Synagoge: Unterschied zwischen den Versionen
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Für den Bau der Synagoge bewilligte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 100 Reichstaler als Zuschuss. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nicht-jüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":0">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> 1891 folgte der Neubau eines neuen Gebäudes für den [[Vorsängers Haus|Vorsänger der Gemeinde]], in dem sich auch ein Frauenbad befand und Holz zum Bauen von Särgen sowie die Totenbahren gelagert wurden. Diesem Bau ging ein älterer Bau voran, über den jedoch nichts näher bekannt ist.<ref name=":2" /> Im selben Jahr wurde auch das [[Synagogenweg 3|Wohnhaus des Lehrers]] gebaut.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86</ref> Hier wohnte später die bekannte jüdische Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] mit ihrer Familie. | Für den Bau der Synagoge bewilligte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 100 Reichstaler als Zuschuss. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nicht-jüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":0">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> 1891 folgte der Neubau eines neuen Gebäudes für den [[Vorsängers Haus|Vorsänger der Gemeinde]], in dem sich auch ein Frauenbad befand und Holz zum Bauen von Särgen sowie die Totenbahren gelagert wurden. Diesem Bau ging ein älterer Bau voran, über den jedoch nichts näher bekannt ist.<ref name=":2" /> Im selben Jahr wurde auch das [[Synagogenweg 3|Wohnhaus des Lehrers]] gebaut.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86</ref> Hier wohnte später die bekannte jüdische Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] mit ihrer Familie. | ||
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Die Überbleibsel der Synagoge wurden nach dem Brand einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref name=":0" /> | In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Groteskerweise hatte die Feuerwehr absprachsgemäß schon vor dem Brand damit begonnen, Schlauchleitungen zu verlegen, um die Brandausbreitung zu verhindern.<ref name=":3">Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 303f.</ref> | ||
Tatsächlich sah es der Befehl der NS-Führung vor, dass die Synagogen nur dann zu brennen hätten, wenn keine Brandgefahr für andere Gebäude bestünde. Dies ignorierte Everwien oder war zumindest mit zu wenig Weitsicht oder Intelligenz gesegnet, sodass die dichtbebaute Innenstadt praktisch nur knapp einer verheerenden Brandkatastrophe entkam.<ref name=":3" /> Zwischen der Synagoge und dem benachbarten Gebäude [[Neuer Weg 108]] befanden sich gerade einmal zwei Meter. | |||
Die Überbleibsel der Synagoge wurden nach dem Brand einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref name=":0" /> | |||
Nach dem Krieg wurde der Bereich rund um die Synagoge mit Garagen überbaut und die Brandstiftung durch die Staatsanwaltschaft Aurich untersucht.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 166</ref> Im September 1985 wurde ihr Grundmauerfragment freigelegt. Der [[Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden|Ökumenische Arbeitskreis Synagogenweg Norden e.V.]] gründete sich noch im selben Jahr und bemühte sich um die Einrichtung einer Gedenkstätte am Ort der ehemaligen Synagoge. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Norden das Grundstück und ließ dort eine Gedenkstätte einrichten, in deren Zentrum ein Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge steht. Diese wurde während einer ''Woche der Begegnung'' am 21. Juni 1987 in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden und deren Angehörigen eingeweiht.<ref name=":1" /> | Nach dem Krieg wurde der Bereich rund um die Synagoge mit Garagen überbaut und die Brandstiftung durch die Staatsanwaltschaft Aurich untersucht.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 166</ref> Im September 1985 wurde ihr Grundmauerfragment freigelegt. Der [[Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden|Ökumenische Arbeitskreis Synagogenweg Norden e.V.]] gründete sich noch im selben Jahr und bemühte sich um die Einrichtung einer Gedenkstätte am Ort der ehemaligen Synagoge. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Norden das Grundstück und ließ dort eine Gedenkstätte einrichten, in deren Zentrum ein Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge steht. Diese wurde während einer ''Woche der Begegnung'' am 21. Juni 1987 in Anwesenheit ehemaliger Norder Juden und deren Angehörigen eingeweiht.<ref name=":1" /> | ||