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'''Süderneuland II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 844 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 4,55 km² verteilen.
'''Süderneuland II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 844 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 4,55 km² verteilen.
Im Norden grenzt Süderneuland II an [[Norden (Stadtteil) | Norden]], im Westen an [[Süderneuland I]] und teilweise [[Norden (Stadtteil) | Norden]], im Osten an [[Bargebur]] und die Nachbargemeinde Lütetsburg und im Süden an die Nachbargemeinde Osteel.


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Süderneuland II befindet südlich und östlich des Stadtkerns. Die Bodenbeschaffenheit des Ortes ist divers. Im Westen und Süden herrscht der Typus Kleimarsch vor, im Norden und Osten größtenteils Gley-Podsol mit Plaggenauflage, im Südosten Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) bzw. Gley Podsol und im Zentrum Podsol-Gley zu finden.
Süderneuland II befindet südlich und östlich des Stadtkerns. Die Bodenbeschaffenheit des Ortes ist divers. Im Westen und Süden herrscht der Typus Kleimarsch vor, im Norden und Osten größtenteils Gley-Podsol mit Plaggenauflage, im Südosten Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) bzw. Gley Podsol und im Zentrum Podsol-Gley zu finden.


Die diffus wirkende Grenzziehung des Ortes erklärt sich aus seinem Verbund ursprünglich voneinander unabhängiger Bauernschaften zu einer Gemeinde. Die Grenzen entsprechen denen der Ländereien ihrer einstigen Eigentümer.
Im Norden grenzt Süderneuland II an [[Norden (Stadtteil) | Norden]], im Westen an [[Süderneuland I]] und teilweise [[Norden (Stadtteil) | Norden]], im Osten an [[Bargebur]] und die Nachbargemeinde Lütetsburg und im Süden an die Nachbargemeinde Osteel. Die diffus wirkende Grenzziehung des Ortes erklärt sich aus seinem historisch gewachsenen Verbund ursprünglich voneinander unabhängiger Bauernschaften zu einer Gemeinde. Die Grenzen entsprechen denen der Ländereien ihrer einstigen Eigentümer.


== Geschichte ==
== Geschichte ==


===Mittelalter===
===Mittelalter===
Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die [[Leybucht]] erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein [[Norder Hafen|stattlicher Seehafen]] bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das [[Norder Tief]] als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des [[Fridericussiel|Fridericussiels]] abgeschlossen.
Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die [[Leybucht]] erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein [[Norder Hafen|stattlicher Seehafen]] bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das [[Norder Tief]] als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des [[Fridericussiel|Fridericussiels]] abgeschlossen.


Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch [[Udo-Focken-Deich]] oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings [[Focko Ukena]]. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach [[Leegemoor]], von dort weiter nach [[Nadörst]] und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der [[Wurzeldeicher Straße]] sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute [[Leegemoorweg]]. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.
Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch [[Udo-Focken-Deich]] oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings [[Focko Ukena]]. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach [[Leegemoor]], von dort weiter nach [[Nadörst]] und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der [[Wurzeldeicher Straße]] sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute [[Leegemoorweg]]. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.
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==Bildung==
==Bildung==
* Hauptartikel: [[Itzendorfer Schule]] und [[Westerhörner Schule]]
* Hauptartikel: [[Alte Nadörster Schule]] | [[Nadörster Schule]]
Ein Schulsystem gab es schon, als der Ort Itzendorf noch bestand - also vor 1717. Von den beiden Schulgebäuden in Itzendorf und Westerhörn ist heute nur noch letzteres vorhanden. Ab 1970 wurden die Kinder der Westermarsch II in der [[Altendeichsschule]] unterrichtet.
 
Mindestens seit 1848 ist eine Schule in Nadörst belegt, die 1951 durch einen Neubau ersetzt wurde. Beide Gebäude sind bis heute in einem - mehr oder minder - originalgetreuen Zustand erhalten.


==Religion==
==Religion==
Es ist nicht belegt, dass es in der Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die [[Ludgerikirche]] am Norder [[Marktplatz]].
Es ist nicht belegt, dass es in der Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die [[Ludgerikirche]] am Norder [[Marktplatz]]. Bis heute hat es, anders als in [[Süderneuland I]], keine Kirche in Süderneuland II gegeben.
 
Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch-lutherisch und gehört mittlerweile zur [[Andreas-Kirchengemeinde]] Norden, welche ihren Sitz im [[Warfenweg]] hat. Vereinzelt gibt es evangelisch-reformierte Bewohner, die die Kirche in Bargebur besuchen, sowie Mennoniten, die einst Schutzgeld zahlten und die in Norden am Marktplatz auf der Südseite seit 1795 ihre eigene Kirche besitzen. Die wenigen katholischen Bewohner gehen in die Kirche St. Ludgerus in Norden. In der Begegnisstätte am Altendeichsweg finden regelmäßig Teenachmittage statt.


==Gesundheit und Soziales==
==Gesundheit und Soziales==
Westermarsch I war von jeher dem [[Armenverband Norden]] und dem [[Kirchspiel Norden]] angegliedert, so 1735 und 1870. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Aus den umliegenden
1870 waren Süderneuland I und II dem [[Armenverband Norden]] sowie dem [[Kirchspiel Norden]] angegliedert. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen.
Gemeinden Westermarsch, [[Lintelermarsch]] und [[Ostermarsch]], soweit sie nach Norden eingepfarrt waren, wurde ein Kirchenverwalter bestellt. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen.


==Wirtschaft und Verkehr==
==Wirtschaft und Verkehr==
Haupterwerbszweig von Westermarsch II ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. "Ferien auf dem Bauernhof" bieten mittlerweile viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an.
Für Ostfriesland typisch war auch in Süderneuland II die Landwirtschaft lange Zeit der dominierende Wirtschaftsfaktor. Statisch gesehen umfasste hier 1867 jeder Haushalt im Schnitt 4,6 Personen, 1,2 Pferde, 3,7 Rindtiere und 2,2 Schafe. Diese Werte stellen jedoch lediglich den Durchschnitt dar. Die Großbauern hatten naturgemäß deutlich mehr Tiere zur Verfügung als die einzelnen Haushalte zur Eigenversorgung. Die meisten Familien konnten sich glücklich schätzen, überhaupt ein Tier zur Versorgung des eigenen Nahrungsbedarfs zu besitzen.


Das Einwohnerverzeichnis von 1880/81 weist einen Krämer (auch Schenkwirt), einen Partikulier, einen Zimmermann und einen Zolleinnehmer, sowie jeweils zwei Gastwirte, Grenzaufseher und Schmiede aus.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe stieg leicht von 31 (1949) auf 32 (1960) an, stürzte dann aber auf 20 (1971) ab. Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten nahm kontinuierlich von 40 (1950), über 37 (1961) auf 30 (1970) ab. Handwerksunternehmen waren 1950 zu fast 33- und 1961 zu 32 % vertreten. Die Zahl der Erwerbspersonen minderte sich stetig von 467 (1950), über 362 (1961) auf 324 (1970). Dagegen erhöhte sich die Quote der Auspendler beständig von fast 38 % über 57 % bis auf schließlich 63%. Einpendler waren mit 26 % (1961) bzw. 33% (1970) vertreten.


Erst zwischen 1873 und 1875 wurde von der Stadt Norden bis zum [[Kleiner Krug | Kleinen Krug]] in [[Utlandshörn]] eine Landstraße gelegt, von der aus später noch zwei kleine Nebenstraßen in nördlicher und südlicher Richtung angelegt wurden. So war es vorher zu Regenzeiten unmöglich, die Wege zu benutzen, da es ansonsten keine befestigte Straßen gab. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Korn, mussten oftmals auf Schiffen die Kanäle entlang nach Norden transportiert werden. In umgekehrter Richtung galt dies auch für Waren, die nach Westermarsch II importiert wurden.
1719 wurden lediglich 9 Arbeitsmänner verzeichnet. 1880/81 waren es dann jeweils ein Bäcker (bzw. Krämer), Gärtnereiverwalter, Hirte, Holzhändler, Schiffskapitän (bzw. Reeder), Schmied, Stellmacher, Wagenfabrikant und Zimmermann.
 
An die im Mittelalter übliche Salzsiederei durch Verbrennen von Salztorf erinnern heute noch Flurnamen wie [[Uden-Soltjers Warf]] oder [[Meint Hibben Salzbude]] Spätestens seit 1564 wurde französisches und spanisches Seesalz und Lüneburger Salz eingeführt, so dass man die Salzsiederei in Westermarsch II zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufgeben musste. Eine 1922 gegründete Elektrizitätsgenossenschaft Westermarsch wurde bereits im September 1931 wieder aufgelöst.


==Erwähnenswerte Gebäude==
==Erwähnenswerte Gebäude==
===Erhaltene Gebäude===
* [[Ölmühle|Öl- und Peldemühle]]
* [[Zollhaus (Westermarsch II) | Altes Zollhaus]]
* [[Pomologie]]
* [[Groß Grashaus]]
* [[Norddeich Radio]]
 
===Abgebrochene Gebäude===
* [[Großer Krug]]
* [[Hollande]]
* [[Kleiner Krug]]
* [[Klein Grashaus]]
* [[Kugelhaus]]
* [[Tromschlag]]
* [[Ülkebülte]]
* [[Wachthaus (Westermarsch II) | Wachthaus]]


== Quellenverzeichnis ==
== Quellenverzeichnis ==
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Suederneuland_I_und_II.pdf Beschreibung von Süderneuland II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Suederneuland_I_und_II.pdf Beschreibung von Süderneuland II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://flurnamen-ostfriesland.de/flurnamenkarte Historische Flurnamensammlung] der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]


[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Westermarsch II]]
[[Kategorie:Süderneuland II]]