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1907 wurde die städtische [[Gasanstalt]] erweitert, die am Anfang jedoch nur die Straßenlaternen mit Stadtgas (später Erdgas) [[Gasversorgung|belieferte]]. Am 10. März 1914 erfolgte der Anschluss der Stadt an die [[Elektrizitätsversorgung]].<ref name=":4" /> Der Strom wurde vor allem vom Torfkraftwerk in Wiesmoor zugeführt.
1907 wurde die städtische [[Gasanstalt]] erweitert, die am Anfang jedoch nur die Straßenlaternen mit Stadtgas (später Erdgas) [[Gasversorgung|belieferte]]. Am 10. März 1914 erfolgte der Anschluss der Stadt an die [[Elektrizitätsversorgung]].<ref name=":4" /> Der Strom wurde vor allem vom Torfkraftwerk in Wiesmoor zugeführt.


Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] wurden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder meldeten sich freiwillig. Viele von ihnen starben einen sinnlosen Tod auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlende Arbeitskraft zu kompensieren. [[Norddeich Radio]] hatte in den nächsten vier Jahren kriegswichtige Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt. Im letzten Kriegsjahr und noch bis 1919 strömten ganze Menschenmassen nach Norden und die umliegenden Gemeinden, um zu ''hamstern''. Diese kamen zum Teil ganz aus dem Rheinland und versuchten Schuhe, Tee und persönliche Wertgegenstände gegen Lebensmittel, vor allem Erbsen, einzutauschen. Da die Reichswährung kein sicheres Zahlungsmittel mehr war, beschloss der [[Magistrat]] in der Endphase des Krieges erstmals die Einführung von [[Notgeld]].
Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] wurden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder meldeten sich freiwillig. Viele von ihnen starben einen sinnlosen Tod auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlende Arbeitskraft zu kompensieren. [[Norddeich Radio]] hatte in den nächsten vier Jahren kriegswichtige Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt
 
Im November wurden die Volksschulen in Norden und in der [[Gemeinde Sandbauerschaft]] wegen grassierender Diphterie vorübergehend geschlossen.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 5. November 1915, S. 3</ref>
 
Im letzten Kriegsjahr und noch bis 1919 strömten ganze Menschenmassen nach Norden und die umliegenden Gemeinden, um zu ''hamstern''. Diese kamen zum Teil ganz aus dem Rheinland und versuchten Schuhe, Tee und persönliche Wertgegenstände gegen Lebensmittel, vor allem Erbsen, einzutauschen. Da die Reichswährung kein sicheres Zahlungsmittel mehr war, beschloss der [[Magistrat]] in der Endphase des Krieges erstmals die Einführung von [[Notgeld]].
[[Datei:Postkarte Norden 1909 01.jpg|mini|Postkarte mit verschiedenen Motiven (1909).]]
[[Datei:Postkarte Norden 1909 01.jpg|mini|Postkarte mit verschiedenen Motiven (1909).]]
Nach Kriegsende übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht in Norden, löste sich jedoch schnell auf. Erstmals tauchten am 7. November 1918 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiffhafen in Hage. Zum Einsatz von Schusswaffen kam es dabei glücklicherweise nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten - was auch gelang. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte jedoch eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Der [[Landkreis Norden]] mit seinen Kreisgebäuden am [[Fräuleinshof]] konnte daher schon recht früh wieder seine Arbeit aufnehmen, wobei eifrige Sozialdemokraten den [[Hermann Friedrich Bayer|Landrat Bayer]] erfolgreich dazu drängten, bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht zu erhalten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref> Die Folgejahre waren von großer wirtschaftlicher Not geprägt, die Arbeitslosenquote stieg bis 1931 auf gut 25 %.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> Durch die geringere Anzahl von Haushalten bei gleichzeitig mehr Bewohnern waren die Folgen noch schwerwiegender als ohnehin.
Nach Kriegsende übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht in Norden, löste sich jedoch schnell auf. Erstmals tauchten am 7. November 1918 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiffhafen in Hage. Zum Einsatz von Schusswaffen kam es dabei glücklicherweise nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten - was auch gelang. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte jedoch eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Der [[Landkreis Norden]] mit seinen Kreisgebäuden am [[Fräuleinshof]] konnte daher schon recht früh wieder seine Arbeit aufnehmen, wobei eifrige Sozialdemokraten den [[Hermann Friedrich Bayer|Landrat Bayer]] erfolgreich dazu drängten, bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht zu erhalten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref> Die Folgejahre waren von großer wirtschaftlicher Not geprägt, die Arbeitslosenquote stieg bis 1931 auf gut 25 %.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> Durch die geringere Anzahl von Haushalten bei gleichzeitig mehr Bewohnern waren die Folgen noch schwerwiegender als ohnehin.