Polizei Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Heinrich Himmler ab 1936 Chef der gesamten deutschen Polizei. Nach außen hin blieben die bisherigen, unteren Polizeisparten unverändert, doch strebte Himmler eine vollständige Verschmelzung der ''Schutzstaffel'' (SS) mit der Polizei an. So wurden auch die Polizei in Norden und die dörflichen Gendarmerieposten zu Werkzeugen des NS-Machtapparates. Dass sich die Norder Beamten dabei zum Helfershelfer der Nationalsozialisten machen ließen, zeigte schon ein Vorfall vom 30. Januar 1933. Kaum konnte Adolf Hitler die Macht im Reichstag erlangen, zogen die Mitglieder der Norder NSDAP singend durch die Norder Innenstadt. Ein auswärtiger Handswerksgeselle rief dabei: ''"Hitler verrecke!"''. Die Polizei verhaftete ihn und führte ihn am nächsten Tag dem [[Amtsgericht Norden|Amtsrichter]] vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref> Da von Februar bis ungefähr Mitte August 1933 jedoch auch Angehörige der bewaffneten NSDAP-Organe im ganzen Reich als Hilfspolizisten eingesetzt waren, ist denkbar, dass die Verhaftung nicht durch reguläre Polizeikräfte, sondern durch Angehörige der ''Sturmabteilung'' (SA) erfolgte. Die Berichte dazu liefern leider keine näheren Rückschlüsse. [[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|[[Lenhard Everwien]] und [[Otto Ites]] am 14. April 1942. Im Hintergrund die damalige Parteizentrale und das heutige Hauptgebäude des Polizeikommissariats Norden.]]Am 22. Juli 1935 sicherte die Norder Polizei einen von der SA inszenierten Prangermarsch ab, bei dem der jüdische Lehrer [[Julius Wolff]] und seine Verlobte [[Christine Neemann]] mit Plakaten um den Hals als ''Rasseschänder'' durch die Stadt getrieben wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35</ref> Polizeichef Limbach (zwischenzeitlich zum Polizeimeister befördert) hatte zuvor vergeblich versucht, die Aktion zu verhindern, war mit seinem Widerspruch jedoch beim [[Landratsamt]] und der örtlich zuständigen Dienstelle der Geheimen Staatspolizei (''Gestapo'') in Wilhelmshaven gescheitert. Dennoch löste die Polizei den demütigenden Marsch letztlich auf und nahm Neemann und Wolff in ''Schutzhaft''. Die Gestapo verbrachte sie von dort zunächst in das [[Gerichtsgefängnis|Norder Gerichtsgefängnis]] und anschließend nach Aurich, von wo sie beide wiederum in das KZ Esterwegen überstellt, aber später freigelassen wurden.<ref>Raim, Edith (2013): Justiz zwischen Diktatur und Demokratie, München, S. 675</ref> In der ''Reichspogromnacht'' vom 9. auf den 10. November 1938 war die Polizei, anders als die [[Feuerwehr Norden|Feuerwehr]], die ein Übergreifen der Flammen auf Gebäude im Umfeld der brennenden [[Synagoge]] verhindern sollte, hingegen wohl nicht unmittelbar beteiligt. | Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Heinrich Himmler ab 1936 Chef der gesamten deutschen Polizei. Nach außen hin blieben die bisherigen, unteren Polizeisparten unverändert, doch strebte Himmler eine vollständige Verschmelzung der ''Schutzstaffel'' (SS) mit der Polizei an. So wurden auch die Polizei in Norden und die dörflichen Gendarmerieposten zu Werkzeugen des NS-Machtapparates. Dass sich die Norder Beamten dabei zum Helfershelfer der Nationalsozialisten machen ließen, zeigte schon ein Vorfall vom 30. Januar 1933. Kaum konnte Adolf Hitler die Macht im Reichstag erlangen, zogen die Mitglieder der Norder NSDAP singend durch die Norder Innenstadt. Ein auswärtiger Handswerksgeselle rief dabei: ''"Hitler verrecke!"''. Die Polizei verhaftete ihn und führte ihn am nächsten Tag dem [[Amtsgericht Norden|Amtsrichter]] vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref> Da von Februar bis ungefähr Mitte August 1933 jedoch auch Angehörige der bewaffneten NSDAP-Organe im ganzen Reich als Hilfspolizisten eingesetzt waren, ist denkbar, dass die Verhaftung nicht durch reguläre Polizeikräfte, sondern durch Angehörige der ''Sturmabteilung'' (SA) erfolgte. Die Berichte dazu liefern leider keine näheren Rückschlüsse. [[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|[[Lenhard Everwien]] und [[Otto Ites]] am 14. April 1942. Im Hintergrund die damalige Parteizentrale und das heutige Hauptgebäude des Polizeikommissariats Norden.]]Am 22. Juli 1935 sicherte die Norder Polizei einen von der SA inszenierten Prangermarsch ab, bei dem der jüdische Lehrer [[Julius Wolff]] und seine Verlobte [[Christine Neemann]] mit Plakaten um den Hals als ''Rasseschänder'' durch die Stadt getrieben wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35</ref> Polizeichef Limbach (zwischenzeitlich zum Polizeimeister befördert) hatte zuvor vergeblich versucht, die Aktion zu verhindern, war mit seinem Widerspruch jedoch beim [[Landratsamt]] und der örtlich zuständigen Dienstelle der Geheimen Staatspolizei (''Gestapo'') in Wilhelmshaven gescheitert. Dennoch löste die Polizei den demütigenden Marsch letztlich auf und nahm Neemann und Wolff in ''Schutzhaft''. Die Gestapo verbrachte sie von dort zunächst in das [[Gerichtsgefängnis|Norder Gerichtsgefängnis]] und anschließend nach Aurich, von wo sie beide wiederum in das KZ Esterwegen überstellt, aber später freigelassen wurden.<ref>Raim, Edith (2013): Justiz zwischen Diktatur und Demokratie, München, S. 675</ref> | ||
In der ''Reichspogromnacht'' vom 9. auf den 10. November 1938 war die Polizei, anders als die [[Feuerwehr Norden|Feuerwehr]], die ein Übergreifen der Flammen auf Gebäude im Umfeld der brennenden [[Synagoge]] verhindern sollte, hingegen wohl nicht unmittelbar beteiligt. Vielmehr führte sie Ermittlungen gegen die SA, die in der Pogromnacht die Häuser der im [[Schlachthof]] festgehaltenen Juden geplündert hatten. Der Kriminalbeamte Jäger fand heraus, dass die SA die gestohlenen Gegenstände in ihr ''Sturmlokal'', den [[Gasthof Zur Börse]], gebracht hatten. Jäger schrieb daraufhin an den verantwortlichen [[Lenhard Everwien|NSDAP-Kreisleiter Everwien]], der zwar zumindest die der [[Haus Samson|Familie Samson]] geraubten Gegenstände zurückführen ließ, die weiteren Ermittlungen aber dadurch behinderte, dass er anordnete, die weiteren Ermittlungen in die Zuständigkeit der NSDAP zu ziehen.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 307</ref> | |||
Mit dem einsetzenden [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] änderten sich nun auch die Dienstzeiten der Norder Polizei. War die Polizeiwache bis in die 1930er Jahre sonntäglich nicht besetzt, entwickelte sie sich ab den 1940er Jahren zu einer stetig besetzten Dienststelle, wohl auch, um die öffentliche Sicherheit in Ordnung nach Luftangriffen oder wegen der sich verschärfenden Sicherheitslage durch Versorgungsengpässe aufrecht zu erhalten. | Mit dem einsetzenden [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] änderten sich nun auch die Dienstzeiten der Norder Polizei. War die Polizeiwache bis in die 1930er Jahre sonntäglich nicht besetzt, entwickelte sie sich ab den 1940er Jahren zu einer stetig besetzten Dienststelle, wohl auch, um die öffentliche Sicherheit in Ordnung nach Luftangriffen oder wegen der sich verschärfenden Sicherheitslage durch Versorgungsengpässe aufrecht zu erhalten. | ||