Engenahof: Unterschied zwischen den Versionen
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Nach dem Sieg von [[Focko Ukena]] über die tom Brook bei der Schlacht auf den Wilden Äckern 1427 fiel die Burg an die mit ihnen versippten [[Idzinga]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 29</ref> Nach dem Tode der letzten Idzinga, [[Hima Idzinga|Hima]], die 1439 kinderlos im [[Kloster Marienthal]] verstarb, fiel die Burg von Rechts wegen an [[Edzard Cirksena]] als ostfriesischen Landesherren und danach an seinen Bruder [[Ulrich Cirksena|Ulrich]].<ref>Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42</ref> Die [[Cirksena]] hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der Idzinga. | Nach dem Sieg von [[Focko Ukena]] über die tom Brook bei der Schlacht auf den Wilden Äckern 1427 fiel die Burg an die mit ihnen versippten [[Idzinga]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 29</ref> Nach dem Tode der letzten Idzinga, [[Hima Idzinga|Hima]], die 1439 kinderlos im [[Kloster Marienthal]] verstarb, fiel die Burg von Rechts wegen an [[Edzard Cirksena]] als ostfriesischen Landesherren und danach an seinen Bruder [[Ulrich Cirksena|Ulrich]].<ref>Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42</ref> Die [[Cirksena]] hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der Idzinga. | ||
Später fiel die Burg an die [[Engena]], die ihren Hauptsitz vermutlich in Engerhafe (Gemeinde Südbrookmerland) hatten, was in unmittelbarer Nachbarschaft zu der ursprünglich im benachbarten Oldeborg ansässigen tom Brook lag. Wie genau das Anwesen in ihren Besitz gelangten, lässt sich mangels Quellen nicht mehr genau nachvollziehen. Denkbar ist, dass sie bei einem den Cirksena an Macht überlegenen Fürsten auf Überlassung von Besitztümern der tom Brook als legitime Nachfolger klagten. Dies war in früheren Zeiten nichts Ungewöhnliches, gab es doch keine ordentlichen Gerichte in ihrer heutigen Form. Von [[Remet Engen|Remet Engena]] vererbte sich der Engenahof auf die Familie des Bürgermeisters [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]]. Dieser wiederum vermachte den Hof im Jahre 1605 seinem Neffen und Erben [[Erhard Lüppena]], einem Abkömmling des Geschlechts der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum im Landkreis Leer).<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> Dieser erbaute das bis heute bestehende Gebäude im Jahre 1617, wie die Inschrift ''Anno 1617'' an der Stirnseite des Hauses verrät. | Später fiel die Burg an die [[Engena]], die ihren Hauptsitz vermutlich in Engerhafe (Gemeinde Südbrookmerland) hatten, was in unmittelbarer Nachbarschaft zu der ursprünglich im benachbarten Oldeborg ansässigen tom Brook lag. Wie genau das Anwesen in ihren Besitz gelangten, lässt sich mangels Quellen nicht mehr genau nachvollziehen. Denkbar ist, dass sie bei einem den Cirksena an Macht überlegenen Fürsten auf Überlassung von Besitztümern der tom Brook als legitime Nachfolger klagten. Dies war in früheren Zeiten nichts Ungewöhnliches, gab es doch keine ordentlichen Gerichte in ihrer heutigen Form. Von [[Remet Engen|Remet Engena]] vererbte sich der Engenahof auf die Familie des Bürgermeisters [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]]. Dieser wiederum vermachte den Hof im Jahre 1605 seinem angeheirateten Neffen und Erben [[Erhard Lüppena]], einem Abkömmling des Geschlechts der [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlinge]] von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum im Landkreis Leer).<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> Dieser erbaute das bis heute bestehende Gebäude im Jahre 1617, wie die Inschrift ''Anno 1617'' an der Stirnseite des Hauses verrät. | ||
Lüppena wurde 1620 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister von Norden]] und blieb dies bis 1643. Hierbei dürfte ihm sein prachtvoller Besitz sicherlich bei der Erlangung dieses Amtes behilflich gewesen sein, wurden doch in früheren Zeiten nur wohlhabende und verdiente Persönlichkeiten vom Landesherren in diesem Amt eingesetzt. Das neue Gebäude war allerdings wesentlich kleiner als sein Vorgängerbau und umfasste nur die heutige Hausnummer 10. Die Nummern 9 ([[Holzhandlung Frericks]]) und 11 ([[Haus Monsieur]]) wurden erst später auf dem Grund des einst größeren Bauwerks errichtet. An die Herren von Soltborg erinnert heute noch ihr Wappen an der linken Giebelseite. Es zeigt einen goldenen Löwen im blauen Feld, zwischen dessen Vorder- und Hinterpranken ein goldenen, sechsstrahligen Stern erscheint.<ref name=":2" /> Das Pendant auf der rechten Seite zeigt vermutlich das Wappen der [[Rykena]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref> Das weitere Schicksal des Anwesens ist zurzeit ungewiss, wahrscheinlich verblieb es über viele Jahre im Besitz der Nachkommen von Lüppena. Da das benachbarte [[Haus Monsieur]] (Hausnummer 11) vom Amtsnachfolger [[Jacobus Wermelskirchen|Jacobus "Monsieur" Wermelskirchen]] errichtet wurde, der wahrscheinlich mit Lüppena verwandt war, ist auch eine Eigentumsübertragung an ihn denkbar.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 30</ref> Sicher ist hingegen, dass 1836 der obere Giebel durch den Kaufmann [[Reinhard Rahusen]] aufgemauert wird. Die Inschrift ''1836 R. Rahusen'' am Giebel weist darauf hin.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 103</ref> Der ursprüngliche Giebel ging wohl kurz zuvor verloren.<ref name=":0" /> | Lüppena wurde 1620 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister von Norden]] und blieb dies bis 1643. Hierbei dürfte ihm sein prachtvoller Besitz sicherlich bei der Erlangung dieses Amtes behilflich gewesen sein, wurden doch in früheren Zeiten nur wohlhabende und verdiente Persönlichkeiten vom Landesherren in diesem Amt eingesetzt. Das neue Gebäude war allerdings wesentlich kleiner als sein Vorgängerbau und umfasste nur die heutige Hausnummer 10. Die Nummern 9 ([[Holzhandlung Frericks]]) und 11 ([[Haus Monsieur]]) wurden erst später auf dem Grund des einst größeren Bauwerks errichtet. An die Herren von Soltborg erinnert heute noch ihr Wappen an der linken Giebelseite. Es zeigt einen goldenen Löwen im blauen Feld, zwischen dessen Vorder- und Hinterpranken ein goldenen, sechsstrahligen Stern erscheint.<ref name=":2" /> Das Pendant auf der rechten Seite zeigt vermutlich das Wappen der [[Rykena]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref> | ||
Das weitere Schicksal des Anwesens ist zurzeit ungewiss, wahrscheinlich verblieb es über viele Jahre im Besitz der Nachkommen von Lüppena. Da das benachbarte [[Haus Monsieur]] (Hausnummer 11) vom Amtsnachfolger [[Jacobus Wermelskirchen|Jacobus "Monsieur" Wermelskirchen]] errichtet wurde, der wahrscheinlich mit Lüppena verwandt war, ist auch eine Eigentumsübertragung an ihn denkbar.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 30</ref> Sicher ist hingegen, dass 1836 der obere Giebel durch den Kaufmann [[Reinhard Rahusen]] aufgemauert wird. Die Inschrift ''1836 R. Rahusen'' am Giebel weist darauf hin.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 103</ref> Der ursprüngliche Giebel ging wohl kurz zuvor verloren.<ref name=":0" /> | |||
Nachdem das Gebäude fortan weitere Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute der Norder Verleger [[Diedrich Gerhard Soltau]] es 1884 oder 1885 zu einer Herberge um, die er am 13. März des letztgenannten Jahres einweihte und den Namen ''Herberge zur Heimat'' gab. Hier konnten vor allem arbeitslose, wandernde Handwerksburschen gegen ein geringes Entgelt Essen und Unterkunft finden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 202</ref> Ungefähr seit der Jahrhundertwende befand sich im Gebäude dann auch das sogenannte ''Vereinshaus'', das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Die Herberge wird auch im Adressbuch der [[Stadt Norden]] von 1897/1898 als "''Evangelisches Vereinshaus (Herberge Zur Heimat)"'' genannt.<ref>Adressbuch der Stadt Norden von 1897/1898</ref> | Nachdem das Gebäude fortan weitere Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute der Norder Verleger [[Diedrich Gerhard Soltau]] es 1884 oder 1885 zu einer Herberge um, die er am 13. März des letztgenannten Jahres einweihte und den Namen ''Herberge zur Heimat'' gab. Hier konnten vor allem arbeitslose, wandernde Handwerksburschen gegen ein geringes Entgelt Essen und Unterkunft finden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 202</ref> Ungefähr seit der Jahrhundertwende befand sich im Gebäude dann auch das sogenannte ''Vereinshaus'', das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Die Herberge wird auch im Adressbuch der [[Stadt Norden]] von 1897/1898 als "''Evangelisches Vereinshaus (Herberge Zur Heimat)"'' genannt.<ref>Adressbuch der Stadt Norden von 1897/1898</ref> | ||