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Die '''Eisenhütte''' (zuletzt: ''Norder Eisenhütte GmbH'') war ein überregional bekanntes Eisenwerk mit Sitz in der [[Osterstraße]]. Es wurde auf dem Gelände der alten [[Osterburg]] gebaut, welche in den Baukomplex mit eingeschlossen wurde und war ursprünglich ein Zweigwerk des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein'' im danach benannten Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück).
Die '''Eisenhütte''' (zuletzt: ''Norder Eisenhütte GmbH'') war ein überregional bekanntes Eisenwerk mit Sitz in der [[Osterstraße]]. Es wurde auf dem Gelände der alten [[Osterburg]] gebaut, welche in den Baukomplex mit eingeschlossen wurde und war ursprünglich ein Zweigwerk des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein'' im danach benannten Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück). Der Begriff ''Eisenhütte'' ist ein allgemeiner, historischer Begriff für ein Eisenwerk und hat keine Verbindung zu der heute gängigen Definition für ''Hütte''.


Nach dem Abriss der Eisenhütte mitsamt der historischen Osterburg im Jahre 1969 entstand auf dem Gelände bis 1971 ein Bürogebäude mit mehreren Wohnungen sowie ein Verbrauchermarkt. Bis heute wird dieses Gebäude für den Einzelhandel genutzt.
Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien in Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. Nach dem Abriss der Eisenhütte mitsamt der historischen Osterburg im Jahre 1969 entstand auf dem Gelände bis 1971 ein Bürogebäude mit mehreren Wohnungen sowie ein Verbrauchermarkt. Bis heute wird dieses Gebäude für den Einzelhandel genutzt.


Der Begriff ''Eisenhütte'' ist ein allgemeiner, historischer Begriff für ein Eisenwerk und hat keine Verbindung zu der heute gängigen Definition für ''Hütte''.
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==Geschichte==
==Geschichte==
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Dennoch hatte die Nachkriegszeit auch positive Auswirkungen für die Eisenhütte. Heimkehrenden Soldaten gründeten Familien gründeten Familien, der Bedarf an Heizöfen für den neuen Wohnraum stieg. Leider jedoch erwies sich die Übernahme durch Behrends für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff.<ref name=":1" /> Schließlich war ein Eisenwerk ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. Hinzu kam, dass Franzosen und Belgier 1923 das schutzlose Ruhrgebiet besetzten, wodurch der so wichtige Rohstoffnachschub für die Eisenhütte versiegte. Wegen der grassierenden Inflation und des Devisenmangels war auch ein Ausweichen auf Importe aus England nur sehr eingeschränkt möglich.<ref name=":10" />
Dennoch hatte die Nachkriegszeit auch positive Auswirkungen für die Eisenhütte. Heimkehrenden Soldaten gründeten Familien gründeten Familien, der Bedarf an Heizöfen für den neuen Wohnraum stieg. Leider jedoch erwies sich die Übernahme durch Behrends für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff.<ref name=":1" /> Schließlich war ein Eisenwerk ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. Hinzu kam, dass Franzosen und Belgier 1923 das schutzlose Ruhrgebiet besetzten, wodurch der so wichtige Rohstoffnachschub für die Eisenhütte versiegte. Wegen der grassierenden Inflation und des Devisenmangels war auch ein Ausweichen auf Importe aus England nur sehr eingeschränkt möglich.<ref name=":10" />


Dann trat auch noch die Arbeiterschaft der Eisenbahngesellschaften in den Streik, da wegen der Inflation keine wertbeständigen Löhne mehr gezahlt wurden. Als dann auch noch die eigenen Arbeiter der Eisenhütte im August 1923 sowie abermals im März 1925 (für 5 Monate) in den Ausstand traten, war das Ende des Werks nur noch eine Frage der Zeit. Tatsächliche drohte bald der Bankrott und die Vesteigerung. Sodann erwarben die Norder Senatoren [[Popke Fegter]] und [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] sowie der Betriebsdirektor [[Hermann Landmann]] im Jahr 1927 die Eisenhütte für 291.000 Reichsmark aus dem Vermögen des 1920 verstorbenen Onno Behrends, gründeten eine ''Gesellschaft mit beschränkter Haftung'' (GmbH) und retteten sie damit vor dem Ruin.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 107</ref> Fegter hatte sich bereits 1912 unmittelbar gegenüber der Hütte eine [[Haus Fegter|Stadtvilla]] errichten lassen und wohl damals bereits ein Auge auf das stolze Werk geworfen. Auch Direktor Landmann wohnte nur wenige Meter von ihm entfernt.
Dann trat auch noch die Arbeiterschaft der Eisenbahngesellschaften in den Streik, da wegen der Inflation keine wertbeständigen Löhne mehr gezahlt wurden. Als dann auch noch die eigenen Arbeiter der Eisenhütte im August 1923 sowie abermals im März 1925 (für 5 Monate) in den Ausstand traten, war das Ende des Werks nur noch eine Frage der Zeit. Tatsächliche drohte bald der Bankrott und die Versteigerung. Sodann erwarben die Norder Senatoren [[Popke Fegter]] und [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] sowie der Betriebsdirektor [[Hermann Landmann]] im Jahr 1927 die Eisenhütte für 291.000 Reichsmark aus dem Vermögen des 1920 verstorbenen Onno Behrends, gründeten eine ''Gesellschaft mit beschränkter Haftung'' (GmbH) und retteten sie damit vor dem Ruin.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 107</ref> Fegter hatte sich bereits 1912 unmittelbar gegenüber der Hütte eine [[Haus Fegter|Stadtvilla]] errichten lassen und wohl damals bereits ein Auge auf das stolze Werk geworfen. Auch Direktor Landmann wohnte nur wenige Meter von ihm entfernt.


Wenig später kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, nachdem die anderen Gesellschafter unerwartet aus der ''Eisenhütte GmbH'' ausgestiegen waren. Während der Grund für das Ausscheiden Landmanns (1927) nicht bekannt ist, lagen die Gründe bei Stegmann (1934) darin, dass dieser sein Engagement bei der aufstrebenden [[Reederei Frisia]] verstärken wollte und daher nur noch wenig Zeit für die Eisenhütte besessen hätte.<ref name=":11">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 114</ref>
Wenig später kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, nachdem die anderen Gesellschafter unerwartet aus der ''Eisenhütte GmbH'' ausgestiegen waren. Während der Grund für das Ausscheiden Landmanns (1927) nicht bekannt ist, lagen die Gründe bei Stegmann (1934) darin, dass dieser sein Engagement bei der aufstrebenden [[Reederei Frisia]] verstärken wollte und daher nur noch wenig Zeit für die Eisenhütte besessen hätte.<ref name=":11">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 114</ref>


Noch unter Fegters Führung wurde die zur Versorgung der Hochöfen benötigte, mit Kohle betriebene Dampfmaschine im April 1933 durch eine elektronische ersetzt.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 109</ref> 1936 wurde Fegter dann von den Nationalsozialisten enteignet, nachdem er bei ihnen durch sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte sowie Spott über Hermann Göring in Ungnade gefallen war. Wäre er Mitglied der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|NSDAP]] gewesen, hätte man ihn für seine wirtschaftlichen Maßnahmen sicherlich gefeiert. Die Eisenhütte fiel nun an seinen Sohn [[Georg Fegter|Dr. Georg Fegter]], der bereits die Geschäftsteile Stegmanns erworben hatte und an dessen Ehefrau [[Gerda Fegter]].<ref name=":11" /><ref name=":12" /> Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte trotz seines Verweilens in Hannover mithilfe des 1935 wieder eingestellten Ingenieurs [[Gerhard Uphoff]] noch einmal hochbringen, da die Kriegsmarine viele gusseiserne Teile benötigte. 1933 arbeiteten immerhin noch 80 Beschäftigte im Werk.<ref name=":12">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> 1942 wurde durch den hohen Bedarf der Wehrmacht sogar fast ein Rekordhoch in der Produktion erzielt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242</ref> Produziert wurden vor allem Guseisenteile für den Bau von U-Booten.<ref name=":2" /><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 116</ref>
Noch unter Fegters Führung wurde die zur Versorgung der Hochöfen benötigte, mit Kohle betriebene Dampfmaschine im April 1933 durch eine elektronische ersetzt.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 109</ref> 1936 wurde Fegter dann von den Nationalsozialisten enteignet, nachdem er bei ihnen durch sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte sowie Spott über Hermann Göring in Ungnade gefallen war. Wäre er Mitglied der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|NSDAP]] gewesen, hätte man ihn für seine wirtschaftlichen Maßnahmen sicherlich gefeiert. Die Eisenhütte fiel nun an seinen Sohn [[Georg Fegter|Dr. Georg Fegter]], der bereits die Geschäftsteile Stegmanns erworben hatte und an dessen Ehefrau [[Gerda Fegter]].<ref name=":11" /><ref name=":12" /> Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte trotz seines Verweilens in Hannover mithilfe des 1935 wieder eingestellten Ingenieurs [[Gerhard Uphoff]] noch einmal hochbringen, da die Kriegsmarine viele gusseiserne Teile benötigte. 1933 arbeiteten immerhin noch 80 Beschäftigte im Werk.<ref name=":12">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> 1942 wurde durch den hohen Bedarf der Wehrmacht sogar fast ein Rekordhoch in der Produktion erzielt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242</ref> Produziert wurden vor allem Gusseisenteile für den Bau von U-Booten.<ref name=":2" /><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 116</ref>


Als Ersatz für die kriegsbedingt fehlenden Arbeiter wurde auch in der Eisenhütte auf Kriegsgefangene zurückgegriffen, vor allem auf französische und polnische, die in ehemaligen Lagerräumen des Werks untergebracht waren.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> 1945 bereitete das Kriegsende dann der Produktion infolge des Verlustes der Kriegsgefangenen ein Ende. Auch die fehlenden Wehrmachtsaufträge schadeten der wirtschaftlichen Existenz. Das damalige Hauptabsatzprodukt, Kochöfen für Privathaushalte, konnte das Unternehmen kaum am Leben halten.<ref name=":0" />
Als Ersatz für die kriegsbedingt fehlenden Arbeiter wurde auch in der Eisenhütte auf Kriegsgefangene zurückgegriffen, vor allem auf französische und polnische, die in ehemaligen Lagerräumen des Werks untergebracht waren.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> 1945 bereitete das Kriegsende dann der Produktion infolge des Verlustes der Kriegsgefangenen ein Ende. Auch die fehlenden Wehrmachtsaufträge schadeten der wirtschaftlichen Existenz. Das damalige Hauptabsatzprodukt, Kochöfen für Privathaushalte, konnte das Unternehmen kaum am Leben halten.<ref name=":0" />
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Datei:Eisenhütte.jpg|Die Eisenhütte, vermutlich in der Zeit um 1950. Unten links im Bild der [[Bahnhof Norden-Stadt]], etwa mittig die [[Osterburg]].
Datei:Eisenhütte.jpg|Die Eisenhütte, vermutlich in der Zeit um 1950. Unten links im Bild der [[Bahnhof Norden-Stadt]], etwa mittig die [[Osterburg]].
Datei:Gelände Eisenhütte.jpg|Eine weitere Luftaufnahme, die wohl zur selben Zeit gemacht wurde.
Datei:Osterstraße Eisenhütte um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Osterstraße Eisenhütte um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Osterstraße Eisenhütte Apollo Kino um 1950 01.jpg|Die Eisenhütte und das [[Apollo-Kino]] (um 1960).
Datei:Osterstraße Eisenhütte Apollo Kino um 1950 01.jpg|Die Eisenhütte und das [[Apollo-Kino]] (um 1960).
Datei:Blick von Glückauf auf Gebäude Combi 18 06 1978 (0268566) MZ.jpg|Das neu überbaute Gelände am 18. Juni 1978.
Datei:Blick von Glückauf auf Gebäude Combi 18 06 1978 (0268566) MZ.jpg|Das neu überbaute Gelände am 18. Juni 1978.
Datei:Gelände Eisenhütte.jpg|Gelände Eisenhütte
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