Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 84: Zeile 84:
Anfang Mai besetzen kanadische Streitkräfte die Stadt und nehmen sie kampflos ein. Das Marinelazarett im Ulrichsgymnasium wurde - vermutlich [[Vereinsheim (Kastanienallee)|in eine Baracke an der Kastanienallee]] - verlegt und die Räumlichkeiten des Schulgebäudes vom Armeestab der Besatzungstruppen belegt. Erst ab dem 2. Oktober 1945 wurde das Ulrichsgymnasium wieder als Schule genutzt. Zwischenzeitlich ruhte der Schulbetrieb.<ref name=":2" />
Anfang Mai besetzen kanadische Streitkräfte die Stadt und nehmen sie kampflos ein. Das Marinelazarett im Ulrichsgymnasium wurde - vermutlich [[Vereinsheim (Kastanienallee)|in eine Baracke an der Kastanienallee]] - verlegt und die Räumlichkeiten des Schulgebäudes vom Armeestab der Besatzungstruppen belegt. Erst ab dem 2. Oktober 1945 wurde das Ulrichsgymnasium wieder als Schule genutzt. Zwischenzeitlich ruhte der Schulbetrieb.<ref name=":2" />


Ein Zeitzeuge und Pädagoge am Ulrichsgymnasium beschrieb die nach 1945 eingetretene Wende als ''"geistige Revolution, wie es sie höchstens bei der Christianisierung unser Vorfahren gegeben"'' hat. Von dieser Wende ''"blieb kein Fach verschont"''. Vor allem der Deutsch- und der Geschichtsunterricht, der ''"am allerstärksten vom nationalsozialistischen Ungeist verfälscht worden war"'', bedurfte einer umfassenden Revision und wurde deshalb - als Chance zur Neubesinnung - für ein ganzes Jahr aus dem Unterrichtsangebot gestrichen. Andere Fächer, die während der NS-Zeit aus dem Lehrplan verschwunden waren, wurden wieder eingeführt. Dazu gehörte der Religions- und der Hebräischunterricht. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem im Biologieunterricht, musste ein Neuanfang gemacht werden. Auch die 1933 verbotene Schulandacht wurde wieder eingeführt.<ref>Wessels, Ebbel Roelfs (1967): 1567 und 1945. Zwei entscheidende Jahre in der Geschichte des Ulrichsgymnasiums. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 34</ref>
Ein Zeitzeuge und Pädagoge am Ulrichsgymnasium beschrieb die nach 1945 eingetretene Wende als ''"geistige Revolution, wie es sie höchstens bei der Christianisierung unser Vorfahren gegeben"'' hat. Von dieser Wende ''"blieb kein Fach verschont"''. Vor allem der Deutsch- und der Geschichtsunterricht, der ''"am allerstärksten vom nationalsozialistischen Ungeist verfälscht worden war"'', bedurfte einer umfassenden Revision und wurde deshalb - als Chance zur Neubesinnung - für ein ganzes Jahr aus dem Unterrichtsangebot gestrichen. Andere Fächer, die während der NS-Zeit aus dem Lehrplan verschwunden waren, wurden wieder eingeführt. Dazu gehörte der Religions- und der Hebräischunterricht. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem im Biologieunterricht, musste ein Neuanfang gemacht werden. Zudem wurde die 1933 verbotene Schulandacht wieder eingeführt.<ref>Wessels, Ebbel Roelfs (1967): 1567 und 1945. Zwei entscheidende Jahre in der Geschichte des Ulrichsgymnasiums. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 34</ref>


Eine wesentliche Neuerung im Schulbetrieb war die 1954 erfolgte Miteinbeziehung von Schülern in die Gestaltung des schulischen Lebens. In diesem Jahr wurde die Schulträgerschaft offiziell vom [[Landkreis Norden]] übernommen. Zu den Aufgaben der sogenannten ''Schülermitverantwortung'' (kurz: ''SMV'') gehörten unter anderem die Pausenaufsicht, Organisation von Sportschulmeisterschaften, Opern- und Theaterbesuchen und Podiumsdiskussionen zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen sowie die Ausrichtung von Schulfesten. Auch die Herausgabe der Schülerzeitung, deren erste Ausgabe 1956 unter dem Titel ''Der junge Ulricianer'' erschien, gehörte in den Verantwortungsbereich der SMV.<ref>Radlow, Udo (1967): SMV. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 58</ref> Ebenfalls 1954 wurde die alte Turnhalle abgebrochen, ein Neubau wurde kurz zuvor in unmittelbarer Nähe fertiggestellt.<ref name=":7" />[[Datei:Ulrichsgymnasium 12052013.jpg|mini|Seitenansicht ([[Im Spiet]]). Aufnahme vom 12. Mai 2013.|alternativtext=|links]]
Eine wesentliche Neuerung im Schulbetrieb war die 1954 erfolgte Miteinbeziehung von Schülern in die Gestaltung des schulischen Lebens. In diesem Jahr wurde die Schulträgerschaft offiziell vom [[Landkreis Norden]] übernommen. Zu den Aufgaben der sogenannten ''Schülermitverantwortung'' (kurz: ''SMV'') gehörten unter anderem die Pausenaufsicht, Organisation von Sportschulmeisterschaften, Opern- und Theaterbesuchen und Podiumsdiskussionen zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen sowie die Ausrichtung von Schulfesten. Auch die Herausgabe der Schülerzeitung, deren erste Ausgabe 1956 unter dem Titel ''Der junge Ulricianer'' erschien, gehörte in den Verantwortungsbereich der SMV.<ref>Radlow, Udo (1967): SMV. In: Derk de Haan: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. Norden, S. 58</ref> Ebenfalls 1954 wurde die alte Turnhalle abgebrochen, ein Neubau wurde kurz zuvor in unmittelbarer Nähe fertiggestellt.<ref name=":7" />[[Datei:Ulrichsgymnasium 12052013.jpg|mini|Seitenansicht ([[Im Spiet]]). Aufnahme vom 12. Mai 2013.|alternativtext=|links]]