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Kurz nach Kriegsende, am 13. April 1946, wurden die Planvorhaben wieder aufgegriffen. Es dauerte jedoch erneut bis 1952, dass diese konkret wurden. Die neuen Entwürfe sahen nun ebenfalls eine landwirtschaftliche Verwertung der Abwässer vor. In einem Gutachten des Diplomingenieurs Wilhelma wird dabei gar von einem ''"volkswirtschaftlichen Erfolg"'' gesprochen. Dies erschien nun ohnehin als einzige Möglichkeit, da die Ableitung in die Nordsee von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes in Aurich verboten wurde. Aber auch diesmal mehrten sich Bedenken gegen eine entsprechende Verwertung, insbesondere unter dem Hinweis auf neue Industrieansiedlungen, deren Abwässer sich wohl kaum für die Landwirtschaft nutzen ließen. Außerdem wurde angemahnt, dass die Planenden bis dahin nicht zwischen Abwasser und Regenwasser unterschieden hatten, die qualitativ völlig unterschiedlich sind.<ref name=":3">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 15</ref>
Kurz nach Kriegsende, am 13. April 1946, wurden die Planvorhaben wieder aufgegriffen. Es dauerte jedoch erneut bis 1952, dass diese konkret wurden. Die neuen Entwürfe sahen nun ebenfalls eine landwirtschaftliche Verwertung der Abwässer vor. In einem Gutachten des Diplomingenieurs Wilhelma wird dabei gar von einem ''"volkswirtschaftlichen Erfolg"'' gesprochen. Dies erschien nun ohnehin als einzige Möglichkeit, da die Ableitung in die Nordsee von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes in Aurich verboten wurde. Aber auch diesmal mehrten sich Bedenken gegen eine entsprechende Verwertung, insbesondere unter dem Hinweis auf neue Industrieansiedlungen, deren Abwässer sich wohl kaum für die Landwirtschaft nutzen ließen. Außerdem wurde angemahnt, dass die Planenden bis dahin nicht zwischen Abwasser und Regenwasser unterschieden hatten, die qualitativ völlig unterschiedlich sind.<ref name=":3">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 15</ref>


Nach längeren Vorverhandlungen wurde schließlich am 4. Oktober 1954 der Diplomingenieur Preußner aus Hamburg mit der Überarbeitung der bestehenden Pläne beauftragt.<ref name=":3" /> Am 21. August 1956 legte Preußner den fertigen Entwurf einer vollständigen Schmutzwasserkanalisation mit Pumpwerken und [[Kläranlage]] vor. Sowohl seine Ausarbeitung als auch die verantwortlichen Behörden erkannten nun die Notwendigkeit einer Ableitung des geklärten Abwassers in das [[Norder Tief]]. Allerdings verweigerte das Wasserwirtschaftsamt dahingehend seine Zustimmung, als dass die Planungen unverändert keine Trennung zwischen Regen- und Abwasser vorsahen. Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verweigerte unter diesen Bedingungen seine Zustimmung und erteilte am 21. September 1957 die Auflage, einen Entwurf für eine gesonderte Regenwasserkanalisation nachzureichen. Nachdem dies gelang, wurde am 17. März 1958 die Genehmigung erteilt und am 25. August des Jahres beschloss der [[Stadtrat]] die Ausführung des ersten Bauabschnitts mit einem Kostenaufwand von rund 4 Millionen DM. Am 8. Dezember 1958 erfolgte der erste Spatenstich.<ref>Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref>
Nach längeren Vorverhandlungen wurde schließlich am 4. Oktober 1954 der Diplomingenieur Preußner aus Hamburg mit der Überarbeitung der bestehenden Pläne beauftragt.<ref name=":3" /> Am 21. August 1956 legte Preußner den fertigen Entwurf einer vollständigen Schmutzwasserkanalisation mit Pumpwerken und [[Kläranlage]] vor. Sowohl seine Ausarbeitung als auch die verantwortlichen Behörden erkannten nun die Notwendigkeit einer Ableitung des geklärten Abwassers in das [[Norder Tief]]. Allerdings verweigerte das Wasserwirtschaftsamt dahingehend seine Zustimmung, als dass die Planungen unverändert keine Trennung zwischen Regen- und Abwasser vorsahen. Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verweigerte unter diesen Bedingungen seine Zustimmung und erteilte am 21. September 1957 die Auflage, einen Entwurf für eine gesonderte Regenwasserkanalisation nachzureichen. Nachdem dies gelang, wurde am 17. März 1958 die Genehmigung erteilt und am 25. August des Jahres beschloss der [[Stadtrat]] die Ausführung des ersten Bauabschnitts (Innenstadt) mit einem Kostenaufwand von rund 4 Millionen DM. Am 8. Dezember 1958 erfolgte der erste Spatenstich.<ref>Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref><ref name=":4" />


Im Dezember des Jahres begonnen dank erheblicher Zuschüsse von Bund, Land und [[Landkreis Norden|Landkreis]] der Bau, zunächst in der historischen Innenstadt.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 67</ref> Die Fertigstellung des [[Klärwerk|Klärwerks]] folgte bis 1963.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 66</ref> Während ein Großteil der abgelegenen Höfe und Siedlungen in den ländlichen Stadtteilen [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Ostermarsch]] bis heute nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und über eigene, kleine Kläranlagen bzw. Sickergruben verfügen, erhielt [[Nadörst]] erst 2003 einen Anschluss an das Kanalnetz.<ref>Zeitzeugenbefragung am 6. Oktober 2021</ref>
Für den Bau erhielt die Stadt erhebliche Zuschüsse von Bund, Land und [[Landkreis Norden|Landkreis]].<ref name=":4">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 67</ref> Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre die Umsetzung wohl auch nicht möglich gewesen, zumal bereits im Frühjahr 1959 eine Aufstockung von 4 auf 5 Millionen DM erfolgen musste. Immerhin kamen die Bauarbeiten schnell voran, sodass der erste Bauabschnitt Anfang 1960 fertiggestellt war. Es folgte der zweite Bauabschnitt, dessen Haushaltsvolumen 6,2 Millionen DM umfasste und im Frühjahr 1961 abgeschlossen werden konnte. Es folgte der dritte Bauabschnitt, der 1963 in Angriff genommen wurde. Mit dessen Fertigstellung umfasste das Kanalnetz bereits über 50 Kilometer. Ein besonders positiver Effekt der Kanalisationsarbeiten bestand darin, dass im gleichen Zuge ein Großteil der bis dahin nur schlecht oder gar nicht befestigten [[Liste der Straßen in Norden|Straßen in Norden]] ausgebaut wurden.<ref>Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 17</ref> Die Fertigstellung des [[Klärwerk|Klärwerks]] folgte bis 1963.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 66</ref>
 
Die Bauarbeiten im Stadtgebiet endeten Ende der 1960er Jahre. Während ein Großteil der abgelegenen Höfe und Siedlungen in den ländlichen Stadtteilen [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Ostermarsch]], die erst seit 1972 zur [[Stadt Norden]] gehören, bis heute nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und über eigene, kleine Kläranlagen bzw. Sickergruben verfügen, erhielt [[Nadörst]] 2003 einen Anschluss an das Kanalnetz.<ref>Zeitzeugenbefragung am 6. Oktober 2021</ref>


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==