Norder Hafen: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
=== Vorgeschichte === | |||
Bereits vor den Entstehung eines ''richtigen'' Norder Hafens gab es vereinzelte Anlegestellen in und um Norden, insbesondere an [[Siel|Sielen]]. Diese wurden auch als ''Sielhafen'' bezeichnet.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 36</ref> Daneben hat es offenbar auch einen kleinen Hafen in der Nähe der [[Ennenburg]] gegeben, von wo aus die [[Attena]] die Piraterie unterstützten, weshalb ihre Burg 1408 von den Hamburgern zerstört wurde.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref> | |||
Insbesondere in den [[Marsch|Marschgebieten]] hatten die einzelnen Höfe ihre eigenen Anlegestellen, mit denen sie die Verbindung zu den anderen Höfen und Orten hielten. Seinerzeit gab es noch keine befestigten Straßen und bedingt durch den schweren Marschboden, den damals sehr hohen Grundwasserspiegel und unzureichende Entwässerungssysteme standen die Ländereien insbesondere in den Wintermonaten oftmals unter Wasser und waren damit unpassierbar. Die unzähligen Kanäle und Tiefs dienten somit nicht nur der Entwässerung, sondern auch als Wasser- und Handelsstraße, über die noch bis ins 19. Jahrhundert ein Großteil der von der Landwirtschaft erzeugten Waren ihren Weg zum [[Marktplatz]] fanden.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 37f.</ref> | |||
=== Beginn und Aufstieg === | === Beginn und Aufstieg === | ||
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Die Vergrößerung der Leybucht führte jedoch auch dazu, dass Norden, welches auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] liegt und dessen Kernstadt daher weitestgehend verschont blieb, nun über einen direkten Zugang zum Meer verfügte. Brachten die Fluten noch so viel Unheil mit sich, wussten die Norder die neuen Umstände zu ihrem Vorteil zu Nutzen und errichteten 1376 einen Seehafen an der südlichen Stadtgrenze, die sich damals noch in etwa in Höhe [[Am Alten Siel]] befand.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 17</ref> | Die Vergrößerung der Leybucht führte jedoch auch dazu, dass Norden, welches auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] liegt und dessen Kernstadt daher weitestgehend verschont blieb, nun über einen direkten Zugang zum Meer verfügte. Brachten die Fluten noch so viel Unheil mit sich, wussten die Norder die neuen Umstände zu ihrem Vorteil zu Nutzen und errichteten 1376 einen Seehafen an der südlichen Stadtgrenze, die sich damals noch in etwa in Höhe [[Am Alten Siel]] befand.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 17</ref> | ||
Möglich ist, dass Norden schon vor dem Bau eines ''richtigen'' Hafens einen regen Schiffshandel führte. In einer Urkunde vom 7. September 1310, unterzeichnet unter anderem von [[Hunno dictus Onnenga]], wird die Sicherheit des Schiffsverkehrs zwischen dem [[Norderland]] und der Stadt Bremen vertraglich geregelt.<ref>[http://www.cartago.nl/nl/oorkonde/oub0044.xml Digitalisierter Vertrag zwischen dem Norderland und Bremen], abgerufen am 30. März 2021</ref> Dieser Vertrag könnte sich jedoch auch darauf bezogen haben, die Piraterie zum Nachteil der Hanseatischen Schiffe zu unterbinden. Aber auch die Norder Schiffe wurden Opfer der Piraterie durch direkte oder indirekte Beteiligung mit der Stadt verfeindeter [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlinge]]. So wird im Jahre 1494 der Häuptling Edo Wiemken (Östringen, Rüstringen) von [[Edzard Cirksena|Graf Edzard]] vor einem Bremer Gericht verklagt, da dieser elf Norder Schiffe beschädigt hatte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 33</ref> Die Unterstützung der Piraterie durch die [[tom Brook]] führte gar zur Zerstörung der [[Ennenburg]] durch Soldaten der Hansestadt Hamburg.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref> | Möglich ist, dass Norden schon vor dem Bau eines ''richtigen'' Hafens einen regen Schiffshandel führte. In einer Urkunde vom 7. September 1310, unterzeichnet unter anderem von [[Hunno dictus Onnenga]], wird die Sicherheit des Schiffsverkehrs zwischen dem [[Norderland]] und der Stadt Bremen vertraglich geregelt.<ref>[http://www.cartago.nl/nl/oorkonde/oub0044.xml Digitalisierter Vertrag zwischen dem Norderland und Bremen], abgerufen am 30. März 2021</ref> Dieser Vertrag könnte sich jedoch auch darauf bezogen haben, die Piraterie zum Nachteil der Hanseatischen Schiffe zu unterbinden. Aber auch die Norder Schiffe wurden Opfer der Piraterie durch direkte oder indirekte Beteiligung mit der Stadt verfeindeter [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlinge]]. So wird im Jahre 1494 der Häuptling Edo Wiemken (Östringen, Rüstringen) von [[Edzard Cirksena|Graf Edzard]] vor einem Bremer Gericht verklagt, da dieser elf Norder Schiffe beschädigt hatte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 33</ref> Die Unterstützung der Piraterie durch die [[tom Brook]] führte gar zur Zerstörung der [[Ennenburg]] durch Soldaten der Hansestadt Hamburg.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref> Auch der [[Norder Vertrag]] von 1255 sowie weitere Verträge von 1269 und 1367 regelten Handelsbeziehungen zwischen Norden und Bremen. Vor allem versprachen die Verträge den Händlern freies Geleit und Schutz vor Piraterie.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 32f.</ref> | ||
Die Norder schafften es relativ schnell, ihre Randlage für den Aufbau einer Handelsflotte zu nutzen und da ihnen ein unwegsames Hochmoor die Verbindung mit dem Hinterland im Süden stark erschwerte und kein Fluss ihnen die binnenländischen Gebiete öffnete, versuchten sie erfolgreich den Seehandel bis nach Lübeck, Geldern und Flandern.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 44</ref> Später kamen noch weiter entfernte Ziele wie Riga (Lettland), Nowgorod (Russland) und Danzig (Westpreußen, seit 1945 zu Polen) hinzu.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> Regelmäßige Verbindungen bestanden nach Amsterdam, Groningen, Hamburg und Bremen.<ref name=":6">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 16</ref> Schon bald verlieh die Landesherrschaft der Stadt eine eigene Handelsflagge, unter der die Schiffe andere Häfen ansteuerten. Als Schiffseigentümer traten vor allem weltliche, aber auch kirchliche Herren in Erscheinung, so etwa der Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]].<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> | Die Norder schafften es relativ schnell, ihre Randlage für den Aufbau einer Handelsflotte zu nutzen und da ihnen ein unwegsames Hochmoor die Verbindung mit dem Hinterland im Süden stark erschwerte und kein Fluss ihnen die binnenländischen Gebiete öffnete, versuchten sie erfolgreich den Seehandel bis nach Lübeck, Geldern und Flandern.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 44</ref> Später kamen noch weiter entfernte Ziele wie Riga (Lettland), Nowgorod (Russland) und Danzig (Westpreußen, seit 1945 zu Polen) hinzu.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> Regelmäßige Verbindungen bestanden nach Amsterdam, Groningen, Hamburg und Bremen.<ref name=":6">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 16</ref> Schon bald verlieh die Landesherrschaft der Stadt eine eigene Handelsflagge, unter der die Schiffe andere Häfen ansteuerten. Als Schiffseigentümer traten vor allem weltliche, aber auch kirchliche Herren in Erscheinung, so etwa der Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]].<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> | ||