile gehaltenen Vorgängerbaus erbaut, welches 1531 durch Balthasar von Esens schwer beschädigt wurde. Katasteramtsauszüge belegen, dass der Keller aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammt, was darauf schließen lässt, dass der Vorgängerbau ebenfalls aus dieser Zeit stammt. Das Gebäude befand sich, wie viele Bauten und Ländereien in Norden und Umgebung, im Besitz der Kirche. In den Kirchenrechnungen dieser Zeit ist zu lesen: "Anno (15)42 dat Rathues angevangen tho temeren oeck gelt daer tho uvgenommen", was übersetzt soviel bedeutet wie "Im Jahr 1542 wurde das Rathaus erbaut und dafür ein Darlehen aufgenommen." Die älteste Urkunde vom Rathaus selbst stammt von 1539, was auf eine Erbauung in dieser Zeit schließen lässt. Nach einer Huldigungsfeier für Gräfin Anna und ihren Söhnen wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben.

Aufgrund der Tatsache, dass sich sowohl das Alte Rathaus als auch sein Vorgängerbau im Eigentum der Kirche befand und dass Balthasar vor allem kirchliche Gebäude in Norden zerstörte, ist anzunehmen, dass auch das Alte Rathaus eigentlich ein kirchlich genutztes Gebäude war. Denkbar ist, dass es sich um ein Verwaltungsgebäude o.ä. handelte. In jedem Fall wurde der Stadt ein Mitnutzungsrecht am Gebäude eingeräumt und dieses als Rathaus genutzt.

Längster Nutzer des Alten Rathauses ist indes nicht die Stadt, sondern die Theelacht, die hier in der sogenannten "Theelkammer" im linken Untergeschoss tagt. Dieses Anrecht auf die Theelkammer hat sie sich über Jahrhunderte lang trotz vieler Widerstände erfolgreich behauptet. Seit 1897 ist dieses Privileg auch grundbuchamtlich eingetragen.

Während des Appellkrieges von 1724 bis 1727 diente das Rathaus als Wachlokal für dänische und kaiserliche Truppen. Zeitweise war hier zudem ein Klassenraum der Lateinschule, dem Vorläufer des Ulrichsgymnasiums, eingerichtet. Später beherbergte das Rathaus noch das Amtsgericht, welches in der obersten Etage des Turmes ein Gefängnis unterhielt. Auch das Eichamt sowie die Berufsschule waren dort zeitweise untergebracht. Darüber hinaus wurde das Gebäude für gewerbliche und private Sitzungen und Feste genutzt.

1861 erwarb die Stadt das Gebäude von der Kirche. Im Herbst 1883 zog die Stadtverwaltung in das neue Rathaus und vermiete einen Großteil der Räumlichkeiten des alten Rathauses ab 1922 Norder Heimatverein vermietet, der hier ein Heimat- und Teemuseum aufbaute.

2013 wurde das Alte Rathaus umfangreich renoviert und saniert. Hierbei geriet am 1. August ein hölzerner Fensterrahmen in Brand. Durch schnelles, aber zugleich besonnenes Eingreifen der Norder Feuerwehr konnte der Schaden weitestgehend auf den Fensterbereich begrenzt werden. Die entstandene Verrauchung verursachte keine allzu großen Schäden. Ein Ausbreiten des Feuers hätte zu unschätzbaren Schäden an einem der bedeutendsten Bauten der Stadt geführt. Auch die unterhalb der Brandstelle befindliche Theelkammer wäre durch einen größeren Löschwassereinsatz in Mitleidenschaft gezogen worden.

Bauweise

Das steinerne Gebäude, welches traufständig zum Marktplatz errichtet wurde, besteht zum Großteil aus Backsteinen. In der Front verfügt es über einen Turm, in dem sich Treppen befinden, die die Stockwerke verbinden. Die Fenster bestehen aus Holz, als Dämmmaterial wurde vor allem Torf verwendet.

Größter Raum ist der sogenannte "Rummel", ein Sitzungs- und Festsaal, der heute sowohl zur Durchführung der ostfriesischen Teezeremonie vom Museum als auch vom Standesamt für Trauungen genutzt wird.

Die Bauweise weist deutliche Ähnlichkeiten mit dem Ekeler Torenhus auf.

Quellenverzeichnis

Siehe auch