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==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei:Siegel Kfz Landkreis Norden 10032021 01.jpg|links|mini|Amtliches Kennzeichensiegel des ehemaligen Landkreis Norden.|260x260px]]
1867 wurde das Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland bis dahin gehörte, von Preußen annektiert und zu einer Provinz im Königreich Preußen. 1885 bildeten die Preußen schließlich aus dem [[Amt Norden]] und der [[Stadt Norden]] den Landkreis Norden.<ref>[https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN635969076&PHYSID=PHYS_0050 Kreisordnung für die Provinz Hannover] von 1884, abgerufen am 18. Mai 2021</ref>
1867 wurde das Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland bis dahin gehörte, von Preußen annektiert und zu einer Provinz im Königreich Preußen. 1885 bildeten die Preußen schließlich aus dem [[Amt Norden]] und der [[Stadt Norden]] den Landkreis Norden.<ref>[https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN635969076&PHYSID=PHYS_0050 Kreisordnung für die Provinz Hannover] von 1884, abgerufen am 18. Mai 2021</ref>


Zum Landkreis Norden gehörten zunächst die Städte Norden (Kreissitz) und Norderney sowie die (Insel-)Gemeinden Juist und Baltrum. Ferner umfasste der Landkreis die Gebiete der heutigen Gemeinden Brookmerland, Hage, Großheide und Dornum. Diese Gemeinden bilden das historische [[Norderland]]. Mit der Auflösung des Landkreis Emden im Jahr 1932 kamen die Gebiete der heutigen Gemeinden Hinte und Krummhörn sowie die Gemeinden Larrelt, Harsweg, Logumer Vorwerk, Twixlum, Uphusen und Wybelsum zum Kreisgebiet. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurden die Gemeinden Larrelt und Harsweg vom Landkreis Norden an die nun kreisfreie Stadt Emden abgegeben, 1946 auch die Gemeinde Uphusen.
Zum Landkreis Norden gehörten zunächst die Städte Norden (Kreissitz) und Norderney sowie die (Insel-)Gemeinden Juist und Baltrum. Ferner umfasste der Landkreis die Gebiete der heutigen Gemeinden Brookmerland, Hage, Großheide und Dornum. Diese Gemeinden bilden das historische [[Norderland]]. Mit der Auflösung des Landkreis Emden im Jahr 1932 kamen die Gebiete der heutigen Gemeinden Hinte und Krummhörn sowie die Gemeinden Larrelt, Harsweg, Logumer Vorwerk, Twixlum, Uphusen und Wybelsum zum Kreisgebiet. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurden die Gemeinden Larrelt und Harsweg vom Landkreis Norden an die nun kreisfreie Stadt Emden abgegeben, 1946 auch die Gemeinde Uphusen.
 
[[Datei:Landkreis Norden Landstraßenwärter 1934 01.jpg|links|mini|Straßenwärter des Landkreises Norden (1934).]]
Die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] war von großer wirtschaftlicher Not und einem Mangel an Wohnraum geprägt. Das eher dünn besiedelte Kreisgebiet bot durch die vielen Flüchtlingen (8.000) sowie versprengte Soldaten (80.000) plötzlich einer mehr als doppelt so hohen Zahl an Menschen wie eigentlichen Einwohnern (64.000) eine neue (provisorische) Heimat.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref> In den Folgemonaten kamen abertausende weitere Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hinzu. Trotz des enormen Umfangs anzustehender Aufgaben entließen die Briten 43 Beamten - und damit einen Großteil des Verwaltungsapparates - wegen ihrer (ehemaligen) Mitgliedschaft in der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|NSDAP]].<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 100</ref>
Die Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] war von großer wirtschaftlicher Not und einem Mangel an Wohnraum geprägt. Das eher dünn besiedelte Kreisgebiet bot durch die vielen Flüchtlingen (8.000) sowie versprengte Soldaten (80.000) plötzlich einer mehr als doppelt so hohen Zahl an Menschen wie eigentlichen Einwohnern (64.000) eine neue (provisorische) Heimat.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref> In den Folgemonaten kamen abertausende weitere Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hinzu. Trotz des enormen Umfangs anzustehender Aufgaben entließen die Briten 43 Beamten - und damit einen Großteil des Verwaltungsapparates - wegen ihrer (ehemaligen) Mitgliedschaft in der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|NSDAP]].<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 100</ref>


Die britische Militärregierung wurde im Kreis Norden durch Oberstleutnant (''Lieutenant Colonel'') W. G. Mackay vertreten. Die Briten hatten fortan die faktische Befehlsgewalt über die gesamte Verwaltung und die Bevölkerung. Der neue, von den Briten mit 46 (deutschen) Mitgliedern ihrer Wahl besetzte Kreistag kam erstmalig im Februar 1946 zusammen. Er bestand aus vier Hausfrauen, fünf Beamten, acht Arbeitnehmern, acht Landwirten, fünf Kaufmännern und Gewerbetreibenden, sieben Angehörigen geistiger Berufe sowie 17 Arbeitnehmern.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 101</ref> Wegen der von ihnen verordneten Besetzung des Kreistags hatten die Briten natürlich deutlichen Einfluss auf die Wahl von Reedereibesitzer [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] zum [[Landrat]]. Da die ersten freien Kreistagswahlen im Oktober 1946 jedoch zugunsten der SPD ausfielen. blieb Stegmann nur kurzfristig im Amt und musste seinen Posten daraufhin für [[Georg Peters]] räumen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 54</ref> Im Juni 1947 übergaben die Briten den Großteil der politischen Kontrolle und Verantwortung zurück an die ostfriesischen Stellen, behielten sich jedoch weiterhin ein nicht unerhebliches Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45</ref>
Die britische Militärregierung wurde im Kreis Norden durch Oberstleutnant (''Lieutenant Colonel'') W. G. Mackay vertreten. Die Briten hatten fortan die faktische Befehlsgewalt über die gesamte Verwaltung und die Bevölkerung. Der neue, von den Briten mit 46 (deutschen) Mitgliedern ihrer Wahl besetzte Kreistag kam erstmalig im Februar 1946 zusammen. Er bestand aus vier Hausfrauen, fünf Beamten, acht Arbeitnehmern, acht Landwirten, fünf Kaufmännern und Gewerbetreibenden, sieben Angehörigen geistiger Berufe sowie 17 Arbeitnehmern.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 101</ref> Wegen der von ihnen verordneten Besetzung des Kreistags hatten die Briten natürlich deutlichen Einfluss auf die Wahl von Reedereibesitzer [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] zum [[Landrat]]. Da die ersten freien Kreistagswahlen im Oktober 1946 jedoch zugunsten der SPD ausfielen. blieb Stegmann nur kurzfristig im Amt und musste seinen Posten daraufhin für [[Georg Peters]] räumen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 54</ref> Im Juni 1947 übergaben die Briten den Großteil der politischen Kontrolle und Verantwortung zurück an die ostfriesischen Stellen, behielten sich jedoch weiterhin ein nicht unerhebliches Veto-Recht in wichtigen Angelegenheiten vor.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45</ref>
 
[[Datei:Fräuleinshof Landratsamt um 1960 01.jpg|mini|Das Landratsamt am [[Fräuleinshof]].]]
Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref>
Im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 kamen auch Twixlum, Wybelsum und Logumer Vorwerk zu Emden, dafür aber die bis dahin zum Landkreis Wittmund gehörenden Gemeinden Roggenstede, Westeraccum, Westeraccumersiel und Westerbur zum Landkreis Norden. Die genannten Orte wurden in die Gemeinden Dornum und Dornumersiel eingegliedert. Insgesamt wurde durch die Kommunalreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von 70 im Jahre 1971 auf zuletzt 21 verringert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden – Norden – Aurich – Wittmund</ref>