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Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nahm die Bevölkerung Nordens in einem nie dagewesenen Umfang zu. Auf dem ehemaligen [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] wurde ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. Im gesamten [[Landkreis Norden]] wurden Ende 1946 bereits rund 17.000 Heimatvertriebene gezählt, 1949 waren es schon 27.000. Hinzu kamen 9.000 Menschen aus ausgebombten Städten, darunter vor allem aus Emden, das durch den alliierten Bombenterror am 6. September 1944 nahezu vollständig zerstört wurde. Diese rund 26.000 Menschen stellten damals rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Landkreis Norden. Unabhängig vom Lager Tidofeld wurden die Vertriebenen in der ganzen Region disloziert verteilt. Sie wohnten bei Familien, auf Bauernhöfen, in Scheunen, alten Rettungsschuppen, Baracken, und Flakscheinwerferhütten. Letztlich wurde alles als Unterkunft genutzt, was in irgendeiner Form vier Wände und ein Dach hat. Nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbarer, aber auch damals natürlich schon unhaltbarer Zustand. Ebenso wurden die zahlreichen Wehrmachtsbaracken im Stadtgebiet zu Wohnlagern umfunktioniert, so etwa jene [[Barackenlager (Jahnplatz)|Baracken]] am [[Jahnplatz]], nachdem die kanadischen Besatzungssoldaten dort abgezogen worden waren.
Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nahm die Bevölkerung Nordens in einem nie dagewesenen Umfang zu. Auf dem ehemaligen [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] wurde ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. Im gesamten [[Landkreis Norden]] wurden Ende 1946 bereits rund 17.000 Heimatvertriebene gezählt, 1949 waren es schon 27.000. Hinzu kamen 9.000 Menschen aus ausgebombten Städten, darunter vor allem aus Emden, das durch den alliierten Bombenterror am 6. September 1944 nahezu vollständig zerstört wurde. Diese rund 26.000 Menschen stellten damals rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Landkreis Norden. Unabhängig vom Lager Tidofeld wurden die Vertriebenen in der ganzen Region disloziert verteilt. Sie wohnten bei Familien, auf Bauernhöfen, in Scheunen, alten Rettungsschuppen, Baracken, und Flakscheinwerferhütten. Letztlich wurde alles als Unterkunft genutzt, was in irgendeiner Form vier Wände und ein Dach hat. Nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbarer, aber auch damals natürlich schon unhaltbarer Zustand. Ebenso wurden die zahlreichen Wehrmachtsbaracken im Stadtgebiet zu Wohnlagern umfunktioniert, so etwa jene [[Barackenlager (Jahnplatz)|Baracken]] am [[Jahnplatz]], nachdem die kanadischen Besatzungssoldaten dort abgezogen worden waren.
 
[[Datei:Ostfriesischer Kurier Kriegsende Militärregierung Besatzung 08 05 1945.jpg|mini|Im [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]] abgedruckte Verordnungen der britischen Militärregierung am Tag der deutschen Kapitulation (8. Mai 1945).]]
Zum ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit ernannte die Militärregierung den bereits bis 1937 in diesem Amt tätigen [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Die Entnazifizierung schritt weiter zügig voran. Schnell erging beispielsweise die Anordnung, dass aus allen Amtsstempeln das Hakenkreuz entfernt werden musste. Viele Straßen, die unter den Nationalsozialisten einen neuen Namen bekamen, aber auch ältere, die nun ''belastet'' erschienen, wurden umbenannt. Dies traf nicht nur offensichtliche Straßennamen wie im Falle der ''Adolf-Hitler-Straße'' oder der ''Horst-Wessel-Straße,'' die sofort nach Kriegsende rückbenannt wurden, sondern auch eher unscheinbare Straßennamen wie ''Hindenburgstraße'' ([[Neuer Weg]]), ''Judenlohne'' ([[Synagogenweg]]), ''Blücherstraße'' ([[Otto-Leege-Straße]]), ''Graf-von-Spee-Straße'' ([[Norderneyer Straße]]) ''und Admiral-Scheer-Straße'' ([[Baltrumer Straße]]). Diese wurden allerdings erst 1946 mit ihrem heutigen Namen versehen.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 120</ref> Mit der Umbenennung der ''Scharnhorststraße'' in ''[[Ufke-Cremer-Straße]]'' verschwand der letzte ''militärisch klingende'' Name aus Norden.
Zum ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit ernannte die Militärregierung den bereits bis 1937 in diesem Amt tätigen [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Die Entnazifizierung schritt weiter zügig voran. Schnell erging beispielsweise die Anordnung, dass aus allen Amtsstempeln das Hakenkreuz entfernt werden musste. Viele Straßen, die unter den Nationalsozialisten einen neuen Namen bekamen, aber auch ältere, die nun ''belastet'' erschienen, wurden umbenannt. Dies traf nicht nur offensichtliche Straßennamen wie im Falle der ''Adolf-Hitler-Straße'' oder der ''Horst-Wessel-Straße,'' die sofort nach Kriegsende rückbenannt wurden, sondern auch eher unscheinbare Straßennamen wie ''Hindenburgstraße'' ([[Neuer Weg]]), ''Judenlohne'' ([[Synagogenweg]]), ''Blücherstraße'' ([[Otto-Leege-Straße]]), ''Graf-von-Spee-Straße'' ([[Norderneyer Straße]]) ''und Admiral-Scheer-Straße'' ([[Baltrumer Straße]]). Diese wurden allerdings erst 1946 mit ihrem heutigen Namen versehen.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 120</ref> Mit der Umbenennung der ''Scharnhorststraße'' in ''[[Ufke-Cremer-Straße]]'' verschwand der letzte ''militärisch klingende'' Name aus Norden.