Schöninghsches Haus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1906 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1906.
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus um 1910 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1910.
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1916 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1916.
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Osterstraße um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Osterstraße um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1976 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1976.
Datei:Osterstraße 5 20062010.jpg|Aufnahme vom 20. Juni 2010.
Datei:Osterstraße 5 20062010.jpg|Aufnahme vom 20. Juni 2010.
Datei:Osterstraße 5 05072014.jpg|Aufnahme vom 5. Juli 2014.
Datei:Osterstraße 5 05072014.jpg|Aufnahme vom 5. Juli 2014.

Version vom 16. November 2021, 15:52 Uhr

Schöninghsches Haus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1576
Erbauer Egbert Crayers
Bauweise Patrizierhaus
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Osterstraße 5

26506 Norden

Das Schöninghsche Haus ist eines der historisch bedeutsamsten Bauwerke in Norden und gilt gemeinhin als das schönste Gebäude der Stadt. Es befindet sich im innerstädtischen Teil der Osterstraße. Benannt ist es nach einem ehemaligen Besitzer, dem wohlhabenden Norder Kaufmann Peter Wilhelm Schöningh.

Geschichte

Das Gebäude wurde 1576 von Egbert Crayers, einem wohlhabenden Norder Kaufmann, im Stil der Renaissance errichtet. Dieser hatte den Vorgängerbau im Jahre 1554 erworben und im genannten Jahr neu im Stile der Renaissance errichten lassen. Zu dieser Zeit trug das Grundstück die Anschrift Osterkluft, 1. Rott, Nr. 13. Von Crayers ging das Gebäude um 1600 an den Geldverleiher Johan Bitter und 1677 an Heino Sassen, dessen Familie noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz des Gebäudes war.[1] Anfang des 18. Jahrhunderts wohnte hier Bürgermeister Sassen, später dessen Schwester, die das Haus um 1750 an einen Bäcker namens R. C. Janssen verkaufte. Über seine Tochter kommt das Haus an den Ratsherrn A. J. Speer. Im Besitz dieser Familie bleibt es bis 1863.[2]

Peter Wilhelm Schöningh, von dem das Gebäude seinen Namen hat, erwarb das Haus im Jahre 1869 für 3.000 Taler.[2][3] Fortan war es beinahe 100 Jahre im Besitz seiner Familie.[3] Mit Beschluss vom Frühjahr 1962 verfügt verfügte das Norder Bauamt 1963 schließlich den Abriss des Gebäudes, da das Mauerwerk starke Beschädigungen aufweis. Denkmalschutz spielte zu dieser Zeit leider noch keine Rolle (siehe auch: Altstadtsanierung).[4][5] Als Ursache für den Schaden am Mauerwerk wird das Absinken des Grundwasserspiegels sowie der verstärkte Kraftfahrzeugverkehr gesehen.[5]

Vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg wurde daraufhin erfolgreich Klage gegen den Abriss eingereicht. Das Verwaltungsgericht hob die Verfügung des Bauamtes auf. Das Gebäude gelangte nun in den Besitz von Fürst Wilhelm Edzard zu Innhausen und Knyphausen aus Lütetsburg, der das Gebäude wiederum an den Rechtsanwalt Veit Wucherpfennig verkaufte. Dieser bewahrte das Gebäude durch umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen vor dem Verfall.[4][5]

Insbesondere auch vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt Emden gilt das Schöninghsche Haus als der bedeutendste Vertreter unter den an niederländischen Vorbildern orientierten Patrizierhäusern der Renaissance in Ostfriesland.[6] Bis heute ist es ein beliebtes Fotomotiv und wird im Allgemeinen als das schönste Haus der Stadt angesehen.

Beschreibung

Das Schöninghsche Haus ist ein reich dekorierter Renaissancebau mit Stufengiebel. Der dreigeschossige Ziegelbau weist an seiner ganz in Fenstern aufgelösten Giebelwand die typisch niederländischen Specklagen auf.[7] Die Fassade setzt sich abwechselnd aus Backstein- und hell gestrichenen Schichten aus Kalkstein zusammen.[6] Die Fenster sind sogenannte Kreuzstockfenster mit sandsteinerner Muschelbekrönung. Oben an den Seiten des Giebels befinden sich ornamental wirkende, stark bewegte figürliche Darstellungen aus Sandstein, welche drei der zwölf Taten des Herkules symbolisieren.[5][7][8]

Ursprünglich wies das Gebäude im oberen Stock 14 Wappenfenster auf, von denen beim Erwerb des Gebäudes durch die Familie Schöningh nur noch eines vorhanden war, das ein Rosenwappen zeigte. Dieses Fenster wurde bei der großen Explosion im Vertriebenenlager Tidofeld im Sommer 1945 zerstört.[9] Möglicherweise wurde es dort verwahrt, um es vor Plünderungen in der Nachkriegszeit zu bewahren oder ist aus anderen, nicht näher nachvollziehbaren Gründen dorthin verbracht worden.

In der Zeit um 1754 befanden sich im Erdgeschoss neben einem Vorhaus eine Schlafkammer, eine große Küche, eine Stube und eine weitere, kleinere Küche. Alle Räumen waren mit einer offenen Feuerstelle ausgestattet, um diese angemessen beheizen zu können. Im ersten Geschoss befanden sich vier weitere Räume (Stuben), im obersten Geschoss schließlich ein Lagerraum. Der Dachboden, der sich über das gesamte Gebäude erstreckte, diente ebenfalls zur Lagerung. Daneben gab es noch zwei Keller, in der ebenfalls Waren gekühlt gelagert werden konnten. Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes befanden sich zu dieser Zeit eine Scheune und ein Waschhaus.[1] Die Selbstverpflegung war seinerzeit auch für wohlhabendere Familien nicht ungewöhnlich und verbreitet, so etwa auch beim Kettler'schen Haus.

Im Laufe der Jahrzehnte befanden sich im Erdgeschoss mehrere Restaurants, zuletzt das Restaurant Vesuvio. Die weiteren Geschosse werden für Wohnzwecke genutzt.

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 78
  2. 2,0 2,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 79
  3. 3,0 3,1 Beschreibung des Schöninghschen Hauses auf Ostfriesland.de, abgerufen am 22. April 2021
  4. 4,0 4,1 Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 80
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 169
  6. 6,0 6,1 Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 275
  7. 7,0 7,1 Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, München, S. 993
  8. Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 80
  9. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 97

Siehe auch