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Die '''Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden GmbH''' ist ein kommunales Dienstleistungsunternehmen, deren Eigentümer bzw. einziger Gesellschafter die Stadt Norden ist. Zu den Unternehmensleistungen gehören als Grundversorger die Versorgung mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Mehrere Jahre wurde auch Fernwärme geliefert. Die Wirtschaftsbetriebe betreiben zudem die Bäder der Stadt Norden ([[Ocean Wave]] und [[Frisia Bad]]) und sind verantwortlich für den Tourismus. Sie haben ihren Sitz im [[Krankenhaus Norden|ehemaligen Norder Krankenhaus]] an der [[Feldstraße]].
Die '''Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden GmbH''' sind ein kommunales Dienstleistungsunternehmen, deren Eigentümer bzw. einziger Gesellschafter die [[Stadt Norden]] ist. Zu den Unternehmensleistungen gehören als Grundversorger die Versorgung mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Mehrere Jahre wurde auch Fernwärme geliefert. Die Wirtschaftsbetriebe betreiben zudem die Bäder der Stadt Norden ([[Ocean Wave]] und [[Frisia Bad]]) und sind verantwortlich für den Tourismus. Sie haben ihren Sitz im [[Krankenhaus Norden|ehemaligen Norder Krankenhaus]] an der [[Feldstraße]].
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==Geschichte==
==Geschichte==
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==Gasversorgung==
==Gasversorgung==
1896 wird das [[Gaswerk]] (auch ''Gasanstalt'' genannt) errichtet, das zunächst jedoch nur die [[Straßenbeleuchtung]] mit Stadtgas versorgte. Da die Nachfrage nach einer Gasversorgung für den privaten Haushalt immer weiter stieg, wurden das Gasnetz 1907 erweitert. Erst im Jahr 1967 begann die Erdgasversorgung in der Stadt, die das Stadtgas ablöste. An das ehemalige Gaswerk erinnert heute nur noch die danach benannte [[Gaswerkstraße]].<ref name=":0">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/ueber-uns/stadtwerke-als-modell.html#:~:text=1896%3A%20Die%20Norder%20Stra%C3%9Fenbeleuchtung%20wird,aus%20dem%20eigenen%20Gaswerk%20betrieben.&text=1967%3A%20Erdgasversorgung%20wird%20in%20Norden,Stadtwerke%20nun%20f%C3%BCr%20dessen%20Neubau. Geschichte der Stadtwerke Norden], abgerufen am 14. April 2021</ref>
1896 wurde das [[Gaswerk]] (auch ''Gasanstalt'' genannt) errichtet, das zunächst jedoch nur die [[Straßenbeleuchtung]] mit Stadtgas versorgte. Da die Nachfrage nach einer Gasversorgung für den privaten Haushalt immer weiter stieg, wurden das Gasnetz 1907 erweitert. Erst im Jahr 1967 begann die Erdgasversorgung in der Stadt, die das Stadtgas ablöste.<ref name=":0">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/ueber-uns/stadtwerke-als-modell.html#:~:text=1896%3A%20Die%20Norder%20Stra%C3%9Fenbeleuchtung%20wird,aus%20dem%20eigenen%20Gaswerk%20betrieben.&text=1967%3A%20Erdgasversorgung%20wird%20in%20Norden,Stadtwerke%20nun%20f%C3%BCr%20dessen%20Neubau. Geschichte der Stadtwerke Norden], abgerufen am 14. April 2021</ref> An das ehemalige Gaswerk erinnert heute nur noch die danach benannte [[Gaswerkstraße]], wobei sich das Werk selbst an der [[Schlachthausstraße]], gegenüber des [[Schlachthof|Schlachthofs]], befand.


2001 wird die Erdgastankstelle an der Landstraße in Lütetsburg errichtet, die sich unmittelbar an der Stadtgrenze zu Norden in [[Bargebur]], an der Schnittstelle zur [[Heerstraße]] befindet.
2001 wurde die Erdgastankstelle an der Landstraße in Lütetsburg errichtet, die sich unmittelbar an der Stadtgrenze zu Norden in [[Bargebur]], an der Schnittstelle zur [[Heerstraße]] befindet.


==Stromversorgung==
==Stromversorgung==
1913 trat die [[Stadt Norden]], einhergehend mit dem Bau des [[Krankenhaus Norden|Norder Krankenhauses]] in Verhandlungen mit der Firma ''Siemens'', die 1909 ein Torfkraftwerk in Wiesmoor errichtete hatte, um einen Anschluss an die Elektrizitätsversorgung zu erhalten.<ref name=":0" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 16</ref> Die Verhandlungen waren intensiv und langwierig, letzten Endes jedoch erfolgreich. Am 10. März 1914, gerade mal vier Monate vor Beginn des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]], erhielt Norden den Anschluss an das Stromnetz.<ref name=":0" /><ref name=":3">Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 3</ref> Am 5. Juni 1914 wurde die ''Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft'' (AEG) mit der Installation der innerstädtischen Kabel beauftragt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 70.320 Mark.<ref name=":3" /> Direkt zu Beginn meldeten bereits 400 Norder Haushalte einen Anschlussbedarf an.<ref name=":0" />
1913 trat die [[Stadt Norden]], einhergehend mit dem Bau des [[Krankenhaus Norden|Norder Krankenhauses]] in Verhandlungen mit der Firma ''Siemens'', die 1909 ein Torfkraftwerk in Wiesmoor errichtete hatte, um einen Anschluss an die Elektrizitätsversorgung zu erhalten.<ref name=":0" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 16</ref> Die Verhandlungen waren intensiv und langwierig, letzten Endes jedoch erfolgreich. Am 10. März 1914, gerade mal vier Monate vor Beginn des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]], erhielt Norden den Anschluss an das Stromnetz.<ref name=":0" /><ref name=":3">Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 3</ref> Am 5. Juni 1914 wurde die ''Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft'' (AEG) mit der Installation der innerstädtischen Kabel beauftragt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 70.320 Mark.<ref name=":3" /> Direkt zu Beginn meldeten bereits 400 Norder Haushalte einen Anschlussbedarf an.<ref name=":0" />


Zum 1. Oktober 1915 wurden durch die Stadt auch die Übergabestationen im Stadtgebiet und die Umspannwerke zum Anschluss an das ''Avacon''-Netz übernommen. 1925 übernahm man die von der Firma ''Siemens'' errichteten Transformatoren.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> Am 1. Oktober 1943 erfolgte durch Übertragung der Verträge die Versorgung über die ''EWE''.<ref name=":0" />
Zum 1. Oktober 1915 wurden durch die Stadt auch die Übergabestationen im Stadtgebiet und die Umspannwerke zum Anschluss an das ''Avacon''-Netz übernommen.<ref name=":4" /> Im Folgejahr gab es bereits 438 Anschlüsse, über die 4.420 Lampen und 25 Motoren gespeist wurden. Wegen des fortschreitenden Krieges verlangsamte sich der weitere Ausbau jedoch zunächst.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 4</ref>
 
Nach dem Krieg verbesserte sich die Wirtschaftslage, abgesehen von der Inflation, langsam aber sicher. 1925 übernahmen die Stadtwerke die von der Firma ''Siemens'' errichteten Transformatoren.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> Am 1. Oktober 1943 erfolgte durch Übertragung der Verträge die Versorgung über die ''EWE''.<ref name=":0" />


Das Stromnetz wurde kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1983 übernahmen die Stadtwerke die Konzession und das Stromnetz für bzw. in der [[Ostermarsch]] für 2,1 Millionen DM und begannen mit der Eigenproduktion von Strom. So wurde erstmals ein Blockheizkraftwerk errichtet. Mittlerweile betreiben die Stadtwerke elf Blockheizkraftwerke im gesamten Stadtgebiet, eins davon befindet sich im [[Ocean Wave]], ein weiteres im ehemaligen Kessel- und Maschinenraum der Firma [[Doornkaat]]. Am 2. Dezember 1987 wurde der erste unter dem Namen [[Nörder Windloopers]] bekannte Windpark am [[Fledderweg]] eröffnet. Gebaut wurden fünf Windkraftanlagen zu je 55 kW für rund 1,1 Millionen DM. Der Windpark wurde Anfang 2019 nach 31 Jahren abgebaut.<ref>[https://wind-turbine.com/magazin/innovationen-aktuelles/109386/windpark-aus-nach-31-jahren.html Bericht über die Schließung des Windparks vom 21. Januar 2019], abgerufen am 13. April 2021</ref> Seit 2003 existiert jedoch ein weiterer, durch die Stadtwerke betriebener Windpark am [[Marschweg]] in [[Ostermarsch]].<ref name=":1">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/umwelt.html Internetseite der Stadtwerke Norden (Abschnitt "Umwelt")], abgerufen am 14. April 2021</ref>
Das Stromnetz wurde kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1983 übernahmen die Stadtwerke die Konzession und das Stromnetz für bzw. in der [[Ostermarsch]] für 2,1 Millionen DM und begannen mit der Eigenproduktion von Strom. So wurde erstmals ein Blockheizkraftwerk errichtet. Mittlerweile betreiben die Stadtwerke elf Blockheizkraftwerke im gesamten Stadtgebiet, eins davon befindet sich im [[Ocean Wave]], ein weiteres im ehemaligen Kessel- und Maschinenraum der Firma [[Doornkaat]]. Am 2. Dezember 1987 wurde der erste unter dem Namen [[Nörder Windloopers]] bekannte Windpark am [[Fledderweg]] eröffnet. Gebaut wurden fünf Windkraftanlagen zu je 55 kW für rund 1,1 Millionen DM. Der Windpark wurde Anfang 2019 nach 31 Jahren abgebaut.<ref>[https://wind-turbine.com/magazin/innovationen-aktuelles/109386/windpark-aus-nach-31-jahren.html Bericht über die Schließung des Windparks vom 21. Januar 2019], abgerufen am 13. April 2021</ref> Seit 2003 existiert jedoch ein weiterer, durch die Stadtwerke betriebener Windpark am [[Marschweg]] in [[Ostermarsch]].<ref name=":1">[https://www.stadtwerke-norden.de/ihre-stadtwerke/umwelt.html Internetseite der Stadtwerke Norden (Abschnitt "Umwelt")], abgerufen am 14. April 2021</ref>


==Wasserversorgung==
==Wasserversorgung==
Pläne für den Bau einer öffentlichen Wasserversorgung existierten seit 1905.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 294</ref> Erst am 30. Juni 1938 erfolgte jedoch der erste Spatenstich zum Bau eines Wasserwerks an der Hager Bahnhofstraße mit geplanten Kosten von 600.000 RM, verlegt wurden ca. 24 Kilometer Wasserrohre.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Am 2. August 1939 erfolgte die planmäßige Inbetriebnahme.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 34</ref> Zur gleichen Zeit wurde der [[Wasserturm]] in [[Westgaste]] erbaut. Bis zur Installation eines öffentlichen Wassernetzes bedienten sich die Norder am Regenwasser, das sie in Zisternen u.ä. sammelten. Die Qualität war gut, sodass man sich bis dahin mit diesem Umstand begnügte. Auf Drängen der Wehrmacht, die in [[Tidofeld]] eine [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne]] errichtete, wurde schließlich der Bau fokussiert. Ein weiterer Grund war die Hoffnung auf Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe, die um Norden wegen der fehlenden Wasserversorgung oftmals noch einen großen Bogen machten.<ref name=":2" />
Pläne für den Bau einer öffentlichen Wasserversorgung existierten seit 1905.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 294</ref> Erst am 30. Juni 1938 erfolgte jedoch der erste Spatenstich zum Bau eines Wasserwerks an der Hager Bahnhofstraße mit geplanten Kosten von 600.000 RM, verlegt wurden ca. 24 Kilometer Wasserrohre.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Am 2. August 1939 erfolgte die planmäßige Inbetriebnahme.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 34</ref> Zur gleichen Zeit wurde der [[Wasserturm]] in [[Westgaste]] erbaut. Bis zur Installation eines öffentlichen Wassernetzes bedienten sich die Norder am Regenwasser, das sie in Zisternen sammelten sowie an privaten und [[Marktplatz#Öffentliche Brunnen|öffentlichen Brunnen]]. Letztere wurden von den Anliegern unterhalten und betrieben und 1895 schließlich von der Stadt übernommen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 5</ref> Die Qualität des Wassers war gut und das Wasser weich genug, um hervorragenden Tee daraus zu kochen, sodass man sich bis dahin mit diesem Umstand begnügte. Auf Drängen der Wehrmacht, die in [[Tidofeld]] eine [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne]] errichtete und dies auch in Norden plante, wurde schließlich der Bau fokussiert. Ein weiterer Grund war die Hoffnung auf Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe, die die Stadt wegen der fehlenden Wasserversorgung mieden.<ref name=":2" /> Zudem kam es in den 1930er Jahren zu gehäuften Paratyphus-Fällen, deren Ursache vor allem in der fehlenden Hygiene bei der Wasserversorgung gesehen wurde.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 6</ref> Pläne, das Wasser vom Reichswasserverband zu beziehen, scheiterten, da alle finanziellen Mittel für die Aufrüstung benötigt wurden, sodass die Stadt das Projekt selbst in Angriff nahm.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 7</ref>


Zu Anfang mussten viele Randgebiete der Stadt wegen Materialmangels noch ohne einen Anschluss an das Netz auskommen. Stattdessen richtete man 25 öffentliche ''Zapfstellen'' ein, an denen die Bewohner kostenlos Wasser beziehen konnten. 1964 hatte das Wassernetz bereits eine Länge von fast 83 Kilometern erreicht.<ref name=":2" /> Im Jahr 1969 musste das Wasserwerk in Hage durch die gestiegenen Abnahmemengen erweitert werden, im Jahr 1975 erfolgte ein Neubau des Wasserwerks am alten Standort. Dieser war Basis für die Übernahme der Wasserversorgung in Hage. Am 29. April 1976 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen Wasserwerks, am 10. Mai 1976 wurde der erste Konzessionsvertrag zwischen den Stadtwerken und der Samtgemeinde Hage zur Wasserversorgung geschlossen.<ref name=":0" />
Zu Beginn des Rohrleitungsbaus mussten viele Randgebiete der Stadt wegen Materialmangels noch ohne einen Anschluss an das Netz auskommen. Stattdessen richtete man 25 öffentliche ''Zapfstellen'' ein, an denen die Bewohner kostenlos Wasser beziehen konnten. 1964 hatte das Wassernetz bereits eine Länge von fast 83 Kilometern erreicht.<ref name=":2" /> Im Jahr 1969 musste das Wasserwerk in Hage durch die gestiegenen Abnahmemengen erweitert werden, im Jahr 1975 erfolgte ein Neubau des Wasserwerks am alten Standort. Dieser war Basis für die Übernahme der Wasserversorgung in Hage. Am 29. April 1976 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen Wasserwerks, am 10. Mai 1976 wurde der erste Konzessionsvertrag zwischen den Stadtwerken und der Samtgemeinde Hage zur Wasserversorgung geschlossen.<ref name=":0" />


==Fernwärme==
==Fernwärme==