Vertriebenenlager Tidofeld: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Vertriebenenlager Tidofeld''' war zwischen 1946 und 1960 eines der größten Aufnahmelager für Vertriebene und Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs in Niedersachsen. Es befand sich im heutigen Norder Stadtteil [[Tidofeld]], südlich der [[Heerstraße]] und entstand auf dem Grund einer ehemaligen Wehrmachtskaserne, die in den letzten Kriegsmonaten | Das '''Vertriebenenlager Tidofeld''' war zwischen 1946 und 1960 eines der größten Aufnahmelager für Vertriebene und Flüchtlinge des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] in Niedersachsen. Es befand sich im heutigen Norder Stadtteil [[Tidofeld]], südlich der [[Heerstraße]] und entstand auf dem Grund einer ehemaligen Wehrmachtskaserne, die in den letzten Kriegsmonaten herausragende Bedeutung als Sitz des ''Seekommandanten Ostfriesland'' erreichte. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Das Lager war der 4. Schiffsstammabteilung in Wilhelmshaven unterstellt und trug die Bezeichnung ''5./8. Marine-Ersatzabteilung''.<ref name=":1" /> Während die 4. Schiffsstammabteilung den westlichen (Lager 1) stationiert war, befand sich im östlichen Teil die 5./8. Marine-Ersatzabteilung (Lager 2). Zeitweise waren letztgenannter Einheit auch Teile der Emder Marineartillerie sowie eine Motorkompanie zugewiesen.<ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Im Lager versahen junge Marinerekruten ihre Grundausbildung, besonders in den letzten Kriegsjahren wurden sie oft unmittelbar nach oder noch während der Ausbildung an der Front eingesetzt.<ref name=":1">Forum der Wehrmacht (Zeitzeugenberichte)</ref> Die nationalsozialistischen Machthaber veranstalteten im Lager zudem alljährlich einen ''Tag der Wehrmacht''.<ref name=":2" /> | Das Lager war der 4. Schiffsstammabteilung in Wilhelmshaven unterstellt und trug die Bezeichnung ''5./8. Marine-Ersatzabteilung''.<ref name=":1" /> Während die 4. Schiffsstammabteilung den westlichen (Lager 1) stationiert war, befand sich im östlichen Teil die 5./8. Marine-Ersatzabteilung (Lager 2). Zeitweise waren letztgenannter Einheit auch Teile der Emder Marineartillerie sowie eine Motorkompanie zugewiesen.<ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Im Lager versahen junge Marinerekruten ihre Grundausbildung, besonders in den letzten Kriegsjahren wurden sie oft unmittelbar nach oder noch während der Ausbildung an der Front eingesetzt.<ref name=":1">Forum der Wehrmacht (Zeitzeugenberichte)</ref> Die nationalsozialistischen Machthaber veranstalteten im Lager zudem alljährlich einen ''Tag der Wehrmacht''.<ref name=":2" /> | ||
Zum Lager gehörten unter anderem | Zum Lager gehörten unter anderem ein Exerzierplatz, eine Turnhalle und verschiedene Lagergebäude sowie insgesamt 27 Wohnbaracken, 10 Wirtschaftsbaracken und ein nie vollständig fertiggestellter Ziegelsteinbau.<ref name=":0" /> Für die kommandierenden Offiziere des Lagers wurden zwei große Doppelhäuser (Baujahr 1939) an der heutigen [[Huntestraße]] (Nr. 4 - 7) errichtet. Die Gebäude sind bis heute erhalten und bewohnt. Auch der große Ziegelsteinbau (vermutlich eine geplante Sammelunterkunft für die Mannschaftsdienstgrade) ist erhalten, wurde im Laufe der Jahre mehrfach saniert und umgebaut und wird heute von der [[Behindertenhilfe Norden]] genutzt. Bis zum Neubau im Jahre 2013 war in einem Teil dieses Gebäudes auch ein Kindergarten beheimatet, der sich seitdem im Winkel der [[Emsstraße]] und der [[Weserstraße]] befindet.<ref>[https://behindertenhilfe-norden.de/wp-content/uploads/2014/06/flyer-kiga-und-krippe-final.pdf Flyer des Kindergartens in Tidofeld], abgerufen am 18. Mai 2021</ref> | ||
Ab dem 2. November 1944 wurde die Kaserne zum Sitz des ''Seekommandanten Ostfriesland''. Die Stelle wurde neu geschaffen, um die Marineeinheiten an der ostfriesischen Küste besser koordinieren zu können. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref> | Ab dem 2. November 1944 wurde die Kaserne zum Sitz des ''Seekommandanten Ostfriesland''. Die Stelle wurde neu geschaffen, um die Marineeinheiten an der ostfriesischen Küste besser koordinieren zu können. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref> | ||