Jan Fegter (1852): Unterschied zwischen den Versionen
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Nach dem Kriege, in dem er einen Sohn (Popke Fegter jun.) verlor, zog Fegter für Theodor Tantzen, der Ministerpräsident in Oldenburg wurde, in die Deutsche Nationalversammlung ein. Bereits 1918 hatte er sich der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei angeschlossen, die sich um Friedrich Naumann scharte. Ab 1920 gehörte er dann dem Parteiausschuss der DDP an – neben dem Hauptvorstand das Führungsgremium der Partei –, wurde aber für die Reichstagswahl im gleichen Jahr von seiner Partei nicht mehr aufgestellt, da er inzwischen im Provinziallandtag saß und als Vertreter der Provinz Hannover im preußischen Staatsrat tätig war. Als Bezirksvorsitzender der DDP führte er aber weiterhin die ostfriesischen Liberalen an. | Nach dem Kriege, in dem er einen Sohn (Popke Fegter jun.) verlor, zog Fegter für Theodor Tantzen, der Ministerpräsident in Oldenburg wurde, in die Deutsche Nationalversammlung ein. Bereits 1918 hatte er sich der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei angeschlossen, die sich um Friedrich Naumann scharte. Ab 1920 gehörte er dann dem Parteiausschuss der DDP an – neben dem Hauptvorstand das Führungsgremium der Partei –, wurde aber für die Reichstagswahl im gleichen Jahr von seiner Partei nicht mehr aufgestellt, da er inzwischen im Provinziallandtag saß und als Vertreter der Provinz Hannover im preußischen Staatsrat tätig war. Als Bezirksvorsitzender der DDP führte er aber weiterhin die ostfriesischen Liberalen an. | ||
Ob es letztendlich Fegters politisches Verdienst war, 1922 seinen Parteifreund, den bis dahin wenig bekannten Jann Berghaus als ersten Ostfriesen auf den Sessel des Regierungspräsidenten in Aurich lanciert zu haben, sei dahingestellt. Vielleicht war aber eine gewisse politische Rivalität der Grund für ein anscheinend nicht ungetrübtes Verhältnis, das sich bei Berghaus später gegenüber Fegter zeigte. Obwohl Jan Fegter bis 1930 der | Ob es letztendlich Fegters politisches Verdienst war, 1922 seinen Parteifreund, den bis dahin wenig bekannten Jann Berghaus als ersten Ostfriesen auf den Sessel des Regierungspräsidenten in Aurich lanciert zu haben, sei dahingestellt. Vielleicht war aber eine gewisse politische Rivalität der Grund für ein anscheinend nicht ungetrübtes Verhältnis, das sich bei Berghaus später gegenüber Fegter zeigte. Obwohl Jan Fegter bis 1930 der Führungsriege der DDP angehörte, hatte er doch seinen politischen Zenit überschritten, zumal auch seine Partei von Wahl zu Wahl an Bedeutung verlor. Und doch war der fast Achtzigjährige noch weiter aktiv und pendelte zwischen Hannover, Berlin, Norden und Aurich hin und her. Als Politiker und Mitglied des Kreisausschusses in Norden und des Bezirksausschusses in Aurich arbeitete er in seinen letzten Jahren noch an einem Plan für den Anschluss des Dornumer Siels an die [[Leybucht]], an Landgewinnungsprojekten und an der Verbindung der Inseln mit dem Festlande. | ||
Führungsriege der DDP angehörte, hatte er doch seinen politischen Zenit überschritten, zumal auch seine Partei von Wahl zu Wahl an Bedeutung verlor. Und doch war der fast Achtzigjährige noch weiter aktiv und pendelte zwischen Hannover, Berlin, Norden und Aurich hin und her. Als Politiker und Mitglied des Kreisausschusses in Norden und des Bezirksausschusses in Aurich arbeitete er in seinen letzten Jahren noch an einem Plan für den Anschluss des Dornumer Siels an die [[Leybucht]], an Landgewinnungsprojekten und an der Verbindung der Inseln mit dem Festlande. | |||
Jan Fegter starb nach kurzer schwerer Krankheit im März 1931. Vor seinem Tode zog er nach [[Süderneuland I]], wo er vermutlich in einer der prachtvollen Stadtvillen der [[Bahnhofstraße]] lebte, die zum Großteil gegen Ende des 19. Jahrhunderts von wohlhabenden Bauern des Norder Umlandes errichtet wurden. Jan Fegter war sicher der bedeutendste und wichtigste Vertreter des linken Liberalismus in Ostfriesland. Bei der Würdigung seiner Person muss man vor allem seine Arbeit für die Region Ostfriesland, hier besonders für die einheimische Landwirtschaft und die Fischerei, herausstellen. Und nicht zuletzt war es seine hohe politische Moral, die ihn in der Geschichte über viele andere Politiker stellt. Schon in der Zeit der Monarchie war er überzeugter Republikaner. In den Wirren der Nachkriegszeit trat er für soziale Ideen und gegen Klassenherrschaft und Kastengeist ein. Letztendlich sei daran erinnert, dass es gerade seine politische Richtung des Liberalismus war, die sich dem schon damals latenten Antisemitismus in Deutschland zu widersetzen suchte. | Jan Fegter starb nach kurzer schwerer Krankheit im März 1931. Vor seinem Tode zog er nach [[Süderneuland I]], wo er vermutlich in einer der prachtvollen Stadtvillen der [[Bahnhofstraße]] lebte, die zum Großteil gegen Ende des 19. Jahrhunderts von wohlhabenden Bauern des Norder Umlandes errichtet wurden. Jan Fegter war sicher der bedeutendste und wichtigste Vertreter des linken Liberalismus in Ostfriesland. Bei der Würdigung seiner Person muss man vor allem seine Arbeit für die Region Ostfriesland, hier besonders für die einheimische Landwirtschaft und die Fischerei, herausstellen. Und nicht zuletzt war es seine hohe politische Moral, die ihn in der Geschichte über viele andere Politiker stellt. Schon in der Zeit der Monarchie war er überzeugter Republikaner. In den Wirren der Nachkriegszeit trat er für soziale Ideen und gegen Klassenherrschaft und Kastengeist ein. Letztendlich sei daran erinnert, dass es gerade seine politische Richtung des Liberalismus war, die sich dem schon damals latenten Antisemitismus in Deutschland zu widersetzen suchte. | ||
== Trivia == | |||
Seine (politischen) Freunde unterstützten Jan mit dem Wahlspruch ''Jan mutt 'rin'' (''Jan muss herein'').<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 70</ref> Seine Gegner hingegen wandelten den Spruch in ''Jan mutt herut'' (''Jan muss heraus'') um. | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||