Hausnummerierung: Unterschied zwischen den Versionen
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Bis zum Aufkommen der Hausnummerierung orientierte man sich in den deutschen Städten anhand von örtlichen Gegebenheiten, wie etwa Gebäuden. Die Einwohner wussten, wer wo wohnte und außerdem konnten die meisten weder lesen noch schreiben. Aus diesem Umstand heraus entstanden jedoch auch die ersten Straßennamen. Die [[Kirchstraße]] führte zur [[Ludgerikirche|Kirche]], die [[Sielstraße]] zum [[Erstes Siel|Siel]], an der [[Große Mühlenstraße|Mühlenstraße]] befand sich eine [[Ekeler Mühle|Mühle]]. Auch Himmelsrichtungen dienten als Anhaltspunkte: Die [[Westerstraße]] führte gen Westen, die [[Osterstraße]] gen Osten, die [[Norder Straße|Norderstraße]] gen Norden. Recht früh kamen auch Betriebe oder Namen von Anwohnern hinzu, so etwa | Bis zum Aufkommen der Hausnummerierung orientierte man sich in den deutschen Städten anhand von örtlichen Gegebenheiten, wie etwa Gebäuden. Die Einwohner wussten, wer wo wohnte und außerdem konnten die meisten weder lesen noch schreiben. Aus diesem Umstand heraus entstanden jedoch auch die ersten Straßennamen. Die [[Kirchstraße]] führte zur [[Ludgerikirche|Kirche]], die [[Sielstraße]] zum [[Erstes Siel|Siel]], an der [[Große Mühlenstraße|Mühlenstraße]] befand sich eine [[Ekeler Mühle|Mühle]]. Auch Himmelsrichtungen dienten als Anhaltspunkte: Die [[Westerstraße]] führte gen Westen, die [[Osterstraße]] gen Osten, die [[Norder Straße|Norderstraße]] gen Norden. Recht früh kamen auch Betriebe oder Namen von Anwohnern hinzu, so etwa im Falle der [[Pottbackerslohne]] oder der [[Bührmannslohne]], die in Norden so bekannt waren, dass sich jedermann gut orientieren konnte. | ||
Auf dem Land dienten vor allem die großen Höfe als Orientierung. Sie wurden manchmal nach den Besitzer benannt ([[Petersbörg|Hof Petersbörg]], [[Hof Honnewarf]], ...), öfter aber erhielten sie Fantasienamen, die sich manchmal auf Tiere ([[Hof Ülkebült]], [[Hof Uhlenwarf]], ...), manchmal aber auch auf allgemeine Gegebenheiten bezogen, wie etwa auf den eigenen Wohlstand des Hofs und seiner Besitzer ([[Hof Breepott]]) oder ihre Nutzung ([[Buschhaus]]). | Auf dem Land dienten vor allem die großen Höfe als Orientierung. Sie wurden manchmal nach den Besitzer benannt ([[Petersbörg|Hof Petersbörg]], [[Hof Honnewarf]], ...), öfter aber erhielten sie Fantasienamen, die sich manchmal auf Tiere ([[Hof Ülkebült]], [[Hof Uhlenwarf]], ...), manchmal aber auch auf allgemeine Gegebenheiten bezogen, wie etwa auf den eigenen Wohlstand des Hofs und seiner Besitzer ([[Hof Breepott]]) oder ihre Nutzung ([[Buschhaus|Hof Buschhaus]]). | ||
Eine nicht unwesentliche, wenngleich auf den ersten Blick eher kleine Neuerung, war die Einführung einer festen Hausnummerierung durch die Einführung von Grund- und Hypothekenbüchern durch eine königlich-preußische Verordnung vom 26. April 1751. Anders als heute waren die Häuser jedoch nicht nach einzelnen Straßen durchnummeriert, sondern der Reihe nach, beginnend [[Am Markt]], Ecke [[Große Mühlenstraße|Mühlenstraße]]. Von hier aus lief die Nummerierung weiter zur [[Osterstraße]] | Eine nicht unwesentliche, wenngleich auf den ersten Blick eher kleine Neuerung, war die Einführung einer festen Hausnummerierung durch die Einführung von Grund- und Hypothekenbüchern durch eine königlich-preußische Verordnung vom 26. April 1751. Anders als heute waren die Häuser jedoch nicht nach einzelnen Straßen durchnummeriert, sondern der Reihe nach, beginnend [[Am Markt]], Ecke [[Große Mühlenstraße|Mühlenstraße]]. Das Gebäude hat heute wie damals die Nummer 1. Von hier aus lief die Nummerierung weiter zur [[Osterstraße]] und begann dort mit dem [[Gasthof Jerusalem]] als Nummer 9. Von dort ging es weiter die Nordseite der Osterstraße hinauf bis zur [[Eisenhütte]], dann auf der südlichen Osterstraße zurück zum [[Neuer Weg|Neuen Weg]], der mit der Hausnummer 60 beim [[Spykerboor]] begann. Von hier verfuhr man weiter den östlichen Neuen Weg herunter, dann nach Osten in die Brückstraße bis zu ihrem Ende, von dort auf der anderen Straßenseite zurück bis in die Dammstraße, wo es sinngemäß weiterlief und schließlich zurück zum Neuen Weg. Diesem folgte man dann auf der Westseite zurück bis zur südlichen Straßenseite der Osterstraße, wo man mit den weiteren Straßen sinngemäß gleich verfuhr.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 94</ref><ref>Cremer, Ufke (1938): Kontrollverzeichnis der Stadt Norden von 1812, Norden, S. 1</ref> Entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu den einzelnen [[Kluft|Kluften]] erhielten die Häuser ihre jeweiligen Anschriften. Das [[Mittelhaus]] beispielsweise, das heute die Anschrift ''[[Neuer Weg]] 11'' trägt, hatte einst die Anschrift ''[[Osterkluft]], 4. [[Rott]], Nr. 70'', das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] wurde unter ''[[Osterkluft]], 1. [[Rott]], Nr. 13'' geführt. | ||
Neubauten wurden mit Buchstaben hinterlegt, was die allgemeine Orientierung in der Stadt sicherlich zunächst insgesamt erleichterte, doch spätestens der wirtschaftliche Aufschwung in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts brachte das Ordnungssystem an seine Grenzen. Beispielsweise hatten in der [[Rosenthallohne]] neun Häuser eine Hausnummer, die die Buchstaben mit den a bis h zugewiesen bekamen. Erst 1904 wurden Straßen größtenteils fest benannt und die Häuser dort entsprechend der Straße einzeln nummeriert.<ref name=":0" /> Jedoch gab es vereinzelt auch noch bis 1966 eine gewisse Unordnung, sodass es zu einer Neuordnung der Straßen und ihrer Hausnummern kam. Auch wurden die bis dahin existierenden Abschnitte ''Kolkbrücker Weg'', ''Kleine Osterstraße'' und ''Große Osterstraße'' zur [[Osterstraße]] zusammengefasst, ebenso verfuhr man bei der ''Großen'' und ''Kleinen'' [[Westerstraße]]. | Neubauten wurden mit Buchstaben hinterlegt, was die allgemeine Orientierung in der Stadt sicherlich zunächst insgesamt erleichterte, doch spätestens der wirtschaftliche Aufschwung in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts brachte das Ordnungssystem an seine Grenzen. Beispielsweise hatten in der [[Rosenthallohne]] neun Häuser eine Hausnummer, die die Buchstaben mit den a bis h zugewiesen bekamen. Erst 1904 wurden Straßen größtenteils fest benannt und die Häuser dort entsprechend der Straße einzeln nummeriert.<ref name=":0" /> Jedoch gab es vereinzelt auch noch bis 1966 eine gewisse Unordnung, sodass es zu einer Neuordnung der Straßen und ihrer Hausnummern kam. Auch wurden die bis dahin existierenden Abschnitte ''Kolkbrücker Weg'', ''Kleine Osterstraße'' und ''Große Osterstraße'' zur [[Osterstraße]] zusammengefasst, ebenso verfuhr man bei der ''Großen'' und ''Kleinen'' [[Westerstraße]]. | ||
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== Sonderfall Süderneuland II == | == Sonderfall Süderneuland II == | ||
In [[Süderneuland II]] | In [[Süderneuland II]] gilt teilweise immer noch ein historisches Nummerierungssystem, worauf die diffus wirkende Nummerierung entlang der [[Bundesstraße]] in [[Nadörst]] und [[Altendeich]] hinweist. Die Häuser dort sind nicht aufsteigend nummeriert, sondern entsprechend des Zeitpunktes der Bebauung der Grundstücke. Das erste Haus einer Siedlung trug nach diesem System die Hausnummer 1, ebenso alle folgenden Häuser auf diesem Grundstück. Das zweite Haus und Grundstück die Nummer 2 und so weiter. Diesen Umstand findet man in Deutschland heute nur noch sehr selten, so etwa auf Baltrum. In Norden hat sich dieses alte Nummernsystem neben der Bundesstraße auch noch am [[Verschönerungsweg]] und am [[Leegelandweg]] erhalten, die ebenfalls zu [[Süderneuland II]] gehören. | ||
Dieses System wurde bis 2003 auch noch in den anderen Straßen von [[Nadörst]] und [[Altendeich]] angewandt. In diesem Jahr wurde der [[Südring]] gebaut, im gleichen Zug erhielten die Orte einen Anschluss an die [[Kanalisation]] und ihre heutige Nummerierung. Beispielsweise hatte das seitdem unter den [[Leegemoorweg]] 1 fallende [[Schrankenwärterhaus (Bahnhofsweg)|Schrankenwärterhaus von Nadörst]] bis zur Neunummerierung noch die Anschrift [[Bahnhofsweg]] 79.<ref>Zeitzeugenbefragung am 6. Oktober 2021</ref> | Dieses System wurde bis 2003 auch noch in den anderen Straßen von [[Nadörst]] und [[Altendeich]] angewandt. In diesem Jahr wurde der [[Südring]] gebaut, im gleichen Zug erhielten die Orte einen Anschluss an die [[Kanalisation]] und ihre heutige Nummerierung. Beispielsweise hatte das seitdem unter den [[Leegemoorweg]] 1 fallende [[Schrankenwärterhaus (Bahnhofsweg)|Schrankenwärterhaus von Nadörst]] bis zur Neunummerierung noch die Anschrift [[Bahnhofsweg]] 79.<ref>Zeitzeugenbefragung am 6. Oktober 2021</ref> | ||
Das alte Nummerierungssystem liefert heute noch wertvolle Hinweise darauf, wann welche Grundstücke bebaut wurden. Dadurch lässt sich die Besiedlung des Ortes besser nachvollziehen. | |||
== Sonderfall Tidofeld == | == Sonderfall Tidofeld == | ||