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=== Niedergang ===
=== Niedergang ===
Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte der Hafen eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche Blüte der Stadt, noch 1817 liefen jährlich über 80 Schiffe ein und aus, 1862 sogar 559.<ref name=":0" /> 1900 waren es nur 172.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> 1911 liefen bereits wieder 278 Schiffe ein und 279 aus.<ref name=":6" /> Durch zunehmende Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] infolge natürlicher Verschlickung sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert jedoch schließlich zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Der Niedergang vollzog sich langsam, war aber schon früh abzusehen. Bereits 1840 waren nur noch 12 seetüchtige Segelschiffe in Norden beheimatet. Nachfolgend wurden diese durch Dampfschiffe verdrängt. Die alte Kajung wurde letztmalig 1894 ausgebessert und 1933 bis 1934 durch die Anlage einer Eisenspundwand erneuert. Zugleich wurde die Wand tiefergelegt als die alte Hafenmauer, da der Hafen nun nicht mehr den unregulierten Fluten der Nordsee ausgesetzt war.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref>  
Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte der Hafen eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche Blüte der Stadt, noch 1817 liefen jährlich über 80 Schiffe ein und aus, 1862 sogar 559.<ref name=":0" /> 1900 waren es nur 172.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> 1911 liefen bereits wieder 278 Schiffe ein und 279 aus.<ref name=":6" /> Durch zunehmende Verlandung des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] infolge natürlicher Verschlickung sowie zahlreicher [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] rund um die [[Leybucht]] entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert jedoch schließlich zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Der Niedergang vollzog sich langsam, war aber schon früh abzusehen. Bereits 1840 waren nur noch 12 seetüchtige Segelschiffe in Norden beheimatet. Nachfolgend wurden diese durch Dampfschiffe verdrängt. Die alte Kajung wurde letztmalig 1894 ausgebessert und 1933 bis 1934 durch die Anlage einer Eisenspundwand erneuert. Zugleich wurde die Wand tiefergelegt als die alte Hafenmauer, da der Hafen nun nicht mehr den unregulierten Fluten der Nordsee ausgesetzt war.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref> Dass der Norder Hafen wegen der Verschlickung nicht mehr zu retten war, erkannte auch die königliche Regierung in Hannover, an die sich die Stadt Anfang 1897 mit der Bitte um finanzielle Unterstützung beim Ausbaggern des Tiefs gewandt hatte. Vielmehr legte man der Stadt nahe, den Hafenbetrieb nach [[Norddeich]] zu verlegen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 273f.</ref>  


Mit dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahr 1929 verlor der Hafen endgültig seine Bedeutung als Seehafen, da der Zugang zum Meer nun durch diese Schleuse unmittelbar eingeschränkt war und diese nur von kleinen Schiffen passiert werden kann. Auch das Zollhaus verlor seine Bedeutung als solches und wurde bis zu ihrer Restaurierung um die Jahrtausendwende dem Verfall überlassen. Die letzte Flut lief am 25. Juli 1929 im Norder Hafen ein, das letzte größere Schiff, der Dreimastschoner ''Antje'' verließ den Norder Hafen im Jahre 1932.<ref name=":1" /><ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 25</ref> Im selben Jahr wurde das sogenannte [[Zweites Siel|Zweite Siel]] abgerissen.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert, Manuskript</ref> Nur noch der steinerne Oberbau blieb erhalten.
Mit dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] im Jahr 1929 verlor der Hafen endgültig seine Bedeutung als Seehafen, da der Zugang zum Meer nun durch diese Schleuse unmittelbar eingeschränkt war und diese nur von kleinen Schiffen passiert werden kann. Auch das Zollhaus verlor seine Bedeutung als solches und wurde bis zu ihrer Restaurierung um die Jahrtausendwende dem Verfall überlassen. Die letzte Flut lief am 25. Juli 1929 im Norder Hafen ein, das letzte größere Schiff, der Dreimastschoner ''Antje'' verließ den Norder Hafen im Jahre 1932.<ref name=":1" /><ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 25</ref> Im selben Jahr wurde das sogenannte [[Zweites Siel|Zweite Siel]] abgerissen.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert, Manuskript</ref> Nur noch der steinerne Oberbau blieb erhalten.
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=== Gegenwart ===
=== Gegenwart ===
Mit der Eingemeindung von [[Norddeich]], damals noch Teil der selbstständigen Landgemeinde [[Lintelermarsch]], gelangte Norden wieder in den Besitz eines Seehafens. Bis heute ist der [[Norddeicher Hafen|Hafen von Norddeich]] der einzige Seehafen der Stadt und als solcher einer der größten Personenhäfen Deutschlands sowie der größte in Niedersachsen.
Mit der Eingemeindung von [[Norddeich]], damals noch Teil der selbstständigen Landgemeinde [[Lintelermarsch]], gelangte Norden wieder in den Besitz eines Seehafens. Bis heute ist der [[Norddeicher Hafen|Hafen von Norddeich]] der einzige Seehafen der Stadt und als solcher einer der größten Personenhäfen Deutschlands sowie der größte in Niedersachsen. Der alte Norder Hafen verkümmerte weiter, bis er schließlich von Spätherbst 1994 bis Sommer 1995 einer Erneuerung unterzogen wurde. Im Juli des Jahres weihte Bürgermeister [[Fritz Fuchs]] den neuen Hafen ein. Die Kosten der Baumaßnahmen beliefen sich auf 1,5 Millionen DM.


Im Herbst 2008 wurde eine neue Steganlage eingerichtet, in 2009 folgte die Reparatur des alten Signalmastes, an dem seitdem wieder die alte Norder Hafenflagge weht. Heute legen nur noch kleine Schiffe und Boote am Hafen an, die vorwiegend der Freizeitaktivität, vereinzelt aber auch für Rundfahrten genutzt werden.
Im Herbst 2008 wurde eine neue Steganlage eingerichtet, in 2009 folgte die Reparatur des alten Signalmastes, an dem seitdem wieder die alte Norder Hafenflagge weht. Heute legen nur noch kleine Schiffe und Boote am Hafen an, die vorwiegend der Freizeitaktivität, vereinzelt aber auch für Rundfahrten genutzt werden.