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Der '''Gasthof Zur Börse''' (auch: ''Ratsstuben;'' später auch spöttisch: ''Das Braune Haus'') war eine [[Am Markt]] 22 befindliche Gastwirtschaft. 1948 wurde der zugehörige Saal zu einem Kino, dem [[Metropol-Theater]] umgebaut, das noch bis 1970 existierte. Im Oktober des genannten Jahres wurde der hintere Teil abgebrochen und dem benachbarten Supermarkt [[EDEKA Anton Götz|Anton Götz]] einverleibt, der vordere Teil folgte zwei Jahre später.
Der '''Gasthof Zur Börse''' (auch: ''Ratsstuben;'' später auch ''Das Braune Haus'') war eine [[Am Markt]] 22 befindliche Gastwirtschaft. 1948 wurde der zugehörige Saal zu einem Kino, dem [[Metropol-Theater]] umgebaut, das noch bis 1970 existierte. Im Oktober des genannten Jahres wurde der hintere Teil abgebrochen und dem benachbarten Supermarkt [[EDEKA Anton Götz|Anton Götz]] einverleibt, der vordere Teil folgte zwei Jahre später.
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==Geschichte==
==Geschichte==
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Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden 27 Sozialdemokraten und Kommunisten von diesen am 3. Mai 1933 im Gasthof schwer misshandelt.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich. Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 46</ref><ref name=":1">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Die NSDAP erklärte den Gasthof kurz zuvor zu ihrem ''Parteilokal''.<ref name=":1" /> Statt einzugreifen stellte der Gastwirt das Radio auf volle Lautstärke, da der durch die Misshandlung entstandene Lärm bis auf die Straße drang.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 32</ref> Die Täter wurden nach dem Krieg zu Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und zwei Jahren verurteilt.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 210</ref>
Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden 27 Sozialdemokraten und Kommunisten von diesen am 3. Mai 1933 im Gasthof schwer misshandelt.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich. Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 46</ref><ref name=":1">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Die NSDAP erklärte den Gasthof kurz zuvor zu ihrem ''Parteilokal''.<ref name=":1" /> Statt einzugreifen stellte der Gastwirt das Radio auf volle Lautstärke, da der durch die Misshandlung entstandene Lärm bis auf die Straße drang.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 32</ref> Die Täter wurden nach dem Krieg zu Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und zwei Jahren verurteilt.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 210</ref>


Im November 1934 wird von hier aus das von Marie Ulfers verfasste Hörspiel ''Dat Arfdeel ut Ostindien'' (übersetzt: ''Das Erbteil aus Ostindien'') via Rundfunk übertragen, das von den Schauspielern der Niederdeutschen Bühne eingespielt wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 24</ref> Irgendwann in dieser Zeit bürgert sich teilweise der spöttische Namen ''Das Braune Haus'' ein, was auf das hier einkehrende nationalsozialistische (braun gekleidete) Klientel anspielte.<ref name=":2">Ökumenischer Arbeitskreis (2021): Kleiner Rundgang durch Norden, Norden, S. 6</ref> Spätestens seit dem 31. März 1933 war die Börse das offizielle ''Sturmlokal'' der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|Norder NSDAP]], die hier nicht nur einen Stammtisch, sondern auch ihr ''Aktionskomittee'' zur Planung von Aktionen gegen jüdische Mitbürger einrichtete.<ref name=":2" /><ref>Ostfriesischer Kurier vom 31. März 1933</ref> Nachdem 1942 und 1943 mehrere Ladungen mit wertvollen Möbeln und anderen Gegenständen im [[Norder Hafen]] ankamen, lagerten die Nationalsozialisten große Teil davon im Gasthof.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref>
Im November 1934 wird von hier aus das von Marie Ulfers verfasste Hörspiel ''Dat Arfdeel ut Ostindien'' (übersetzt: ''Das Erbteil aus Ostindien'') via Rundfunk übertragen, das von den Schauspielern der Niederdeutschen Bühne eingespielt wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 24</ref>
 
Seit dem 31. März 1933 (nach anderen Quellen seit dem 26. April) war die Börse das offizielle ''Sturmlokal'' der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|Norder NSDAP]], die hier nicht nur einen Stammtisch, sondern auch ihr ''Aktionskomittee'' zur Planung von Aktionen gegen jüdische Mitbürger einrichtete.<ref name=":2">Ökumenischer Arbeitskreis (2021): Kleiner Rundgang durch Norden, Norden, S. 6</ref><ref>Ostfriesischer Kurier vom 31. März 1933</ref> In dieser Zeit wurde das Gebäude auch braun angestrichen, um die Zugehörigkeit zu den braun gekleideten Nationalsozialisten zu zeigen.<ref>Forster, Hans / Schwickert, Günther (1988): Norden. Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz, Norden, S. 53</ref> Nachdem 1942 und 1943 mehrere Ladungen mit wertvollen Möbeln und anderen Gegenständen im [[Norder Hafen]] ankamen, lagerten die Nationalsozialisten große Teil davon im Gasthof.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref>


Im Oktober 1948 - die Eigentümer hatten ihren Besitz altersbedingt verkauft - wurde der Gasthof zu einem Kino umgebaut, das später als [[Metropol-Theater]] bekannt wurde und zuletzt kaum mehr als ein schmuddeliges Pornokino war. 1970 wurde das Gebäude von [[Anton Götz]] erworben, der den hinteren Gebäudeteil abbrechen ließ.<ref name=":02">[http://www.allekinos.com/NORDENMetropol.htm Geschichte des Metropol-Theaters], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Das Vorderhaus mit einer Schankwirtschaft blieb noch bis 1972 stehen und wurde seit 1950 von [[Wilhelm Franke]] betrieben.<ref name=":4" /><ref>Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 39</ref> Seit spätestens 1952 wurde die Gastwirtschaft unter dem Namen ''Ratsstuben'' geführt.<ref name=":5" />  
Im Oktober 1948 - die Eigentümer hatten ihren Besitz altersbedingt verkauft - wurde der Gasthof zu einem Kino umgebaut, das später als [[Metropol-Theater]] bekannt wurde und zuletzt kaum mehr als ein schmuddeliges Pornokino war. 1970 wurde das Gebäude von [[Anton Götz]] erworben, der den hinteren Gebäudeteil abbrechen ließ.<ref name=":02">[http://www.allekinos.com/NORDENMetropol.htm Geschichte des Metropol-Theaters], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Das Vorderhaus mit einer Schankwirtschaft blieb noch bis 1972 stehen und wurde seit 1950 von [[Wilhelm Franke]] betrieben.<ref name=":4" /><ref>Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 39</ref> Seit spätestens 1952 wurde die Gastwirtschaft unter dem Namen ''Ratsstuben'' geführt.<ref name=":5" />