NSDAP Ortsgruppe Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei''' (kurz: ''NSDAP'') wurde 1923 gegründet. Sie war faktisch die erste Ortsgruppe der Partei im Deutschen Reich außerhalb Münchens und existierte bis zu ihrem Verbot durch die britische Besatzungsmacht. | Die '''Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei''' (kurz: ''NSDAP'') wurde 1923 gegründet. Sie war faktisch die erste Ortsgruppe der Partei im Deutschen Reich außerhalb Münchens und existierte bis zu ihrem Verbot durch die britische Besatzungsmacht. | ||
== Geschichte == | __TOC__ | ||
==Geschichte== | |||
=== Vorgeschichte === | ===Vorgeschichte=== | ||
Die ''Deutsche Arbeiterpartei'' (kurz: DAP) wurde im Januar 1918 in München gegründet und war anfangs nur eine von unzähligen, unbedeutenden Kleinstparteien. Nach der deutschen Niederlage im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und der Novemberrevolution bekämpfte die DAP die noch junge Demokratie der Weimarer Republik. Eines der Ziele der Partei war die Abschaffung des Pluralismus zugunsten eines Machthabers, der als ''starker Mann'' die Geschicke des Landes weitgestehend allein bzw. autoritär bestimmen sollte. | Die ''Deutsche Arbeiterpartei'' (kurz: DAP) wurde im Januar 1918 in München gegründet und war anfangs nur eine von unzähligen, unbedeutenden Kleinstparteien. Nach der deutschen Niederlage im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und der Novemberrevolution bekämpfte die DAP die noch junge Demokratie der Weimarer Republik. Eines der Ziele der Partei war die Abschaffung des Pluralismus zugunsten eines Machthabers, der als ''starker Mann'' die Geschicke des Landes weitgestehend allein bzw. autoritär bestimmen sollte. | ||
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Am 27. Februar 1925 wurde die Partei neu gegründet, hatte nun jedoch Schwierigkeiten, sich im politischen Leben zu etablieren, da die Weimarer Republik in einer wirtschaftlichen Blüte stand, die auch als ''Goldene Zwanziger'' bekannt wurden. Erst die schwere Wirtschaftskrise 1929 brachte neuen Nährboden für das extremistische Gedankengut der NSDAP und anderen Feinden der Demokratie. Nur noch etwa ein Drittel aller Erwerbstätigkeiten war vollbeschäftigt, annähernd die Hälfte arbeitslos und der Rest in Kurzarbeit. Die NSDAP gewann fortwährend Mitglieder und wurde derart bedeutend, dass Reichspräsident Hindenburg den Parteivorsitzenden, Adolf Hitler, am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte. | Am 27. Februar 1925 wurde die Partei neu gegründet, hatte nun jedoch Schwierigkeiten, sich im politischen Leben zu etablieren, da die Weimarer Republik in einer wirtschaftlichen Blüte stand, die auch als ''Goldene Zwanziger'' bekannt wurden. Erst die schwere Wirtschaftskrise 1929 brachte neuen Nährboden für das extremistische Gedankengut der NSDAP und anderen Feinden der Demokratie. Nur noch etwa ein Drittel aller Erwerbstätigkeiten war vollbeschäftigt, annähernd die Hälfte arbeitslos und der Rest in Kurzarbeit. Die NSDAP gewann fortwährend Mitglieder und wurde derart bedeutend, dass Reichspräsident Hindenburg den Parteivorsitzenden, Adolf Hitler, am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte. | ||
[[Datei:NSDAP Marktplatz Engenahof Aufmarsch 1933.jpg|mini|Aufmarsch der NSDAP auf dem [[Marktplatz]] (1933).]] | |||
=== Gründungsgeschichte === | ===Gründungsgeschichte=== | ||
Bereits im April 1923 gründete sich in Norden eine Ortsgruppe der NSDAP, erlangte jedoch in der kurzen Zeit bis zu ihrem reichsweiten Verbot kaum politische Bedeutung. Dennoch wies sie mit 30 Mitgliedern eine nicht unerhebliche Größe auf. Dies veranlasste Hitler, die Norder Ortsgruppe zur ersten Ortsgruppe der NSDAP außerhalb Münchens zu erklären.<ref>Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 29</ref> | Bereits im April 1923 gründete sich in Norden eine Ortsgruppe der NSDAP, erlangte jedoch in der kurzen Zeit bis zu ihrem reichsweiten Verbot kaum politische Bedeutung. Dennoch wies sie mit 30 Mitgliedern eine nicht unerhebliche Größe auf. Dies veranlasste Hitler, die Norder Ortsgruppe zur ersten Ortsgruppe der NSDAP außerhalb Münchens zu erklären.<ref>Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 29</ref> | ||
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Der Nachfolger Waehnbecks wurde [[Rudolf Borchers]], der auch die bis zum 24. August 1938 einzige Norder Ortsgruppe leitete. Da eine Stadt mit gut 12.000 Einwohnern nach Ansicht der Machthaber jedoch über mehrere Ortsgruppe zu verfügen hatte, gründeten sich die Gruppen [[Ekel]], [[Marktplatz|Markt]] und [[Westgaste]]. Als Versammlungslokale dienten für die Westgaster Gruppe das bisherige Sturmlokal, die Ekeler nutzte das [[Schützenhaus]] und die Markt-Gruppe das [[Deutsches Haus|Deutsche Haus]]. Borchers wurde durch drei neue Ortsgruppenleiter abgelöst, deren Namen mit Brunken, Kramer und Plogstieß angegeben werden. | Der Nachfolger Waehnbecks wurde [[Rudolf Borchers]], der auch die bis zum 24. August 1938 einzige Norder Ortsgruppe leitete. Da eine Stadt mit gut 12.000 Einwohnern nach Ansicht der Machthaber jedoch über mehrere Ortsgruppe zu verfügen hatte, gründeten sich die Gruppen [[Ekel]], [[Marktplatz|Markt]] und [[Westgaste]]. Als Versammlungslokale dienten für die Westgaster Gruppe das bisherige Sturmlokal, die Ekeler nutzte das [[Schützenhaus]] und die Markt-Gruppe das [[Deutsches Haus|Deutsche Haus]]. Borchers wurde durch drei neue Ortsgruppenleiter abgelöst, deren Namen mit Brunken, Kramer und Plogstieß angegeben werden. | ||
== Organisation == | ==Organisation== | ||
[[Datei:Am Markt Bismarck Bismarckdenkmal NSDAP Nationalsozialismus Parteitag 1935 01.jpg|mini|Die Parteiführung vor dem [[Bismarckdenkmal]] (1935).]] | |||
=== Allgemeine Gliederung === | ===Allgemeine Gliederung=== | ||
Im Jahre 1938 setzte sich die Kreisgruppe Norden-Krummhörn aus 29 Ortsgruppen, 95 Zellen und 427 Blocks zusammen. Ortsgruppen gab es in Arle, Baltrum, Berumbur, Berumerfehn, Campen, Dornum, Greetsiel, Hagermarsch, Hinte, Juist, [[Lintelermarsch]], Loppersum, Lütetsburg-Hage, Manslagt, Marienhafe, Norderney, Osteel, Pewsum, [[Süderneuland]], Uphusen, Upleward, Uttum, Westerende, [[Westermarsch]], Wirdum und Wybelsum. Im Norder Stadtgebiet in den damaligen Grenzen gab es zudem die Gruppen [[Ekel]], [[Marktplatz|Markt]] und [[Westgaste]]. | Im Jahre 1938 setzte sich die Kreisgruppe Norden-Krummhörn aus 29 Ortsgruppen, 95 Zellen und 427 Blocks zusammen. Ortsgruppen gab es in Arle, Baltrum, Berumbur, Berumerfehn, Campen, Dornum, Greetsiel, Hagermarsch, Hinte, Juist, [[Lintelermarsch]], Loppersum, Lütetsburg-Hage, Manslagt, Marienhafe, Norderney, Osteel, Pewsum, [[Süderneuland]], Uphusen, Upleward, Uttum, Westerende, [[Westermarsch]], Wirdum und Wybelsum. Im Norder Stadtgebiet in den damaligen Grenzen gab es zudem die Gruppen [[Ekel]], [[Marktplatz|Markt]] und [[Westgaste]]. | ||
Die Ortsgruppen gliederten sich in Zellen und diese wiederum in Blocks, wobei eine Zelle aus vier bis acht Blocks bestand. Ein Block wiederum bestand aus 40 bis 60 Haushalten bzw. 160 bis 240 Personen und wurde von einem ''Blockleiter'' geführt, der nicht nur Spitzel und Aufpasser sein sollte, sondern die in seinem Block wohnenden Menschen auch zum Besuch nationalsozialistischer Veranstaltungen anhalten sollte. | Die Ortsgruppen gliederten sich in Zellen und diese wiederum in Blocks, wobei eine Zelle aus vier bis acht Blocks bestand. Ein Block wiederum bestand aus 40 bis 60 Haushalten bzw. 160 bis 240 Personen und wurde von einem ''Blockleiter'' geführt, der nicht nur Spitzel und Aufpasser sein sollte, sondern die in seinem Block wohnenden Menschen auch zum Besuch nationalsozialistischer Veranstaltungen anhalten sollte. | ||
=== Hitlerjugend === | === Hitlerjugend=== | ||
Die Hitlerjugend (kurz: ''HJ'') hatte ihr eigenes Heim in Norden. Das sogenannte [[Hitlerjugend-Heim]] als solches besteht bis heute ([[Am Sportplatz]] 17). Insgesamt gab es 1937 gut 1.450 Jungen und Mädchen in Norden, die der Hitlerjugend angehörten. Nach der Gründung Ende 1929 war die HJ lange Zeit schwach aufgestellt, ehe ihr im Sommer 1931 eine Gruppe des Nationalsozialistischen Schülerbundes vom [[Ulrichsgymnasium]] beitrat. Die seit März 1939 gesetzlich vorgeschriebene ''Jugenddienstpflicht'' verpflichtete alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, in die für sie vorgesehene Unterorganisation der HJ einzutreten, wo an zwei Tagen pro Woche Dienst zu leisten war. Im Mittelpunkt der nach dem Führerprinzip geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien. | Die Hitlerjugend (kurz: ''HJ'') hatte ihr eigenes Heim in Norden. Das sogenannte [[Hitlerjugend-Heim]] als solches besteht bis heute ([[Am Sportplatz]] 17). Insgesamt gab es 1937 gut 1.450 Jungen und Mädchen in Norden, die der Hitlerjugend angehörten. Nach der Gründung Ende 1929 war die HJ lange Zeit schwach aufgestellt, ehe ihr im Sommer 1931 eine Gruppe des Nationalsozialistischen Schülerbundes vom [[Ulrichsgymnasium]] beitrat. Die seit März 1939 gesetzlich vorgeschriebene ''Jugenddienstpflicht'' verpflichtete alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, in die für sie vorgesehene Unterorganisation der HJ einzutreten, wo an zwei Tagen pro Woche Dienst zu leisten war. Im Mittelpunkt der nach dem Führerprinzip geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien. | ||
Die Norder HJ war unterteilt in drei ''Fähnlein''. Es gab das Fähnlein 11 (''Waterkant''), 12 (''Seeräuber'') und 19. Daneben gab es die ''Gefolgschaften'' 6 und 9 einschließlich der ''Motor-HJ'', der ''Marine-HJ'' und die ''HJ-Luftsportschar'' sowie den ''Bund Deutscher Mädel'' (BDM) und die ''Jungmädelschaft''. Die Gründungsversammlung des BDM-Norden fand am 18. März 1932 im [[Gasthof Zur Börse]] statt. | Die Norder HJ war unterteilt in drei ''Fähnlein''. Es gab das Fähnlein 11 (''Waterkant''), 12 (''Seeräuber'') und 19. Daneben gab es die ''Gefolgschaften'' 6 und 9 einschließlich der ''Motor-HJ'', der ''Marine-HJ'' und die ''HJ-Luftsportschar'' sowie den ''Bund Deutscher Mädel'' (BDM) und die ''Jungmädelschaft''. Die Gründungsversammlung des BDM-Norden fand am 18. März 1932 im [[Gasthof Zur Börse]] statt. | ||
== Literatur == | ==Literatur== | ||
*Forster, Hans / Schwickert, Günther (1988): Norden. Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz, Norden | |||
* Forster, Hans / Schwickert, Günther (1988): Norden. Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz, Norden | |||
== Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise== | ||
<references /> | <references /> | ||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Engenahof]] | * [[Engenahof]] | ||
*[[Hitlerjugend-Heim]] | *[[Hitlerjugend-Heim]] | ||
*[[Jugendheim]] | |||
[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]] | [[Kategorie:Norden (Stadtteil)]] | ||
[[Kategorie:Ostlintel]] | [[Kategorie:Ostlintel]] | ||