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Zum 1. Oktober 1915 wurden durch die Stadt auch die Übergabestationen im Stadtgebiet und die Umspannwerke zum Anschluss an das ''Avacon''-Netz übernommen.<ref name=":4" /> Im Folgejahr gab es bereits 438 Anschlüsse, über die 4.420 Lampen und 25 Motoren gespeist wurden. Wegen des fortschreitenden Krieges verlangsamte sich der weitere Ausbau jedoch zunächst.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 4</ref>
Zum 1. Oktober 1915 wurden durch die Stadt auch die Übergabestationen im Stadtgebiet und die Umspannwerke zum Anschluss an das ''Avacon''-Netz übernommen.<ref name=":4" /> Im Folgejahr gab es bereits 438 Anschlüsse, über die 4.420 Lampen und 25 Motoren gespeist wurden. Wegen des fortschreitenden Krieges verlangsamte sich der weitere Ausbau jedoch zunächst.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 4</ref>


Nach dem Krieg verbesserte sich die Wirtschaftslage, abgesehen von der Inflation, langsam aber sicher. 1925 übernahmen die Stadtwerke die von der Firma ''Siemens'' errichteten Transformatoren.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> Am 1. Oktober 1943 erfolgte durch Übertragung der Verträge die Versorgung über die ''EWE''.<ref name=":0" />
Nach dem Krieg verbesserte sich die Wirtschaftslage, abgesehen von der Inflation, langsam aber sicher. 1925 übernahmen die Stadtwerke die von der Firma ''Siemens'' errichteten Transformatoren.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> Am 1. Oktober 1943 erfolgte durch Übertragung der Verträge die Versorgung über die ''EWE''.<ref name=":0" /> Zwischen 1950 und 1955 konnte die Spannung durch einen weitere Investitionen von 5 auf 20 Kilovolt umgestellt werden. Parallel dazu wurde das Netz weiter ausgebaut und auch die Norder Außenbezirke an das Stromnetz angeschlossen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 9</ref>


Das Stromnetz wurde kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1983 übernahmen die Stadtwerke die Konzession und das Stromnetz für bzw. in der [[Ostermarsch]] für 2,1 Millionen DM und begannen mit der Eigenproduktion von Strom. So wurde erstmals ein Blockheizkraftwerk errichtet. Mittlerweile betreiben die Stadtwerke elf Blockheizkraftwerke im gesamten Stadtgebiet, eins davon befindet sich im [[Ocean Wave]], ein weiteres im ehemaligen Kessel- und Maschinenraum der Firma [[Doornkaat]]. Am 2. Dezember 1987 wurde der erste unter dem Namen [[Nörder Windloopers]] bekannte Windpark am [[Fledderweg]] eröffnet. Gebaut wurden fünf Windkraftanlagen zu je 55 kW für rund 1,1 Millionen DM. Der Windpark wurde Anfang 2019 nach 31 Jahren abgebaut.<ref>[https://wind-turbine.com/magazin/innovationen-aktuelles/109386/windpark-aus-nach-31-jahren.html Bericht über die Schließung des Windparks vom 21. Januar 2019], abgerufen am 13. April 2021</ref> Seit 2003 existiert jedoch ein weiterer, durch die Stadtwerke betriebener Windpark am [[Marschweg]] in [[Ostermarsch]].<ref name=":1">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/umwelt.html Internetseite der Stadtwerke Norden (Abschnitt "Umwelt")], abgerufen am 14. April 2021</ref>
Das Stromnetz wurde kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1983 übernahmen die Stadtwerke die Konzession und das Stromnetz für bzw. in der [[Ostermarsch]] für 2,1 Millionen DM und begannen mit der Eigenproduktion von Strom. So wurde erstmals ein Blockheizkraftwerk errichtet. Mittlerweile betreiben die Stadtwerke elf Blockheizkraftwerke im gesamten Stadtgebiet, eins davon befindet sich im [[Ocean Wave]], ein weiteres im ehemaligen Kessel- und Maschinenraum der Firma [[Doornkaat]]. Am 2. Dezember 1987 wurde der erste unter dem Namen [[Nörder Windloopers]] bekannte Windpark am [[Fledderweg]] eröffnet. Gebaut wurden fünf Windkraftanlagen zu je 55 kW für rund 1,1 Millionen DM. Der Windpark wurde Anfang 2019 nach 31 Jahren abgebaut.<ref>[https://wind-turbine.com/magazin/innovationen-aktuelles/109386/windpark-aus-nach-31-jahren.html Bericht über die Schließung des Windparks vom 21. Januar 2019], abgerufen am 13. April 2021</ref> Seit 2003 existiert jedoch ein weiterer, durch die Stadtwerke betriebener Windpark am [[Marschweg]] in [[Ostermarsch]].<ref name=":1">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/umwelt.html Internetseite der Stadtwerke Norden (Abschnitt "Umwelt")], abgerufen am 14. April 2021</ref>
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Pläne für den Bau einer öffentlichen Wasserversorgung existierten seit 1905.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 294</ref> Erst am 30. Juni 1938 erfolgte jedoch der erste Spatenstich zum Bau eines Wasserwerks an der Hager Bahnhofstraße mit geplanten Kosten von 600.000 RM, verlegt wurden ca. 24 Kilometer Wasserrohre.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Am 2. August 1939 erfolgte die planmäßige Inbetriebnahme.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 34</ref> Zur gleichen Zeit wurde der [[Wasserturm]] in [[Westgaste]] erbaut. Bis zur Installation eines öffentlichen Wassernetzes bedienten sich die Norder am Regenwasser, das sie in Zisternen sammelten sowie an privaten und [[Marktplatz#Öffentliche Brunnen|öffentlichen Brunnen]]. Letztere wurden von den Anliegern unterhalten und betrieben und 1895 schließlich von der Stadt übernommen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 5</ref> Die Qualität des Wassers war gut und das Wasser weich genug, um hervorragenden Tee daraus zu kochen, sodass man sich bis dahin mit diesem Umstand begnügte. Auf Drängen der Wehrmacht, die in [[Tidofeld]] eine [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne]] errichtete und dies auch in Norden plante, wurde schließlich der Bau fokussiert. Ein weiterer Grund war die Hoffnung auf Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe, die die Stadt wegen der fehlenden Wasserversorgung mieden.<ref name=":2" /> Zudem kam es in den 1930er Jahren zu gehäuften Paratyphus-Fällen, deren Ursache vor allem in der fehlenden Hygiene bei der Wasserversorgung gesehen wurde.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 6</ref> Pläne, das Wasser vom Reichswasserverband zu beziehen, scheiterten, da alle finanziellen Mittel für die Aufrüstung benötigt wurden, sodass die Stadt das Projekt selbst in Angriff nahm.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 7</ref>
Pläne für den Bau einer öffentlichen Wasserversorgung existierten seit 1905.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 294</ref> Erst am 30. Juni 1938 erfolgte jedoch der erste Spatenstich zum Bau eines Wasserwerks an der Hager Bahnhofstraße mit geplanten Kosten von 600.000 RM, verlegt wurden ca. 24 Kilometer Wasserrohre.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Am 2. August 1939 erfolgte die planmäßige Inbetriebnahme.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 34</ref> Zur gleichen Zeit wurde der [[Wasserturm]] in [[Westgaste]] erbaut. Bis zur Installation eines öffentlichen Wassernetzes bedienten sich die Norder am Regenwasser, das sie in Zisternen sammelten sowie an privaten und [[Marktplatz#Öffentliche Brunnen|öffentlichen Brunnen]]. Letztere wurden von den Anliegern unterhalten und betrieben und 1895 schließlich von der Stadt übernommen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 5</ref> Die Qualität des Wassers war gut und das Wasser weich genug, um hervorragenden Tee daraus zu kochen, sodass man sich bis dahin mit diesem Umstand begnügte. Auf Drängen der Wehrmacht, die in [[Tidofeld]] eine [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne]] errichtete und dies auch in Norden plante, wurde schließlich der Bau fokussiert. Ein weiterer Grund war die Hoffnung auf Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe, die die Stadt wegen der fehlenden Wasserversorgung mieden.<ref name=":2" /> Zudem kam es in den 1930er Jahren zu gehäuften Paratyphus-Fällen, deren Ursache vor allem in der fehlenden Hygiene bei der Wasserversorgung gesehen wurde.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 6</ref> Pläne, das Wasser vom Reichswasserverband zu beziehen, scheiterten, da alle finanziellen Mittel für die Aufrüstung benötigt wurden, sodass die Stadt das Projekt selbst in Angriff nahm.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 7</ref>


Zu Beginn des Rohrleitungsbaus mussten viele Randgebiete der Stadt wegen Materialmangels noch ohne einen Anschluss an das Netz auskommen. Stattdessen richtete man 25 öffentliche ''Zapfstellen'' ein, an denen die Bewohner kostenlos Wasser beziehen konnten. 1964 hatte das Wassernetz bereits eine Länge von fast 83 Kilometern erreicht.<ref name=":2" /> Im Jahr 1969 musste das Wasserwerk in Hage durch die gestiegenen Abnahmemengen erweitert werden, im Jahr 1975 erfolgte ein Neubau des Wasserwerks am alten Standort. Dieser war Basis für die Übernahme der Wasserversorgung in Hage. Am 29. April 1976 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen Wasserwerks, am 10. Mai 1976 wurde der erste Konzessionsvertrag zwischen den Stadtwerken und der Samtgemeinde Hage zur Wasserversorgung geschlossen.<ref name=":0" />
Zu Beginn des Rohrleitungsbaus mussten viele Randgebiete der Stadt wegen Materialmangels noch ohne einen Anschluss an das Netz auskommen. Stattdessen richtete man 25 öffentliche ''Zapfstellen'' ein, an denen die Bewohner kostenlos Wasser beziehen konnten. Erst 1959 begann man, das Netz weiter auszubauen, da die knappen Haushaltsmittel bis dahin vorrangig für die Behebung von Kriegsschäden und den Wiederaufbau aufgewendet werden mussten.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 10</ref> 1964 hatte das Wassernetz dann allerdings bereits eine Länge von fast 83 Kilometern erreicht.<ref name=":2" /> Im Jahr 1969 musste das Wasserwerk in Hage durch die gestiegenen Abnahmemengen erweitert werden, im Jahr 1975 erfolgte ein Neubau des Wasserwerks am alten Standort. Dieser war Basis für die Übernahme der Wasserversorgung in Hage. Am 29. April 1976 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen Wasserwerks, am 10. Mai 1976 wurde der erste Konzessionsvertrag zwischen den Stadtwerken und der Samtgemeinde Hage zur Wasserversorgung geschlossen.<ref name=":0" />


==Fernwärme==
==Fernwärme==