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Der '''Norder Hafen''' befindet sich am südlichen Stadtrand von [[Norden (Stadtteil)|Norden]]. Möglich wurde der Bau nach mehreren verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, die eine Ausweitung der [[Leybucht]] begünstigten, wodurch der Marktort Norden zu einem Hafenort mit eigenem Seehafen wurde. Infolge der zunehmenden Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der um 1376 bzw. um 1570 errichtete Norder Hafen im Laufe der Zeit zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer, dessen endgültiges Ende als Seehafen mit dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahre 1929 besiegelt wurde. Nachfolgend erlangte er noch einige Bedeutung als Binnenhafen, insbesondere durch Torfkähne der [[Norder Fehngesellschaft]], bis diese jedoch auch in den 1960er Jahren abnahm.
Der '''Norder Hafen''' befindet sich am südlichen Stadtrand von [[Norden (Stadtteil)|Norden]]. Möglich wurde der Bau nach mehreren verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, die eine Ausweitung der [[Leybucht]] begünstigten, wodurch der Marktort Norden zu einem Hafenort mit eigenem Seehafen wurde. Infolge der zunehmenden Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der um 1376 bzw. um 1570 errichtete Norder Hafen im Laufe der Zeit zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer, dessen endgültiges Ende als Seehafen mit dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahre 1929 besiegelt wurde. Nachfolgend erlangte er noch einige Bedeutung als Binnenhafen, insbesondere durch Torfkähne der [[Norder Fehngesellschaft]], bis diese jedoch auch in den 1960er Jahren abnahm.
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==


=== Vorgeschichte ===
===Vorgeschichte===
Bereits vor den Entstehung eines ''richtigen'' Norder Hafens gab es vereinzelte Anlegestellen in und um Norden, insbesondere an [[Siel|Sielen]]. Diese wurden auch als ''Sielhafen'' bezeichnet.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 36</ref> Daneben hat es offenbar auch einen kleinen Hafen in der Nähe der [[Ennenburg]] gegeben, von wo aus die [[Attena]] die Piraterie unterstützten, weshalb ihre Burg 1408 von den Hamburgern zerstört wurde.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref>
Bereits vor den Entstehung eines ''richtigen'' Norder Hafens gab es vereinzelte Anlegestellen in und um Norden, insbesondere an [[Siel|Sielen]]. Diese wurden auch als ''Sielhafen'' bezeichnet.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 36</ref> Daneben hat es offenbar auch einen kleinen Hafen in der Nähe der [[Ennenburg]] gegeben, von wo aus die [[Attena]] die Piraterie unterstützten, weshalb ihre Burg 1408 von den Hamburgern zerstört wurde.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref>


Insbesondere in den [[Marsch|Marschgebieten]] hatten die einzelnen Höfe ihre eigenen Anlegestellen, mit denen sie die Verbindung zu den anderen Höfen und Orten hielten. Seinerzeit gab es noch keine befestigten Straßen und bedingt durch den schweren Marschboden, den damals sehr hohen Grundwasserspiegel und unzureichende Entwässerungssysteme standen die Ländereien insbesondere in den Wintermonaten oftmals unter Wasser und waren damit unpassierbar. Die unzähligen Kanäle und Tiefs dienten somit nicht nur der Entwässerung, sondern auch als Wasser- und Handelsstraße, über die noch bis ins 19. Jahrhundert ein Großteil der von der Landwirtschaft erzeugten Waren ihren Weg zum [[Marktplatz]] fanden.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 37f.</ref>
Insbesondere in den [[Marsch|Marschgebieten]] hatten die einzelnen Höfe ihre eigenen Anlegestellen, mit denen sie die Verbindung zu den anderen Höfen und Orten hielten. Seinerzeit gab es noch keine befestigten Straßen und bedingt durch den schweren Marschboden, den damals sehr hohen Grundwasserspiegel und unzureichende Entwässerungssysteme standen die Ländereien insbesondere in den Wintermonaten oftmals unter Wasser und waren damit unpassierbar. Die unzähligen Kanäle und Tiefs dienten somit nicht nur der Entwässerung, sondern auch als Wasser- und Handelsstraße, über die noch bis ins 19. Jahrhundert ein Großteil der von der Landwirtschaft erzeugten Waren ihren Weg zum [[Marktplatz]] fanden.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 37f.</ref>


=== Beginn und Aufstieg ===
===Beginn und Aufstieg===
Nach mehreren verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhunderten, insbesondere der [[Zweite Marcellusflut|Zweiten Marcellusflut]] und der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] erreichte die [[Leybucht]] ihre größte Ausdehnung. Rund um die [[Stadt Norden]] kam es zu Überschwemmungen und Landverlusten. Zahlreiche Menschen starben in den Fluten oder verloren ihre Habe an die Wassermassen, welche sogar bis nach Lütetsburg reichten. Dort zeugen noch immer einige [[Kolk|Kolke]] im Umfeld der heutigen [[Umgehungsstraße]] von der massiven Überschwemmung. Das heutige [[Süderneuland]] wurde vollends überschwemmt und (vorerst) musste dem Meer überlassen werden. Erst ab 1425 begannen mit dem Bau des [[Udo-Focken-Deich|Udo-Focken-Deichs]] Maßnahmen zur Sicherung und schließlich ab 1556 auch solche zur Landgewinnung.
Nach mehreren verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhunderten, insbesondere der [[Zweite Marcellusflut|Zweiten Marcellusflut]] und der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] erreichte die [[Leybucht]] ihre größte Ausdehnung. Rund um die [[Stadt Norden]] kam es zu Überschwemmungen und Landverlusten. Zahlreiche Menschen starben in den Fluten oder verloren ihre Habe an die Wassermassen, welche sogar bis nach Lütetsburg reichten. Dort zeugen noch immer einige [[Kolk|Kolke]] im Umfeld der heutigen [[Umgehungsstraße]] von der massiven Überschwemmung. Das heutige [[Süderneuland]] wurde vollends überschwemmt und (vorerst) musste dem Meer überlassen werden. Erst ab 1425 begannen mit dem Bau des [[Udo-Focken-Deich|Udo-Focken-Deichs]] Maßnahmen zur Sicherung und schließlich ab 1556 auch solche zur Landgewinnung.


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Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten niederländische Freibeuter, die sogenannten ''Geusen'', den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, da diese oftmals selbst von erbeuteter Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Ihre beiden Kapitäne wurden vor dem [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] angeklagt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref>
Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten niederländische Freibeuter, die sogenannten ''Geusen'', den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, da diese oftmals selbst von erbeuteter Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Ihre beiden Kapitäne wurden vor dem [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] angeklagt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref>
=== Blütezeit ===
===Blütezeit===
[[Datei:Norder Hafen historische Karte.jpg|mini|Der Norder Hafen auf einer historischen Karte.]]
[[Datei:Norder Hafen historische Karte.jpg|mini|Der Norder Hafen auf einer historischen Karte.]]
In den Folgejahren gedieh der Handel im Hafen fortwährend, was unter anderem auch darauf zurückzuführen war, dass die benachbarten Niederlande immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war oder mit Embargos anderer Staaten belegt wurde. Dadurch wurde es beispielsweise schwer, unter niederländischer Fahne einige Seewege passieren zu dürfen oder aber es wurden Kaperbriefe für Freibeuter ausgeschrieben, die sich schadlos an den niederländischen Schiffen hielten. Daher suchten viele Kaufleute den Schutz der neutralen ostfriesischen Handelsfahnen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 61</ref> Davon profitierte insbesondere die Stadt Emden, aber auch Norden. Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Im Jahre 1610 erstellte der [[Magistrat]] eine erste Hafenordnung, in der genau geregelt wurde, wer welche Aufgaben bzw. Rechte im Hafen wahrnehmen und welchen Anteil am Handelsaufkommen einbehalten durfte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 24</ref> Diese sehr begehrten ''Hafenrechte'' wurden jährlich im [[Weinhaus]] versteigert.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref>
In den Folgejahren gedieh der Handel im Hafen fortwährend, was unter anderem auch darauf zurückzuführen war, dass die benachbarten Niederlande immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war oder mit Embargos anderer Staaten belegt wurde. Dadurch wurde es beispielsweise schwer, unter niederländischer Fahne einige Seewege passieren zu dürfen oder aber es wurden Kaperbriefe für Freibeuter ausgeschrieben, die sich schadlos an den niederländischen Schiffen hielten. Daher suchten viele Kaufleute den Schutz der neutralen ostfriesischen Handelsfahnen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 61</ref> Davon profitierte insbesondere die Stadt Emden, aber auch Norden. Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Im Jahre 1610 erstellte der [[Magistrat]] eine erste Hafenordnung, in der genau geregelt wurde, wer welche Aufgaben bzw. Rechte im Hafen wahrnehmen und welchen Anteil am Handelsaufkommen einbehalten durfte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 24</ref> Diese sehr begehrten ''Hafenrechte'' wurden jährlich im [[Weinhaus]] versteigert.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref>
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Nach der [[Petriflut]] im Jahre 1651 musste die Kajung erneuert werden, da zum einen die Flut selbst große Schäden angerichtet hatte und sich zwischenzeitlich Holzwürmer am Holzwerk zu schaffen gemacht hatten.<ref name=":7" /><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 85</ref> Die Norder Seeflotte muss seinerzeit eine beachtliche Größe gehabt haben. Der wichtigste Handelspartner waren weiterhin die Niederlande. Dies blieb auch in der Folgezeit so. Auch der Umstand, dass Ostfriesland nach dem Tod von [[Carl Edzard Cirksena|Graf Carl Edzard]] 1744 an Preußen fiel, schien dem Seehandel keine Nachteile verschafft zu haben. Enge Beziehungen wurden seinerzeit auch mit der Hansestadt Bremen unterhalten, allein 1772 bis 1790 sollen pro Jahr rund 50 Norder Handelsschiffe nach Bremen ausgelaufen sein.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 141</ref>
Nach der [[Petriflut]] im Jahre 1651 musste die Kajung erneuert werden, da zum einen die Flut selbst große Schäden angerichtet hatte und sich zwischenzeitlich Holzwürmer am Holzwerk zu schaffen gemacht hatten.<ref name=":7" /><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 85</ref> Die Norder Seeflotte muss seinerzeit eine beachtliche Größe gehabt haben. Der wichtigste Handelspartner waren weiterhin die Niederlande. Dies blieb auch in der Folgezeit so. Auch der Umstand, dass Ostfriesland nach dem Tod von [[Carl Edzard Cirksena|Graf Carl Edzard]] 1744 an Preußen fiel, schien dem Seehandel keine Nachteile verschafft zu haben. Enge Beziehungen wurden seinerzeit auch mit der Hansestadt Bremen unterhalten, allein 1772 bis 1790 sollen pro Jahr rund 50 Norder Handelsschiffe nach Bremen ausgelaufen sein.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 141</ref>


Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Handelsflotte während des bald folgenden US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776-1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden das [[Bürgerrecht]], um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 138</ref> In dieser Zeit, nämlich 1787 wurden die sogenannten ''Beurtfahrten'' (sprich: ''Börtfahrten'') in die Niederlanden dann auch vertraglich festgehalten. Diese Fahrten kann man sich als regelmäßiger Pendelverkehr zwischen den Niederlanden und Norden vorstellen, bei denen in der Regel die immer wiederkehrenden Artikel des täglichen Bedarfs transportiert wurden.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 142</ref>[[Datei:Norder Hafen unbekanntes Datum 01.jpg|links|mini|Der Norder Hafen um die Jahrhundertwende.]]
Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Handelsflotte während des bald folgenden US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776-1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden das [[Bürgerrecht]], um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 138</ref> In dieser Zeit, nämlich 1787 wurden die sogenannten ''Beurtfahrten'' (sprich: ''Börtfahrten'') in die Niederlanden dann auch vertraglich festgehalten. Diese Fahrten kann man sich als regelmäßiger Pendelverkehr zwischen den Niederlanden und Norden vorstellen, bei denen in der Regel die immer wiederkehrenden Artikel des täglichen Bedarfs transportiert wurden.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 142</ref>[[Datei:Norder Hafen unbekanntes Datum 01.jpg|mini|Der Norder Hafen um die Jahrhundertwende.]]
Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Überschüssiger Torf wurde exportiert.<ref name=":3" />
Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Überschüssiger Torf wurde exportiert.<ref name=":3" />


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Spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte der Norder Hafen über gute Schiffsanbindungen von und nach England, was vermutlich auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte, zurückzuführen ist. Dieser Umstand begünstigte die Gründung der [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]] durch den westfälischen Kaufmann [[Julius Meyer]]. England war seinerzeit eine internationale Eisen- und Stahlhochburg.<ref>WirtA NW WAN F 19</ref> 1857 wurde das, natürlich erst später so genannte, [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] errichtet. Es zeugt mit seinem außergewöhnlichen Detailreichtum vom einstigen Wohlstand der Stadt. Im Zollhaus entstanden, wie früher allgemein üblich, auch Möglichkeiten zur Beherbergung und Bewirtung der Seefahrer und Reisenden.
Spätestens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte der Norder Hafen über gute Schiffsanbindungen von und nach England, was vermutlich auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte, zurückzuführen ist. Dieser Umstand begünstigte die Gründung der [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]] durch den westfälischen Kaufmann [[Julius Meyer]]. England war seinerzeit eine internationale Eisen- und Stahlhochburg.<ref>WirtA NW WAN F 19</ref> 1857 wurde das, natürlich erst später so genannte, [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] errichtet. Es zeugt mit seinem außergewöhnlichen Detailreichtum vom einstigen Wohlstand der Stadt. Im Zollhaus entstanden, wie früher allgemein üblich, auch Möglichkeiten zur Beherbergung und Bewirtung der Seefahrer und Reisenden.


=== Niedergang ===
===Niedergang===
Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte der Hafen eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche Blüte der Stadt, noch 1817 liefen jährlich über 80 Schiffe ein und aus, 1862 sogar 559.<ref name=":0" /> 1900 waren es nur 172.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> 1911 liefen bereits wieder 278 Schiffe ein und 279 aus.<ref name=":6" /> Durch zunehmende Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] infolge natürlicher Verschlickung sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert jedoch schließlich zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Der Niedergang vollzog sich langsam, war aber schon früh abzusehen. Bereits 1840 waren nur noch 12 seetüchtige Segelschiffe in Norden beheimatet. Nachfolgend wurden diese durch Dampfschiffe verdrängt. Die alte Kajung wurde letztmalig 1894 ausgebessert und 1933 bis 1934 durch die Anlage einer Eisenspundwand erneuert. Zugleich wurde die Wand tiefergelegt als die alte Hafenmauer, da der Hafen nun nicht mehr den unregulierten Fluten der Nordsee ausgesetzt war.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref> Dass der Norder Hafen wegen der Verschlickung nicht mehr zu retten war, erkannte auch die königliche Regierung in Hannover, an die sich die Stadt Anfang 1897 mit der Bitte um finanzielle Unterstützung beim Ausbaggern des Tiefs gewandt hatte. Vielmehr legte man der Stadt nahe, den Hafenbetrieb nach [[Norddeich]] zu verlegen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 273f.</ref>  
Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte der Hafen eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche Blüte der Stadt, noch 1817 liefen jährlich über 80 Schiffe ein und aus, 1862 sogar 559.<ref name=":0" /> 1900 waren es nur 172.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> 1911 liefen bereits wieder 278 Schiffe ein und 279 aus.<ref name=":6" /> Durch zunehmende Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] infolge natürlicher Verschlickung sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert jedoch schließlich zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Der Niedergang vollzog sich langsam, war aber schon früh abzusehen. Bereits 1840 waren nur noch 12 seetüchtige Segelschiffe in Norden beheimatet. Nachfolgend wurden diese durch Dampfschiffe verdrängt. Die alte Kajung wurde letztmalig 1894 ausgebessert und 1933 bis 1934 durch die Anlage einer Eisenspundwand erneuert. Zugleich wurde die Wand tiefergelegt als die alte Hafenmauer, da der Hafen nun nicht mehr den unregulierten Fluten der Nordsee ausgesetzt war.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref> Dass der Norder Hafen wegen der Verschlickung nicht mehr zu retten war, erkannte auch die königliche Regierung in Hannover, an die sich die Stadt Anfang 1897 mit der Bitte um finanzielle Unterstützung beim Ausbaggern des Tiefs gewandt hatte. Vielmehr legte man der Stadt nahe, den Hafenbetrieb nach [[Norddeich]] zu verlegen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 273f.</ref>  


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Noch über 30 Jahre nach dem Bau des Leybuchtsiels hatte der Hafen noch einige Bedeutung als Binnenhafen, vor allem durch den von der [[Norder Fehngesellschaft]] eingeführten Torf. Seit den 1960er Jahren fahren nur noch kleine Schiffe den Hafen gewerblich an, ehe auch dies 1962 ein Ende fand, nachdem das Schöpfwerk am Leybuchtsiel in Betrieb genommen wurde und die Fehngesellschaft ihren Betrieb einstellte.<ref name=":2" />
Noch über 30 Jahre nach dem Bau des Leybuchtsiels hatte der Hafen noch einige Bedeutung als Binnenhafen, vor allem durch den von der [[Norder Fehngesellschaft]] eingeführten Torf. Seit den 1960er Jahren fahren nur noch kleine Schiffe den Hafen gewerblich an, ehe auch dies 1962 ein Ende fand, nachdem das Schöpfwerk am Leybuchtsiel in Betrieb genommen wurde und die Fehngesellschaft ihren Betrieb einstellte.<ref name=":2" />


=== Gegenwart ===
===Gegenwart===
Mit der Eingemeindung von [[Norddeich]], damals noch Teil der selbstständigen Landgemeinde [[Lintelermarsch]], gelangte Norden wieder in den Besitz eines Seehafens. Bis heute ist der [[Norddeicher Hafen|Hafen von Norddeich]] der einzige Seehafen der Stadt und als solcher einer der größten Personenhäfen Deutschlands sowie der größte in Niedersachsen. Der alte Norder Hafen verkümmerte weiter, bis er schließlich von Spätherbst 1994 bis Sommer 1995 einer Erneuerung unterzogen wurde. Im Juli des Jahres weihte Bürgermeister [[Fritz Fuchs]] den neuen Hafen ein. Die Kosten der Baumaßnahmen beliefen sich auf 1,5 Millionen DM.
Mit der Eingemeindung von [[Norddeich]], damals noch Teil der selbstständigen Landgemeinde [[Lintelermarsch]], gelangte Norden wieder in den Besitz eines Seehafens. Bis heute ist der [[Norddeicher Hafen|Hafen von Norddeich]] der einzige Seehafen der Stadt und als solcher einer der größten Personenhäfen Deutschlands sowie der größte in Niedersachsen. Der alte Norder Hafen verkümmerte weiter, bis er schließlich von Spätherbst 1994 bis Sommer 1995 einer Erneuerung unterzogen wurde. Im Juli des Jahres weihte Bürgermeister [[Fritz Fuchs]] den neuen Hafen ein. Die Kosten der Baumaßnahmen beliefen sich auf 1,5 Millionen DM.


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Datei:Norder Hafen um 1900 01.jpg|Der Norder Hafen in der Zeit um 1900.
Datei:Norder Hafen um 1900 01.jpg|Der Norder Hafen in der Zeit um 1900.
Datei:Norder Hafen um 1900 02.jpg|Eine weitere Aufnahme aus der Zeit um 1900.
Datei:Norder Hafen um 1900 02.jpg|Eine weitere Aufnahme aus der Zeit um 1900.
Datei:Norder Hafen um 1905 01.jpg|Eventuell um 1905.
Datei:Norder Hafen Altes Siel um 1920 01.jpg|Das [[Zweites Siel|Große Norder Siel]], dahinter das [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] (um 1920).
Datei:Norder Hafen Altes Siel um 1920 01.jpg|Das [[Zweites Siel|Große Norder Siel]], dahinter das [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] (um 1920).
Datei:Norder Hafen Schiffswerft Herlyn um 1920 01.jpg|Die [[Schiffswerft Herlyn]] am Hafen (um 1920).
Datei:Norder Hafen Schiffswerft Herlyn um 1920 01.jpg|Die [[Schiffswerft Herlyn]] am Hafen (um 1920).
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Datei:Norder Hafen Luftaufnahme um 1950 01.jpg|Luftaufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme um 1950 01.jpg|Luftaufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme 1943 01.jpg|Luftaufnahme von 1943.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme 1943 01.jpg|Luftaufnahme von 1943.
Datei:Norder Hafen 1958 01.jpg|Blick vom [[Zweites Siel|ehemaligen Siel]] auf das [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] (1958).
Datei:Norder Hafen 1958 01.jpg|Blick vom [[Zweites Siel|ehemaligen Siel] auf das [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus] (1958).
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== Literatur ==
==Literatur==


* Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich
*Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references/>
<references />


==Siehe auch==
==Siehe auch==