Mennonitengemeinde Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Dass nicht nur die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]], sondern auch die Mennoniten immer wieder Ziel von Diskriminierung wurden, zeigen zahlreiche Beispiele. Als etwa 1660 mehrere Norder nach Upgant marschieren, um dort dem Grafen einen Empfang mit militärischen Ehren zu empfangen, waren kein Mennoniten anwesend, sodass die Menge eine Bestrafung dieser für ihren Ungehorsam forderten. Der [[Amtsverwalter]] sagte zu, die Gemeinde entsprechend zu bestrafen.<ref>Heise, Hans-Michael (1937): Die bewaffneten Ostfriesen in der Grafen- und Fürstenzeit, Aurich, S. 28</ref> | Dass nicht nur die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]], sondern auch die Mennoniten immer wieder Ziel von Diskriminierung wurden, zeigen zahlreiche Beispiele. Als etwa 1660 mehrere Norder nach Upgant marschieren, um dort dem Grafen einen Empfang mit militärischen Ehren zu empfangen, waren kein Mennoniten anwesend, sodass die Menge eine Bestrafung dieser für ihren Ungehorsam forderten. Der [[Amtsverwalter]] sagte zu, die Gemeinde entsprechend zu bestrafen.<ref>Heise, Hans-Michael (1937): Die bewaffneten Ostfriesen in der Grafen- und Fürstenzeit, Aurich, S. 28</ref> | ||
1795 kam die [[Mennonitenkirche]] in den Besitz der Gemeinde, die es - in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte - über den aus Neustadtgödens stammenden, gebürtigen Norder Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] erwarb.<ref>Clemens, Michael (2006): Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33</ref> 1811 gehörten der Gemeinde 174 Mitglieder an.<ref>Cremer, Ufke ( | 1795 kam die [[Mennonitenkirche]] in den Besitz der Gemeinde, die es - in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte - über den aus Neustadtgödens stammenden, gebürtigen Norder Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] erwarb.<ref>Clemens, Michael (2006): Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33</ref> 1811 gehörten der Gemeinde 174 Mitglieder an.<ref>Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14</ref> | ||
Die heutige Gemeinde erwuchs schließlich aus einem Zusammenschluss mit der ''Waterländer-'' und der ''Ukowallisten-Gemeinde'' zur ''Vereinigten Mennoniten-Gemeinde''.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Damit gehören sie neben den [[Ludgerigemeinde Norden|Norder Ludgerigemeinde]] und der [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|reformierten Gemeinde]] zu den ältesten evangelischen Gemeinden der Stadt und neben Emden und Leer gar zu den ältesten Mennonitengemeinden in Deutschland. Zugleich ist sie mit deutlicher weniger als 50 Mitgliedern die mit Abstand kleinste christliche Gemeinde, die zudem bundesweit verstreut wohnen. Mit den Gemeinden Emden, Leer-Oldenburg und Gronau bildet sie einen Zweckverband, der für die Finanzierung des gemeinsamen Pastors Sorge trägt. Daneben hat sich inzwischen eine Mennonitische Brüdergemeinde gebildet, die die Kirche ebenfalls nutzt. Gottesdienste finden an jedem Sonntag statt, einige davon – speziell für russlanddeutsche Gemeindemitglieder – in russischer Sprache.<ref>[https://www.mennoniten.de/gemeinden/vereinigung/norden/ Vorstellung der Norder Mennonitengemeinde], abgerufen am 23. März 2021</ref> | Die heutige Gemeinde erwuchs schließlich aus einem Zusammenschluss mit der ''Waterländer-'' und der ''Ukowallisten-Gemeinde'' zur ''Vereinigten Mennoniten-Gemeinde''.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Damit gehören sie neben den [[Ludgerigemeinde Norden|Norder Ludgerigemeinde]] und der [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|reformierten Gemeinde]] zu den ältesten evangelischen Gemeinden der Stadt und neben Emden und Leer gar zu den ältesten Mennonitengemeinden in Deutschland. Zugleich ist sie mit deutlicher weniger als 50 Mitgliedern die mit Abstand kleinste christliche Gemeinde, die zudem bundesweit verstreut wohnen. Mit den Gemeinden Emden, Leer-Oldenburg und Gronau bildet sie einen Zweckverband, der für die Finanzierung des gemeinsamen Pastors Sorge trägt. Daneben hat sich inzwischen eine Mennonitische Brüdergemeinde gebildet, die die Kirche ebenfalls nutzt. Gottesdienste finden an jedem Sonntag statt, einige davon – speziell für russlanddeutsche Gemeindemitglieder – in russischer Sprache.<ref>[https://www.mennoniten.de/gemeinden/vereinigung/norden/ Vorstellung der Norder Mennonitengemeinde], abgerufen am 23. März 2021</ref> | ||
Version vom 21. Dezember 2021, 10:33 Uhr
Mennonitengemeinde Norden | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | 1556 |
| Auflösung | - |
| Rechtsform | Religionsgemeinschaft |
| Hauptsitz | Am Markt 17
26506 Norden |
Die Mennonitengemeinde Norden gehört zu den älteren Glaubensgemeinschaften in Norden und existiert bereits seit 1556.
Geschichte
Im Wesentlichen stammen die ersten Mennoniten von niederländischen Glaubensflüchtlingen ab, die im Zuge der Reformation ab 1531 zunehmender Verfolgung in ihrem Heimatland ausgesetzt waren und in Norden zumindest geduldet wurden. Dies änderte sich lange Zeit nicht, doch 1645, während der Regierungszeit von Enno Ludwig Cirksena näherten sich die Mennoniten dem Landesherren an. Sie baten offiziell um Schutz und zahlten freiwillig eine Art Schutzgeld. 1657 sollen sie ihm gar den Hof Breepott in Ostermarsch vermacht haben.[1] Die ersten beiden Mennoniten lassen sich für das Jahr 1556 in Norden belegen.[2]
Dass nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die Mennoniten immer wieder Ziel von Diskriminierung wurden, zeigen zahlreiche Beispiele. Als etwa 1660 mehrere Norder nach Upgant marschieren, um dort dem Grafen einen Empfang mit militärischen Ehren zu empfangen, waren kein Mennoniten anwesend, sodass die Menge eine Bestrafung dieser für ihren Ungehorsam forderten. Der Amtsverwalter sagte zu, die Gemeinde entsprechend zu bestrafen.[3]
1795 kam die Mennonitenkirche in den Besitz der Gemeinde, die es - in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte - über den aus Neustadtgödens stammenden, gebürtigen Norder Kaufmann Doede Lübberts Cremer erwarb.[4] 1811 gehörten der Gemeinde 174 Mitglieder an.[5]
Die heutige Gemeinde erwuchs schließlich aus einem Zusammenschluss mit der Waterländer- und der Ukowallisten-Gemeinde zur Vereinigten Mennoniten-Gemeinde.[6] Damit gehören sie neben den Norder Ludgerigemeinde und der reformierten Gemeinde zu den ältesten evangelischen Gemeinden der Stadt und neben Emden und Leer gar zu den ältesten Mennonitengemeinden in Deutschland. Zugleich ist sie mit deutlicher weniger als 50 Mitgliedern die mit Abstand kleinste christliche Gemeinde, die zudem bundesweit verstreut wohnen. Mit den Gemeinden Emden, Leer-Oldenburg und Gronau bildet sie einen Zweckverband, der für die Finanzierung des gemeinsamen Pastors Sorge trägt. Daneben hat sich inzwischen eine Mennonitische Brüdergemeinde gebildet, die die Kirche ebenfalls nutzt. Gottesdienste finden an jedem Sonntag statt, einige davon – speziell für russlanddeutsche Gemeindemitglieder – in russischer Sprache.[7]
Die Mennonitengemeinde arbeitet intensiv mit dem ökumenischen Arbeitskreis des Synagogenwegs zusammen. Die Gemeinde bezeichnet sich selbst, was ihre theologische Position angeht, als liberal und hat ihren Sitz seit 1795 in dem ehemaligen Kettler'schen Haus am südlichen Marktplatz.[6]
Gemeindemitglieder
Zu den bekanntesten Mitgliedern der Mennonitengemeinde gehörte die Familie Doornkaat, sie brachte jedoch viele weitere, tüchtige Geschäftsleute wie beispielsweise Laurenz van Hülst hervor.
Einzelnachweise
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 70
- ↑ Geschichte der Ludgerigemeinde Norden, abgerufen am 31. Juli 2021
- ↑ Heise, Hans-Michael (1937): Die bewaffneten Ostfriesen in der Grafen- und Fürstenzeit, Aurich, S. 28
- ↑ Clemens, Michael (2006): Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33
- ↑ Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14
- ↑ 6,0 6,1 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81
- ↑ Vorstellung der Norder Mennonitengemeinde, abgerufen am 23. März 2021