Entwässerungsverband Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Doornkaatlohne 19 - 21052006.jpg|links|mini|255x255px|Der Hauptsitz der [[Deichacht Norden]] und des Entwässerungsverband, aufgenommen am 21. Mai 2006.]] | [[Datei:Doornkaatlohne 19 - 21052006.jpg|links|mini|255x255px|Der Hauptsitz der [[Deichacht Norden]] und des Entwässerungsverband, aufgenommen am 21. Mai 2006.]] | ||
Das Deich- und Sielwesen hängen an der deutschen Nordseeküste unmittelbar miteinander zusammen: Als man vor gut 1000 Jahren mit dem Deichbau begann, musste auch die Binnen-Entwässerung anders gelöst werden, denn der Deich sperrte nicht nur das Nordseewasser aus, sondern auch das Binnen-Wasser ein. Deshalb befinden sich seit damals in allen Hauptdeichen Siele. Die ursprünglichen Siele hatten zur Nordsee gewandte Holztore, die sich jedes Mal bei Ebbe öffneten, wenn der Nordsee-Wasserstand niedriger war als der Binnen-Wasserstand allein durch den Druck des Wassers. Umgekehrt schlossen sich die Tore, wenn das Nordseewasser bei Flut wieder höher anstieg als das Binnenwasser. Heute werden Siele mechanisch geöffnet und geschlossen. | Das Deich- und Sielwesen hängen an der deutschen Nordseeküste unmittelbar miteinander zusammen: Als man vor gut 1000 Jahren mit dem Deichbau begann, musste auch die Binnen-Entwässerung anders gelöst werden, denn der Deich sperrte nicht nur das Nordseewasser aus, sondern auch das Binnen-Wasser ein. Deshalb befinden sich seit damals in allen Hauptdeichen [[Siel|Siele]]. Die ursprünglichen Siele hatten zur Nordsee gewandte Holztore, die sich jedes Mal bei Ebbe öffneten, wenn der Nordsee-Wasserstand niedriger war als der Binnen-Wasserstand allein durch den Druck des Wassers. Umgekehrt schlossen sich die Tore, wenn das Nordseewasser bei Flut wieder höher anstieg als das Binnenwasser. Heute werden Siele mechanisch geöffnet und geschlossen. | ||
Vor der Gründung einer einheitlichen Sielacht hatte jedes Siel, wie auch jeder Deich ([[Deichacht Norden|Deichacht]]), seine eigene ''Sielacht'', die von einem oder mehreren [[Sielrichter|Sielrichtern]] beaufsichtigt wurden. | |||
Die letzte Nordseeflut erreichte im Juli 1929 den Norder Hafen. Anschließend waren alle Sielbauwerke zwischen Norden und Leybuchtsiel ebenso überflüssig wie die Deiche zu beiden Seiten des Norder Tiefs, das seitdem ein Binnengewässer ist. Die ausreichende Entwässerung des Norderlandes war aber nur bis in die 1950er Jahre durch das Leybuchtsiel zu gewährleisten, weil die Leybucht und damit auch der Rest vom Norder Außentief immer weiter verlandete. Der erneute Wassernotstand wurde mit dem Bau des Schöpfwerkes neben dem Siel behoben, das 1962 in Betrieb ging. Seitdem können bis zu 45 m³ Wasser pro Sekunde abgepumpt (=geschöpft) werden, sodass auch dann, wenn mehr Regen fällt als gesielt werden kann, die Binnenentwässerung für das 24.000 ha große Verbandsgebiet gewährleistet ist. | Die verheerenden Sturmfluten vergangener Jahrhunderte haben zunächst zu enormen Landverlusten geführt, so auch in der [[Leybucht]], die einst nicht nur bis Norden, sondern auch bis Marienhafe und tief in die Krummhörn reichte. In der Folgezeit kam es durch die natürliche Verlandung der Leybucht immer wieder zu verschlechtertem Wasserabfluss aus dem Binnenland. So diente die [[Liste der Eindeichungen|Eindeichung vieler Polder]] im Laufe der Jahrhunderte nicht nur den alleinigen Zweck der Landgewinnung, sondern jedes Mal auch der Verbesserung der Binnenentwässerung durch den Bau eines neuen Sieles am tieferen Watt. In den 1920er bis 1930er Jahren bestand im [[Norderland]] akuter Binnenwasser-Notstand, weil das damalige [[Norder Tief|Norder Außentief]], das bis zum [[Norder Hafen]] reichte, total verschlickt war und sich auch maschinell nicht mehr frei halten ließ. Daraufhin wurde die Eindeichung von [[Neuwesteel]] mit gleichzeitigem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] beschlossen. | ||
Die letzte (direkte) Nordseeflut erreichte im Juli 1929 den Norder Hafen. Anschließend waren alle Sielbauwerke zwischen Norden und Leybuchtsiel ebenso überflüssig wie die Deiche zu beiden Seiten des Norder Tiefs, das seitdem ein Binnengewässer ist. Die ausreichende Entwässerung des Norderlandes war aber nur bis in die 1950er Jahre durch das Leybuchtsiel zu gewährleisten, weil die Leybucht und damit auch der Rest vom Norder Außentief immer weiter verlandete. Der erneute Wassernotstand wurde mit dem Bau des Schöpfwerkes neben dem Siel behoben, das 1962 in Betrieb ging. Seitdem können bis zu 45 m³ Wasser pro Sekunde abgepumpt (=geschöpft) werden, sodass auch dann, wenn mehr Regen fällt als gesielt werden kann, die Binnenentwässerung für das 24.000 ha große Verbandsgebiet gewährleistet ist. | |||
Schon in den 1960er Jahren gab es erste Pläne zur vollständigen Eindeichung der Leybucht, wie üblich mit dem Bau eines neuen Siels am tiefen Watt. Dieser Plan war jedoch schon bald nicht mehr mit zunehmendem Umweltbewustsein zu vereinbaren. Weil die weiter fortschreitende natürliche Verlandung der Leybucht mit dem Norder und dem Greetsieler Außentief dazu führte, dass beide Sielstandorte kaum noch Sielmöglichkeiten hatten und fast ausschließlich pumpen mussten, galt es eine Alternative zu finden. Nach langem Hin und Her war die heutige Lösung das Ergebnis, womit gleich vier Probleme gelöst wurden: | Schon in den 1960er Jahren gab es erste Pläne zur vollständigen Eindeichung der Leybucht, wie üblich mit dem Bau eines neuen Siels am tiefen Watt. Dieser Plan war jedoch schon bald nicht mehr mit zunehmendem Umweltbewustsein zu vereinbaren. Weil die weiter fortschreitende natürliche Verlandung der Leybucht mit dem Norder und dem Greetsieler Außentief dazu führte, dass beide Sielstandorte kaum noch Sielmöglichkeiten hatten und fast ausschließlich pumpen mussten, galt es eine Alternative zu finden. Nach langem Hin und Her war die heutige Lösung das Ergebnis, womit gleich vier Probleme gelöst wurden: | ||
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== Aufgaben == | == Aufgaben == | ||
Zuständig ist der Entwässerungsverband hierbei vor allem für die sogenannten | Zuständig ist der Entwässerungsverband hierbei vor allem für die sogenannten ''Gewässer 2. Ordnung'', während die ''Gewässer 1. und 3. Ordnung'' vom Eigentümer unterhalten werden müssen. Gewässer 2. Ordnung sind in der Regel [[Schloot|Zugschloote]] und sonstige Gräben, die für die Entwässerung des Verbandsgebietes von hoher Bedeutung sind. Wichtige und große Gewässer wie das [[Norder Tief]] oder das [[Langhauser Tief]] zählen hierzu. | ||
In der Vergangenheit wurde dem Entwässerungsverband auch gemeinsam mit der Stadt Norden die Reinigung des [[Norder Hafen|Norder Hafenbeckens]] zuteil.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 76</ref> | In der Vergangenheit wurde dem Entwässerungsverband auch gemeinsam mit der [[Stadt Norden]] die Reinigung des [[Norder Hafen|Norder Hafenbeckens]] zuteil.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 76</ref> | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||