Landkreis Norden: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Eievui (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 30: | Zeile 30: | ||
Die britische Militärregierung wurde im Kreis Norden durch Oberstleutnant (''Lieutenant Colonel'') W. G. Mackay vertreten. Die Briten hatten fortan die faktische Befehlsgewalt über die gesamte Verwaltung und die Bevölkerung. Der neue, von den Briten mit 46 (deutschen) Mitgliedern ihrer Wahl besetzte Kreistag kam erstmalig im Februar 1946 zusammen. Er bestand aus vier Hausfrauen, fünf Beamten, acht Arbeitnehmern, acht Landwirten, fünf Kaufmännern und Gewerbetreibenden, sieben Angehörigen geistiger Berufe sowie 17 Arbeitnehmern.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 101</ref> Wegen der von ihnen verordneten Besetzung des Kreistags hatten die Briten natürlich deutlichen Einfluss auf die Wahl von Reedereibesitzer [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] zum [[Landrat]]. Da die ersten freien Kreistagswahlen im Oktober 1946 jedoch zugunsten der SPD ausfielen. blieb Stegmann nur kurzfristig im Amt und musste seinen Posten daraufhin für [[Georg Peters]] räumen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 54</ref> Im Juni 1947 übergaben die Briten den Großteil der politischen Kontrolle und Verantwortung zurück an die ostfriesischen Stellen, behielten sich jedoch weiterhin ein nicht unerhebliches Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45</ref> | Die britische Militärregierung wurde im Kreis Norden durch Oberstleutnant (''Lieutenant Colonel'') W. G. Mackay vertreten. Die Briten hatten fortan die faktische Befehlsgewalt über die gesamte Verwaltung und die Bevölkerung. Der neue, von den Briten mit 46 (deutschen) Mitgliedern ihrer Wahl besetzte Kreistag kam erstmalig im Februar 1946 zusammen. Er bestand aus vier Hausfrauen, fünf Beamten, acht Arbeitnehmern, acht Landwirten, fünf Kaufmännern und Gewerbetreibenden, sieben Angehörigen geistiger Berufe sowie 17 Arbeitnehmern.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 101</ref> Wegen der von ihnen verordneten Besetzung des Kreistags hatten die Briten natürlich deutlichen Einfluss auf die Wahl von Reedereibesitzer [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] zum [[Landrat]]. Da die ersten freien Kreistagswahlen im Oktober 1946 jedoch zugunsten der SPD ausfielen. blieb Stegmann nur kurzfristig im Amt und musste seinen Posten daraufhin für [[Georg Peters]] räumen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 54</ref> Im Juni 1947 übergaben die Briten den Großteil der politischen Kontrolle und Verantwortung zurück an die ostfriesischen Stellen, behielten sich jedoch weiterhin ein nicht unerhebliches Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45</ref> | ||
[[Datei:Fräuleinshof Landratsamt um 1960 01.jpg|mini|Das Landratsamt am [[Fräuleinshof]].]] | [[Datei:Fräuleinshof Landratsamt um 1960 01.jpg|mini|Das Landratsamt am [[Fräuleinshof]].]] | ||
Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref> | Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref> Die Kommunalreform und bevorstehende Kreisreform wurden zu damaliger Zeit lange debattiert, und insbesondere im Altkreis Norden gab es heftigen Widerstand gegen die drohende Abgabe des eigenen Kreissitzes nach Aurich im Zuge der geplanten Fusion. Der Kreisauflösung gingen jahrelange Verhandlungen und Proteste voran, die sich letztlich als wirkungslos zeigten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 77</ref> | ||
[[Datei:Sticker.jpg|links|mini|171x171px|Aufkleber aus der Zeit der Kommunalreform Anfang der 1970er Jahre]] | |||
Durch die Kreisreform wurde der Landkreis Norden allen Widerständen zum Trotz jedoch durch Beschluss aus Hannover zum 1. August 1977 in den Landkreis Aurich eingegliedert. Aurich war auch in früheren Zeiten für das ostfriesische politische Geschehen bedeutender als Norden (Standort des Upstalsboom, Sitz der späteren ostfriesischen Grafen bzw. Fürsten, Sitz der Bezirksregierung, Sitz zahlreicher Behörden und Ämter) und zudem nicht in den 1970er in derart schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen wie Norden, was sicherlich bei den Fusionsüberlegungen eine Rolle gespielt haben mag. | |||
Aufgrund der großen Entfernung zum Kreissitz Aurich befinden sich bis heute noch Teile der Kreisverwaltung des (neuen) Landkreis Aurich in Norden, darunter Außenstellen des Gesundheitsamtes, des Jugendamtes, des Straßenverkehrsamtes und des Sozialamtes. | |||
== Sonstiges == | == Sonstiges == | ||