Amt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Nach der Eingliederung der ehemaligen Herrlichkeit Pewsum als Amt im Jahre 1610 gab es in Ostfriesland insgesamt elf Amtsbezirke, die mit Ausnahme von Pewsum ihrerseits in ''Vogteien'' unterteilt waren, denen ein [[Vogt]] vorstand. Zur Amtsvogtei Norden gehörten [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]] und [[Lintelermarsch]]. Die Städte, so auch Norden, waren nicht in die Ämterstruktur eingebunden.<ref name=":0">König, Joseph (1955): Verwaltungsgeschichte Ostfrieslands bis zum Aussterben seines Fürstenhauses, Göttingen, S. 163</ref> Die Vorsteher der Ämter wurden zunächst [[Drost]], später [[Amtsverwalter]] und noch später [[Amtshauptmann]] genannt. Anfangs standen noch ein Drost und ein Amtmann gemeinsam an der Spitze. Der Drost führte das Kommando auf der Burg und übte die Polizeigewalt aus; dem Amtmann war die Gerichtsbarkeit unterstellt. Gemeinsam hatten sie die Oberaufsicht über das Deichwesen. Ein Rentmeister zur Hebung der Einkünfte und Gefälle stand ihnen zur Seite.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 22</ref> | Nach der Eingliederung der ehemaligen Herrlichkeit Pewsum als Amt im Jahre 1610 gab es in Ostfriesland insgesamt elf Amtsbezirke, die mit Ausnahme von Pewsum ihrerseits in ''Vogteien'' unterteilt waren, denen ein [[Vogt]] vorstand. Zur Amtsvogtei Norden gehörten [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]] und [[Lintelermarsch]]. Die Städte, so auch Norden, waren nicht in die Ämterstruktur eingebunden.<ref name=":0">König, Joseph (1955): Verwaltungsgeschichte Ostfrieslands bis zum Aussterben seines Fürstenhauses, Göttingen, S. 163</ref> Die Vorsteher der Ämter wurden zunächst [[Drost]], später [[Amtsverwalter]] und noch später [[Amtshauptmann]] genannt. Anfangs standen noch ein Drost und ein Amtmann gemeinsam an der Spitze. Der Drost führte das Kommando auf der Burg und übte die Polizeigewalt aus; dem Amtmann war die Gerichtsbarkeit unterstellt. Gemeinsam hatten sie die Oberaufsicht über das Deichwesen. Ein Rentmeister zur Hebung der Einkünfte und Gefälle stand ihnen zur Seite.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 22</ref> | ||
In der Lokalverwaltung des ländlichen Raums war Ostfriesland in Bauerschaften eingeteilt, die zugleich politische Gemeinden darstellten. In der [[Marsch]] bildete jede Bauerschaft in der Regel ein [[Kirchspiel Norden|Kirchspiel]], während auf der [[Geest]] das Kirchspiel aus mehreren Bauerschaften bestehen konnte. Die Gemeinden, Kirchspiele oder Bauerschaften konnten sich ihrerseits wieder in [[Kluft|Kluften]], [[Rott|Rotten]], ''Kedschaften'' oder ''Theene'' gliedern.<ref>Heise, Hans-Michael (1937): Die bewaffneten Ostfriesen in der Grafen- und Fürstenzeit, Aurich, S. 18</ref> In der [[Stadt Norden]] standen ober den Kluften die Rotten, in den zum Amt gehörenden, heutigen Stadtteilen (siehe oben) hingegen gab es keine Kluften, sondern nur Rotten als administrative Unterteilung. | In der Lokalverwaltung des ländlichen Raums war Ostfriesland in Bauerschaften eingeteilt, die zugleich politische Gemeinden darstellten. In der [[Marsch]] bildete jede Bauerschaft in der Regel ein [[Kirchspiel Norden|Kirchspiel]], während auf der [[Geest]] das Kirchspiel aus mehreren Bauerschaften bestehen konnte. Die Gemeinden, Kirchspiele oder Bauerschaften konnten sich ihrerseits wieder in [[Kluft|''Kluften'']], [[Rott|''Rotten'']], ''Kedschaften'' oder ''Theene'' gliedern.<ref>Heise, Hans-Michael (1937): Die bewaffneten Ostfriesen in der Grafen- und Fürstenzeit, Aurich, S. 18</ref> In der [[Stadt Norden]] standen ober den Kluften die Rotten, in den zum Amt gehörenden, heutigen Stadtteilen (siehe oben) hingegen gab es keine Kluften, sondern nur Rotten als administrative Unterteilung. | ||
Im Zuge der französischen Besatzung Ostfrieslands zur Zeiten von Napoleon wurden die Ämter durch [[Kanton Norden|Kantone]] abgelöst. Nach der Besatzungszeit wurden die Ämter wieder eingeführt und das Amt Norden wurde zu einem der ''Landdrostei Aurich'' untergeordneten Gemeindeverbund. Dieser Umstand wurde auch nach der (erneuten) preußischen Zeit beibehalten. Eine Landdrostei kann man sich als Vorläufer der Regierungsbezirke vorstellen. Ihr stand ein [[Drost]] vor, ein hoher Beamter, der den Landesherren vertrat. Diese Position kann in etwa mit den ehemaligen Regierungspräsidenten verglichen werden. | Im Zuge der französischen Besatzung Ostfrieslands zur Zeiten von Napoleon wurden die Ämter durch [[Kanton Norden|Kantone]] abgelöst. Nach der Besatzungszeit wurden die Ämter wieder eingeführt und das Amt Norden wurde zu einem der ''Landdrostei Aurich'' untergeordneten Gemeindeverbund. Dieser Umstand wurde auch nach der (erneuten) preußischen Zeit beibehalten. Eine Landdrostei kann man sich als Vorläufer der Regierungsbezirke vorstellen. Ihr stand ein [[Drost]] vor, ein hoher Beamter, der den Landesherren vertrat. Diese Position kann in etwa mit den ehemaligen Regierungspräsidenten verglichen werden. | ||