Drei Schwestern: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das Ensemble besteht aus drei giebelständigen Backsteinbauten, die im 16. und 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance erbaut wurden. Das Gebäude mit der Hausnummer 12 entstand um 1570, das mittlere und das rechte um 1630.<ref>[https://web.archive.org/web/20160316100916/https://www.norden.de/showobject.phtml?La=1&object=tx%7C1652.583.1&sub=0 Rund um den Marktplatz] auf Norden.de, abgerufen am 9. April 2021</ref> Über die Erbauer ist nichts bekannt, aufgrund der Bauweise (siehe Beschreibung) ist jedoch anzunehmen, dass niederländische Kaufleute die Bauten errichtet haben oder sich die Erbauer zumindest an den für diese Zeit typischen | Das Ensemble besteht aus drei giebelständigen Backsteinbauten, die im 16. und 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance erbaut wurden. Das Gebäude mit der Hausnummer 12 entstand um 1570, das mittlere und das rechte um 1630.<ref>[https://web.archive.org/web/20160316100916/https://www.norden.de/showobject.phtml?La=1&object=tx%7C1652.583.1&sub=0 Rund um den Marktplatz] auf Norden.de, abgerufen am 9. April 2021</ref> Über die Erbauer ist nichts bekannt, aufgrund der Bauweise (siehe Beschreibung) ist jedoch anzunehmen, dass niederländische Kaufleute die Bauten errichtet haben oder sich die Erbauer zumindest an den für diese Zeit typischen Gebäude im Stile der ''niederländischen Renaissance'' orientierten. | ||
Im Allgemeinen ist der Aufbau der drei Häuser gleich, sie bestehen (oder vielmehr bestanden) im Erdgeschoss aus einer Diele, einer Stube sowie ein Zimmer mit angrenzendem Küchenraum. Im Obergeschoss befinden (befanden) sich zwei weitere Zimmer. Das Dachgeschoss bestand aus einer weiteren Kammer, die als Lagerraum diente. Die Waren wurden dort mittels Lastenkran nach oben gehoben und dort gelagert, was seinerzeit üblich war. Eine noch hinter der Ersten Schwester befindliche, kleine Scheune aus dem Jahre 1805 weist darauf hin, dass die Bewohner sich selbst durch die Haltung von Tieren versorgten. Auch teilten sich die Bewohner der Drei Schwestern einen hinter der Ersten Schwester befindlichen Brunnen und unterhielten ihn gemeinsam.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> | Im Allgemeinen ist der Aufbau der drei Häuser gleich, sie bestehen (oder vielmehr bestanden) im Erdgeschoss aus einer Diele, einer Stube sowie ein Zimmer mit angrenzendem Küchenraum. Im Obergeschoss befinden (befanden) sich zwei weitere Zimmer. Das Dachgeschoss bestand aus einer weiteren Kammer, die als Lagerraum diente. Die Waren wurden dort mittels Lastenkran nach oben gehoben und dort gelagert, was seinerzeit üblich war. Eine noch hinter der Ersten Schwester befindliche, kleine Scheune aus dem Jahre 1805 weist darauf hin, dass die Bewohner sich selbst durch die Haltung von Tieren versorgten. Auch teilten sich die Bewohner der Drei Schwestern einen hinter der Ersten Schwester befindlichen Brunnen und unterhielten ihn gemeinsam.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> | ||
Die Bewohner der drei Schwestern waren vor allem Kaufleute und Handwerker. Anhand alter Verkaufsunterlagen lässt sich schließen, dass hier im Laufe der Jahre vor allem Schmiede, Klempner, Buchbinder, Tischer, Hutfabrikanten und ein Bäcker mitsamt seiner Bäckerei ansässig waren.<ref name=":2" /> | Die Bewohner der drei Schwestern waren vor allem Kaufleute und Handwerker. Anhand alter Verkaufsunterlagen lässt sich schließen, dass hier im Laufe der Jahre vor allem Schmiede, Klempner, Buchbinder, Tischer, Hutfabrikanten und ein Bäcker mitsamt seiner Bäckerei ansässig waren.<ref name=":2" /><ref name=":3">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 77</ref> | ||
Namentlich lassen sich die Bewohner der Dritten Schwester seit 1662 zurückverfolgen. 1815 erwarb [[Sicco Doden Cremer]] das Gebäude, dessen Vater [[Doede Lübberts Cremer]] bereits 1783 den benachbarten Bau erworben hatte, auf dessen Grund sein Schwiegersohn [[Laurenz van Hülst]] um 1855 jene Stadtvilla errichten ließ, in der sich bis heute das [[Rathaus]] befindet.<ref name=":2" /><ref name=":12">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Dritte Schwester diente dem Kutscher der Familie als Wohnsitz.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50</ref> | Namentlich lassen sich die Bewohner der Dritten Schwester seit 1662 zurückverfolgen. 1815 erwarb [[Sicco Doden Cremer]] das Gebäude, dessen Vater [[Doede Lübberts Cremer]] bereits 1783 den benachbarten Bau erworben hatte, auf dessen Grund sein Schwiegersohn [[Laurenz van Hülst]] um 1855 jene Stadtvilla errichten ließ, in der sich bis heute das [[Rathaus]] befindet.<ref name=":2" /><ref name=":12">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Dritte Schwester diente dem Kutscher der Familie als Wohnsitz.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50</ref> | ||
Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt | Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt auch die Dritte Schwester. Der hintere, untere Teile wurde der [[Polizei Norden|Polizei]] als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37-40</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden ab etwa 1886 auch als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt. Die übrigen Räume wurden vermietet. In einer dieser vermieteten Wohnungen lebte der Polizeisergeant Hinrich Bohlken mit seiner Familie, sein mittelbarer Nachbar war der Polizeisergeant Frank oder Fritz Leopold. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bezeichnung ''Sergeant'' der zweitunterste Dienstgrad. Er war Vorgesetzter der [[Polizeidiener|''Polizeidiener'']], stand jedoch noch unter den ''Wachtmeistern''.<ref name=":0" /> Bis zu ihrem Umzug im Oktober 1945 in den [[Engenahof]] blieb die Norder Polizei hier ansässig. | ||
Der rechte Bau (mit der Hausnummer 14) beherbergte ab 1948/1949 das ''Volksbildungswerk'' und wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Sein Giebel wurde im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 74</ref> Die Arbeiten wurden im September des Jahres abgeschlossen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> | Der rechte Bau (mit der Hausnummer 14) beherbergte ab 1948/1949 das ''Volksbildungswerk'' und wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Sein Giebel wurde im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 74</ref> Die Arbeiten wurden im September des Jahres abgeschlossen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> Die beiden anderen Schwestern sind originalgetreu erhalten, was in erster Linie seinen früheren Besitzer, dem Schlachtermeister Campen, zu verdanken ist.<ref name=":3" /> | ||
Heute werden die linke und mittlere Schwester für gewerbliche Zwecke genutzt. So befand sich in der linken beispielsweise seit 2003 der Fahradhandel ''De Fietsenmoaker'' (niederdeutsch für: ''Der Fahrradmacher''), der im Januar 2022 in das Haus [[Neuer Weg 73]] umzog. Die rechte Schwester beherbergte nach ihrem Wiederaufbau ursprünglich das städtische Fremdenverkehrsbüro, heute eine Hospizgruppe sowie eine Außenstelle der ''Ostfriesen Zeitung''. | Heute werden die linke und mittlere Schwester für gewerbliche Zwecke genutzt. So befand sich in der linken beispielsweise seit 2003 der Fahradhandel ''De Fietsenmoaker'' (niederdeutsch für: ''Der Fahrradmacher''), der im Januar 2022 in das Haus [[Neuer Weg 73]] umzog. Die rechte Schwester beherbergte nach ihrem Wiederaufbau ursprünglich das städtische Fremdenverkehrsbüro, heute eine Hospizgruppe sowie eine Außenstelle der ''Ostfriesen Zeitung''. | ||