Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 34: Zeile 34:
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Das Grundstück des heutigen Rathauses war Standort eines bereits im 16. Jahrhundert erwähnten Gebäudes.<ref name=":0" /><ref name=":3" /> Bereits um 1750 war das Gebäude im Besitz der bekannten Familie Fridag, zuletzt soll hier die als ''[[Madame Fridag]]'' bekannte ''Anna Julia Agathe Fridag, geb. Hüllesheim'' gewohnt haben. Laut Vertrag vom 22. November 1783 wurden Grundstück und Gebäude für 2.750 Reichstaler in Gold an den Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] veräußert.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 136</ref> 1778 kam hier [[Antje ten Doornkaat Koolman (1778)|Antje ten Doornkaat Koolman, geb. Cremer]] zur Welt.<ref>[http://www.familie-herlyn.de/webtrees/individual.php?pid=I10505&ged=familie_herlyn.ged Stammbaum der Familie Herlyn], abgerufen am 22. März 2021</ref><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/DoornkaatKoolman_Jan_I.pdf Biographie des Jan ten Doornkaat Koolman] in der der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref>
Das Grundstück des heutigen Rathauses war Standort eines bereits im 16. Jahrhundert erwähnten Gebäudes.<ref name=":0" /><ref name=":3" /> Bereits um 1750 war das Gebäude im Besitz der bekannten Familie Fridag, zuletzt soll hier nach Angaben von [[Gerhard Canzler]] die als ''[[Madame Fridag]]'' bekannte ''Anna Julia Agathe Fridag, geb. Hüllesheim'' gewohnt haben. Da diese jedoch erst 1803 geboren ist, kommen hier eher ihre Eltern oder Großeltern in Betracht.<ref name=":4" />


Nach dessen Tod im Jahre 1810 ging das das Anwesen in den Besitz seines Sohnes [[Sicco Doden Cremer]] über, der es um 1852 an seinen Schwiegersohn, den mennonitischen Prediger [[Laurenz van Hülst]], vermachte.<ref name=":0">Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 72ff.</ref><ref name=":3">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 2</ref><ref name=":4" /> Dieser ließ den vorhandenen Bau im Jahre 1855 abbrechen und an gleicher Stelle den bis heute erhaltenen Bau als Wohnhaus für sich errichten. Nach dem Tode des Vaters ging das Wohnhaus zunächst in den Besitz von van Hülst's Ehefrau, [[Peta van Hülst]], geb Cremer. Nach ihrem Tod im Jahre 1874 erbte ihr gemeinsamer Sohn [[Sicco Theodor van Hülst]] den prachtvollen Bau.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref>
Laut Vertrag vom 22. November 1783 wurden Grundstück und Gebäude für 2.750 Reichstaler in Gold an den Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] veräußert.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 136</ref> 1778 kam hier [[Antje ten Doornkaat Koolman (1778)|Antje ten Doornkaat Koolman, geb. Cremer]] zur Welt.<ref>[http://www.familie-herlyn.de/webtrees/individual.php?pid=I10505&ged=familie_herlyn.ged Stammbaum der Familie Herlyn], abgerufen am 22. März 2021</ref><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/DoornkaatKoolman_Jan_I.pdf Biographie des Jan ten Doornkaat Koolman] in der der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Nach dessen Tod im Jahre 1810 ging das das Anwesen in den Besitz seines Sohnes [[Sicco Doden Cremer]] über, der es um 1852 an seinen Schwiegersohn, den mennonitischen Prediger [[Laurenz van Hülst]], vermachte.<ref name=":0">Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 72ff.</ref><ref name=":3">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 2</ref><ref name=":4" /> Dieser ließ den vorhandenen Bau im Jahre 1855 abbrechen und an gleicher Stelle den bis heute erhaltenen Bau als Wohnhaus für sich errichten. Nach dem Tode des Vaters ging das Wohnhaus zunächst in den Besitz von van Hülst's Ehefrau, [[Peta van Hülst|Peta van Hülst, geb. Cremer]]. Nach ihrem Tod im Jahre 1874 erbte ihr gemeinsamer Sohn [[Sicco Theodor van Hülst]] Haus und Grund.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref>


Das Gebäude umfasste eine Vielzahl an großzügigen Räumen, die teilweise Namen hatten. So wurde das südliche Zimmer, das zum Garten zeigte, ''Gartenzimmer'' genannt. Den Arbeitsbereich (heute wurde man wohl ''Büro'' sagen) umfasste ein südlich zum gepflasterten Hof gelegenes sowie das zum [[Marktplatz]] ausgerichtete Zimmer. Ein anderes, im hinteren Bereich gelegenes Zimmer wurde ''Fehnzimmer'' genannt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 51</ref> Cremer war zeitlebens auch Direktor der [[Norder Fehngesellschaft]] und erledigte die damit anfallenden Verwaltungsaufgaben wohl von hier aus.
Das Gebäude umfasste seinerzeit eine Vielzahl an großzügigen Räumen, die teilweise Namen hatten. So wurde das südliche Zimmer, das zum Garten zeigte, ''Gartenzimmer'' genannt. Den Arbeitsbereich (heute wurde man wohl ''Büro'' sagen) umfasste ein südlich zum gepflasterten Hof gelegenes sowie das zum [[Marktplatz]] ausgerichtete Zimmer. Ein anderes, im hinteren Bereich gelegenes Zimmer wurde ''Fehnzimmer'' genannt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 51</ref> Cremer war zeitlebens (auch) Direktor der [[Norder Fehngesellschaft]] und erledigte die damit anfallenden Verwaltungsaufgaben wohl von hier aus.


Nachdem er das Gebäude einige Zeit selbst als Wohnhaus nutzte, vermachte er es im Jahre 1880 für 50.000 Mark an die Stadt Norden, die zuvor dringend nach einem Ersatz für das zu klein gewordene [[Altes Rathaus]] gesucht hatte, doch erst im Sommer 1884 erfolgte der Umzug der Stadtverwaltung. Am 23. September 1884 tagte der [[Magistrat]] dann erstmals im Neuen Rathaus.<ref name=":1" /> Später wurde das Gebäude um einen langgezogenen Bau nach Süden hin erweitert. Die Familie van Hülst errichte indes ein [[Haus van Hülst|neues Anwesen]] an der [[Doornkaatlohne]].
Nachdem er das Gebäude einige Zeit selbst als Wohnhaus nutzte, verkaufte er es im Jahre 1880 für 50.000 Mark an die [[Stadt Norden]], die zu diesem Zeitpunkt dringend nach einem Ersatz für das zu klein gewordene [[Altes Rathaus|Alte Rathaus]] gesucht hatte, doch erst im Sommer 1884 erfolgte der Umzug der Stadtverwaltung. Am 23. September 1884 tagte der [[Magistrat]] dann erstmals im neuen Rathaus.<ref name=":1" /> Später wurde das Gebäude um einen langgezogenen Bau nach Süden hin erweitert. Die Familie van Hülst errichte indes ein [[Haus van Hülst|neues Anwesen]] an der [[Doornkaatlohne]].


Mit dem Haupthaus erwarb die Stadt zugleich die dritte (rechte) der [[Drei Schwestern]]. Der hintere, untere Teile wurde der Polizei als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref>Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37ff.</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden zudem ab etwa 1886 als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt.<ref>Archivunterlagen der Feuerwehr Norden</ref> Der rechte Bau (mit der Hausnummer 14) wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Das Gebäude bzw. seine Fassade nebst Giebel wurde erst im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref name=":0" />
Mit dem Haupthaus erwarb die Stadt zugleich die dritte (rechte) der [[Drei Schwestern]]. Der hintere, untere Teile wurde der Polizei als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref>Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37ff.</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden zudem ab etwa 1886 als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt.<ref>Archivunterlagen der Feuerwehr Norden</ref> Der rechte Bau (mit der Hausnummer 14) wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Das Gebäude bzw. seine Fassade nebst Giebel wurde erst im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref name=":0" />


Erstmalig, um ihre Macht auch in Norden für jedermann sichtbar zu demonstrieren, hissten die Nationalsozialisten die Hakenkreuzfahne am Vormittag des 6. März am Rathaus. Das gleiche Zeremoniell vollzogen sie anschließend am [[Fräuleinshof]], dem Sitz des [[Landkreis Norden]].<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt, ist doch Montagvormittags seit jeher stets auch [[Wochenmarkt]].
Erstmalig, um ihre Macht auch in Norden für jedermann sichtbar zu demonstrieren, hissten die Nationalsozialisten die Hakenkreuzfahne am Vormittag des 6. März 1933 am Rathaus. Das gleiche Zeremoniell vollzogen sie anschließend am [[Fräuleinshof]], dem Sitz des [[Landkreis Norden]].<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt, ist doch Montagvormittags seit jeher stets auch [[Wochenmarkt]].


Im Februar 1945 verfügte der Bremer Reichsverteidigungskommissar die Schließung aller Schulen im Weser-Ems-Gebiet. Im Zuge dieser Anordnung schloss auch das [[Ulrichsgymnasium]] seine Pforten auf unbestimmte Zeit. Die Kohlenvorräte wurden konfisziert und in den Klassenräumen ein Marinelazarett eingerichtet. Für die Schüler der Klasse 6 fand der Unterricht im Sitzungssaal des Rathauses statt.<ref>Kaszemek, Hildegard (1967): Das Ulrichsgymnasium Norden von Ostern 1939 bis 1. Mai 1945. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 36f.</ref> Am späten Nachmittag des 4. Mai 1945 erscheinen plötzlich deutsche Fallschirmjäger vor dem Rathaus und sprengen den Fahnenmast, nachdem kapitulationswillige Bürger hier eine weiße Fahne gehisst hatten. Noch am gleichen Tag wird Norden jedoch zur ''offenen Stadt'' erklärt und den Alliierten kampflos übergeben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 43</ref>
Im Februar 1945 verfügte der Bremer Reichsverteidigungskommissar die Schließung aller Schulen im Weser-Ems-Gebiet. Im Zuge dieser Anordnung schloss auch das [[Ulrichsgymnasium]] seine Pforten auf unbestimmte Zeit. Die Kohlenvorräte wurden konfisziert und in den Klassenräumen ein Marinelazarett eingerichtet. Für die Schüler der Klasse 6 fand der Unterricht deshalb im Sitzungssaal des Rathauses statt.<ref>Kaszemek, Hildegard (1967): Das Ulrichsgymnasium Norden von Ostern 1939 bis 1. Mai 1945. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 36f.</ref>  
 
Am späten Nachmittag des 4. Mai 1945 erschienen plötzlich deutsche Fallschirmjäger vor dem Rathaus und sprengten den Fahnenmast, nachdem kapitulationswillige Bürger hier eine weiße Fahne gehisst hatten. Noch am gleichen Tag wird Norden jedoch zur ''offenen Stadt'' erklärt und den Alliierten kampflos übergeben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 43</ref>


Der noch mindestens in die 1950er Jahre bestehende, das Gebäude schmuckvoll umrahmende Gärtchen mit Metallzaun wurde später entfernt.<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 10</ref>
Der noch mindestens in die 1950er Jahre bestehende, das Gebäude schmuckvoll umrahmende Gärtchen mit Metallzaun wurde später entfernt.<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 10</ref>