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==Geschichte==
==Geschichte==
Der stattliche Vorgängerbau stammte im Kern wahrscheinlich aus 17. oder 18. Jahrhundert, wie alte Aufnahmen nahelegen. In jedem Fall lassen sich Bewohner erstmals seit dem 9. Juni 1708 nachweisen.<ref>StAA Rep. 234 Bd. 146 S. 188</ref> Da der Bewohner jedoch von Beruf als Tagelöhner angegeben wird, ist nicht davon auszugehen, dass es sich hierbei um das selbe Gebäude wie auf der besagten Aufnahme handelt.<ref>StAA Rep. 4 C Ig 66</ref> In einem Kaufvertrag vom 28. August 1772 wird das Gebäude jedoch bereits in ansehnlichem Zustand beschrieben (sic!):
Der recht ansehnliche Vorgängerbau stammte im Kern wahrscheinlich aus 17. oder 18. Jahrhundert, wie alte Aufnahmen nahelegen. In jedem Fall lassen sich Bewohner erstmals seit dem 9. Juni 1708 nachweisen.<ref>StAA Rep. 234 Bd. 146 S. 188</ref> Da der Bewohner jedoch von Beruf als Tagelöhner angegeben wird, ist nicht davon auszugehen, dass es sich hierbei um das selbe Gebäude wie auf der besagten Aufnahme handelt.<ref>StAA Rep. 4 C Ig 66</ref> In einem Kaufvertrag vom 28. August 1772 wird das Gebäude jedoch bereits in ansehnlichem Zustand beschrieben (sic!):


''Vor dem Haus befindet sich ein Wanderplatz mit zwei Bänken. Beim Eintritt des Hauses kommt man in ein großes und schönes Vorhaus, welches zur allerhand Nahrung und Handtwerk gebraucht werden kann. Der Fußboden ist aus Holz. In der Vorderküche stehen ein Feuerherd und zwei Bettstellen. In einem kleinen Portal ist ein fester Kleiderschrank eingebaut und gegenüber ein Proviantschrank. Aus der Küche gelangt man in eine große Kammer mit Feuerherd, der mit schönen Estrichen aufgesetzt ist. Ferner stehen hier zwei zierliche Bettstellen und ein Kleiderschrank. In einer weiteren kleinen Küche steht ein englischer Feuerherd und eine Regenwasserbake mit einem großen, hölzernen Faß, sowie eine Bettstelle und ein Gußstein. Im Gang befindet sich rechts ein kleines Behältnis, in welchem man Proviant wie Käse und Butter stellen kann. Dann steht da noch ein größeres Behältnis, das zum Waschen etc. gebraucht werden kann. Aus dem Vorhaus kann man auf einer Leiter auf den Boden klettern. Aus dem Hinterhaus kommt man auf eine Warf oder Platz, auf der ein Brunnen steht. Links gelangt man über Siemon Claessens Grund zur Dammstraße. Der Garten, der zu diesem Haus gehört, geht bis an die Helle, welche halbscheidlich (zur Hälfte) unterhalten werden muß. Dort steht auch das Privet. An die Stadtkämmerei sind jährlich 4 Schaf Grundheuer zu zahlen.''<ref>StAA Rep. 236, 169</ref>
''Vor dem Haus befindet sich ein Wanderplatz mit zwei Bänken. Beim Eintritt des Hauses kommt man in ein großes und schönes Vorhaus, welches zur allerhand Nahrung und Handtwerk gebraucht werden kann. Der Fußboden ist aus Holz. In der Vorderküche stehen ein Feuerherd und zwei Bettstellen. In einem kleinen Portal ist ein fester Kleiderschrank eingebaut und gegenüber ein Proviantschrank. Aus der Küche gelangt man in eine große Kammer mit Feuerherd, der mit schönen Estrichen aufgesetzt ist. Ferner stehen hier zwei zierliche Bettstellen und ein Kleiderschrank. In einer weiteren kleinen Küche steht ein englischer Feuerherd und eine Regenwasserbake mit einem großen, hölzernen Faß, sowie eine Bettstelle und ein Gußstein. Im Gang befindet sich rechts ein kleines Behältnis, in welchem man Proviant wie Käse und Butter stellen kann. Dann steht da noch ein größeres Behältnis, das zum Waschen etc. gebraucht werden kann. Aus dem Vorhaus kann man auf einer Leiter auf den Boden klettern. Aus dem Hinterhaus kommt man auf eine Warf oder Platz, auf der ein Brunnen steht. Links gelangt man über Siemon Claessens Grund zur Dammstraße. Der Garten, der zu diesem Haus gehört, geht bis an die Helle, welche halbscheidlich (zur Hälfte) unterhalten werden muß. Dort steht auch das Privet. An die Stadtkämmerei sind jährlich 4 Schaf Grundheuer zu zahlen.''<ref>StAA Rep. 236, 169</ref>
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Das neue Standbein hatte jedoch großen Erfolg, sodass das Auskommen der Familie gesichert blieb. 1866 konnte der Familienvater Peter schließlich die neu gegründete ''Telegrafenstation Norden und Umgebung'' übernehmen, was der Familie weiteres Prestige einbrachte. Die Amtsgeschäfte wurden zunächst von der heimischen Stube aus erledigt, die Kinder halfen gegen einen Botenlohne bei der Zustellung der Telegramme.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 20</ref>
Das neue Standbein hatte jedoch großen Erfolg, sodass das Auskommen der Familie gesichert blieb. 1866 konnte der Familienvater Peter schließlich die neu gegründete ''Telegrafenstation Norden und Umgebung'' übernehmen, was der Familie weiteres Prestige einbrachte. Die Amtsgeschäfte wurden zunächst von der heimischen Stube aus erledigt, die Kinder halfen gegen einen Botenlohne bei der Zustellung der Telegramme.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 20</ref>


1922 übernahm Peters Enkel [[Ernst Bourdeaux]] das Haus und richtete in den Geschäftsräumen eine Kolonialwarenhandlung ein. Durch die Weltwirtschaftskrise 1929 geriet er jedoch in finanzielle Schwierigkeiten.<ref name=":0">Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 18</ref> 1931 mussten Haus und Grund daher verkauft werden.<ref name=":0" /><ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 19</ref> Einer der nachfolgenden Besitzer ließ das stattliche, altehrwürdige Gebäude dann durch einen eher schlichten Neubau ersetzen.
1922 übernahm Peters Enkel [[Ernst Bourdeaux]] das Haus und richtete in den Geschäftsräumen eine Kolonialwarenhandlung ein. Durch die Weltwirtschaftskrise 1929 geriet er jedoch in finanzielle Schwierigkeiten.<ref name=":0">Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 18</ref> 1931 mussten Haus und Grund daher verkauft werden.<ref name=":0" /><ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 19</ref> Einer der nachfolgenden Besitzer ließ das altehrwürdige Gebäude dann durch einen eher schlichten Neubau ersetzen.


1950/51 wurde Kaufmann [[Georg Schipper]] neuer Eigentümer des Gebäudes, 1974 Eisenwarenhändler [[Adolf Siuts]]. Seit 1990/91 bis heute befindet sich hier schließlich der Bekleidungsgeschäft ''US Willi''.<ref>Adressbücher der Stadt Norden aus den Jahren 1897/98, 1926, 1950/51, 1974 und 1990/91</ref>
1950/51 wurde Kaufmann [[Georg Schipper]] neuer Eigentümer des Gebäudes, 1974 Eisenwarenhändler [[Adolf Siuts]]. Seit 1990/91 bis heute befindet sich hier schließlich der Bekleidungsgeschäft ''US Willi''.<ref>Adressbücher der Stadt Norden aus den Jahren 1897/98, 1926, 1950/51, 1974 und 1990/91</ref>
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==Galerie==
==Galerie==
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Datei:Neuer Weg 63 Bourdeaux Werbung 1866 01.JPG|Werbung im [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]] von 1866.
Datei:Neuer Weg südlich 1916 01.jpg|Der südliche [[Neuer Weg|Neue Weg]] im Jahre 1916. Gleich vorne links ist das frühere Haus zu sehen.
Datei:Neuer Weg 63 Bourdeaux um 1910 01.JPG|Aufnahme aus der Zeit um 1910.
Datei:Neuer Weg 63 Bourdeaux um 1930 01.JPG|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Neuer Weg 63 - U.S. Willi - 04 11 2021.jpg|Neuer Weg 63 - ''U.S. Willi'' - Aufnahme vom 4. November 2021.
Datei:Neuer Weg 63 - U.S. Willi - 04 11 2021.jpg|Neuer Weg 63 - ''U.S. Willi'' - Aufnahme vom 4. November 2021.
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