Schokoladenmanufaktur Heddinga: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Schokoladenmanufaktur Heddinga''' war ein überregional bekanntes Unternehmen auf dem Gebiet der Süßwarenherstellung. Es entwickelte sich von einer kleinen Bäckerei zu einem großen Unternehmen mit zeitweise bis zu 130 Mitarbeitern. Der Sitz befand sich im [[Vossenhus]] sowie unmittelbar anliegender Anbauten (heute Stadtbibliothek und [[Weiterbildungszentrum]]). Der Betrieb wurde 1934 eingestellt. | Die '''Schokoladenmanufaktur Heddinga''' war ein überregional bekanntes Unternehmen auf dem Gebiet der Süßwarenherstellung. Es entwickelte sich von einer kleinen Bäckerei zu einem großen Unternehmen mit zeitweise bis zu 130 Mitarbeitern. Der Sitz befand sich im [[Vossenhus]] sowie unmittelbar anliegender Anbauten (heute Stadtbibliothek und [[Weiterbildungszentrum]]). Der Betrieb wurde 1934 eingestellt. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Im Jahr 1830 kam [[Thomas Jodokus Heddinga]] nach Norden und übernahm die am [[Neuer Weg 13|Neuen Weg 13]] befindliche ''Bäckerei Uffen''. Schnell erweiterte er das Sortiment um Konditorwaren und spezialisierte sich auf die Herstellung von Schokoladenspezialitäten. Seine Produkte fanden reißen Absatz, sodass er die Produktion vergrößerte und in das [[Lammertsches Haus|Lammertsche Haus]] verlagerte, ehe er 1875 das [[Vossenhus]] erwerben konnte und den Betriebssitz hierhin verlagerte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 193</ref> Zunächst beschränkte sich sein Betrieb auf das Vossenhus an sich sowie die dahinter befindlichen Wirtschaftsgebäude. Mit dem Kauf des ursprünglich zur Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]] gehörenden, südlich gelegenen Packhauses im Jahre 1891 konnte er seine Produktionsflächen erheblich erweitern.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 61</ref> | Im Jahr 1830 kam [[Thomas Jodokus Heddinga]] nach Norden und übernahm die am [[Neuer Weg 13|Neuen Weg 13]] befindliche ''Bäckerei Uffen''. Schnell erweiterte er das Sortiment um Konditorwaren und spezialisierte sich auf die Herstellung von Schokoladenspezialitäten. Seine Produkte fanden reißen Absatz, sodass er die Produktion vergrößerte und in das [[Lammertsches Haus|Lammertsche Haus]] verlagerte, ehe er 1875 das [[Vossenhus]] erwerben konnte und den Betriebssitz hierhin verlagerte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 193</ref> Zunächst beschränkte sich sein Betrieb auf das Vossenhus an sich sowie die dahinter befindlichen Wirtschaftsgebäude. Mit dem Kauf des ursprünglich zur Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]] gehörenden, südlich gelegenen Packhauses im Jahre 1891 konnte er seine Produktionsflächen erheblich erweitern.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 61</ref> | ||
Der Betrieb wuchs immer weiter und umfasste neben dem Vossenhus auch das Gelände des heutigen [[Weiterbildungszentrum|Weiterbildungszentrums]]. Zu den Außendienstmitarbeitern gehörten um 1880 sogar der spätere Teefabrikant [[Onno Behrends]]. Bis in das 20. Jahrhundert war der Betrieb ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerbringer für die Stadt Norden. Doch in den 1930er Jahren geriet das Unternehmen offenbar in wirtschaftliche Schwierigkeiten, obgleich es weiterhin 75 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten konnte. Titelte der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] noch am 24. April 1934, dass die Produktpalette um mehrere Artikel erweitert werden konnte, heißt es dort am 25. April 1935, dass das Unternehmen am Vortage zwangsversteigert werden musste. Während das Packhaus an der [[Uffenstraße]] von der Bäcker-Einkauf eGmbH für 3.000 Reichsmark übernommen wurde, fand sich für das Vossenhus zunächst kein neuer Besitzer. Kurze Zeit später - noch im selben Jahr - erwarb die Landhandlung [[Mennenga & Poppinga]] den Komplex.<ref name=":0" /> | Der Betrieb wuchs immer weiter und umfasste neben dem Vossenhus auch das Gelände des heutigen [[Weiterbildungszentrum|Weiterbildungszentrums]]. Zu den Außendienstmitarbeitern gehörten um 1880 sogar der spätere Teefabrikant [[Onno Behrends]]. Bis in das 20. Jahrhundert war der Betrieb ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerbringer für die Stadt Norden. Doch in den 1930er Jahren geriet das Unternehmen offenbar in wirtschaftliche Schwierigkeiten, obgleich es weiterhin 75 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten konnte. Titelte der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] noch am 24. April 1934, dass die Produktpalette um mehrere Artikel erweitert werden konnte, heißt es dort am 25. April 1935, dass das Unternehmen am Vortage zwangsversteigert werden musste. Während das Packhaus an der [[Uffenstraße]] von der [[Neuer Weg 42|Bäcker-Einkauf eGmbH]] für 3.000 Reichsmark übernommen wurde, fand sich für das Vossenhus zunächst kein neuer Besitzer. Kurze Zeit später - noch im selben Jahr - erwarb die Landhandlung [[Mennenga & Poppinga]] den Komplex.<ref name=":0" /> | ||
== Trivia == | ==Trivia== | ||
Laut einer Aufstellung aus dem Jahr 1881 über die Arbeitszeiten der zeitweise rund 100 Beschäftigten ergibt sich ein nach heutigen Maßstäben unglaubliches Bild. So betrug die Arbeitszeit für Beschäftigte über 16 Jahren wochentags von 06:00 - 12:00 Uhr und nach einer einstündigen Mittagspause von 13:00 - 19:00 Uhr. Beschäftigte im Alter von 14 bis 16 Jahren erhielten vormittags und nachmittags je eine weitere halbe Stunde Pause. Erkennbar wird neben der hohen Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden auch, dass Kinderarbeit im Unternehmen nicht unüblich war.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 45</ref> Auch abseits der Schokoladenmanufaktur war dies damals jedoch eher die Regel als die Ausnahme. | Laut einer Aufstellung aus dem Jahr 1881 über die Arbeitszeiten der zeitweise rund 100 Beschäftigten ergibt sich ein nach heutigen Maßstäben unglaubliches Bild. So betrug die Arbeitszeit für Beschäftigte über 16 Jahren wochentags von 06:00 - 12:00 Uhr und nach einer einstündigen Mittagspause von 13:00 - 19:00 Uhr. Beschäftigte im Alter von 14 bis 16 Jahren erhielten vormittags und nachmittags je eine weitere halbe Stunde Pause. Erkennbar wird neben der hohen Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden auch, dass Kinderarbeit im Unternehmen nicht unüblich war.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 45</ref> Auch abseits der Schokoladenmanufaktur war dies damals jedoch eher die Regel als die Ausnahme. | ||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
<references /> | <references/> | ||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
Version vom 13. September 2022, 15:14 Uhr
Schokoladenmanufaktur Heddinga | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | 1830 |
| Auflösung | 1934 |
| Rechtsform | unbekannt |
| Hauptsitz | Am Markt 8
26506 Norden |
Die Schokoladenmanufaktur Heddinga war ein überregional bekanntes Unternehmen auf dem Gebiet der Süßwarenherstellung. Es entwickelte sich von einer kleinen Bäckerei zu einem großen Unternehmen mit zeitweise bis zu 130 Mitarbeitern. Der Sitz befand sich im Vossenhus sowie unmittelbar anliegender Anbauten (heute Stadtbibliothek und Weiterbildungszentrum). Der Betrieb wurde 1934 eingestellt.
Geschichte
- siehe auch: Geschichte des Vossenhuses
Im Jahr 1830 kam Thomas Jodokus Heddinga nach Norden und übernahm die am Neuen Weg 13 befindliche Bäckerei Uffen. Schnell erweiterte er das Sortiment um Konditorwaren und spezialisierte sich auf die Herstellung von Schokoladenspezialitäten. Seine Produkte fanden reißen Absatz, sodass er die Produktion vergrößerte und in das Lammertsche Haus verlagerte, ehe er 1875 das Vossenhus erwerben konnte und den Betriebssitz hierhin verlagerte.[1] Zunächst beschränkte sich sein Betrieb auf das Vossenhus an sich sowie die dahinter befindlichen Wirtschaftsgebäude. Mit dem Kauf des ursprünglich zur Tabakmanufaktur Steinbömer & Lubinus gehörenden, südlich gelegenen Packhauses im Jahre 1891 konnte er seine Produktionsflächen erheblich erweitern.[2]
Der Betrieb wuchs immer weiter und umfasste neben dem Vossenhus auch das Gelände des heutigen Weiterbildungszentrums. Zu den Außendienstmitarbeitern gehörten um 1880 sogar der spätere Teefabrikant Onno Behrends. Bis in das 20. Jahrhundert war der Betrieb ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerbringer für die Stadt Norden. Doch in den 1930er Jahren geriet das Unternehmen offenbar in wirtschaftliche Schwierigkeiten, obgleich es weiterhin 75 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten konnte. Titelte der Ostfriesische Kurier noch am 24. April 1934, dass die Produktpalette um mehrere Artikel erweitert werden konnte, heißt es dort am 25. April 1935, dass das Unternehmen am Vortage zwangsversteigert werden musste. Während das Packhaus an der Uffenstraße von der Bäcker-Einkauf eGmbH für 3.000 Reichsmark übernommen wurde, fand sich für das Vossenhus zunächst kein neuer Besitzer. Kurze Zeit später - noch im selben Jahr - erwarb die Landhandlung Mennenga & Poppinga den Komplex.[1]
Trivia
Laut einer Aufstellung aus dem Jahr 1881 über die Arbeitszeiten der zeitweise rund 100 Beschäftigten ergibt sich ein nach heutigen Maßstäben unglaubliches Bild. So betrug die Arbeitszeit für Beschäftigte über 16 Jahren wochentags von 06:00 - 12:00 Uhr und nach einer einstündigen Mittagspause von 13:00 - 19:00 Uhr. Beschäftigte im Alter von 14 bis 16 Jahren erhielten vormittags und nachmittags je eine weitere halbe Stunde Pause. Erkennbar wird neben der hohen Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden auch, dass Kinderarbeit im Unternehmen nicht unüblich war.[3] Auch abseits der Schokoladenmanufaktur war dies damals jedoch eher die Regel als die Ausnahme.