Bürgerwehr: Unterschied zwischen den Versionen
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Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen wurden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> So kam es, dass die königliche Regierung die Bürgerwehr auch finanziell unterstützte.<ref name=":2" /> | Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen wurden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> So kam es, dass die königliche Regierung die Bürgerwehr auch finanziell unterstützte.<ref name=":2" /> | ||
Die Bürgerwehr wurde schnell ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der abgelegenen Seestadt und man übertrag ihr den Küstenschutz.<ref name=":1" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Die Mitglieder trugen grüne Röcke und Wachstuchkappen mit schwarz-rot-goldenen Kokarden.<ref name=":3">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 35</ref> | Die Bürgerwehr wurde schnell ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der abgelegenen Seestadt und man übertrag ihr den Küstenschutz.<ref name=":1" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Die Mitglieder trugen grüne Röcke und Wachstuchkappen mit schwarz-rot-goldenen Kokarden.<ref name=":3">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 35</ref> Exzerzierübungen wurden zunächst auf dem späteren Gelände der [[Sägemühle Betriebsamkeit]] (heute [[Onno Behrends Tee]]) durchgeführt.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Mühlen in Norden und Umgebung, Nr. 15</ref> | ||
Einen ersten, echten Einsatz hatte die Bürgerwehr nach Sichtung eines dänischen Kriegsschiffes am 8. Juni 1848, das Teil der dänischen Seeblockade anlässlich des Schleswig-Holsteinischen Krieges war, durch die die Dänen den gesamten Schiffsverkehr in Nord- und Ostsee lahmlegten. Angeblich war dieses vor Norderney vor Anker gegangen. Die Bürgerwehr - oder zumindest der mutige Teil von ihr - war bereits im Begriff, nach Norderney zu verlegen, als die Nachricht eintraf, dass das Schiff wieder abgelegt hatte.<ref name=":0" /><ref name=":3" /> | Einen ersten, echten Einsatz hatte die Bürgerwehr nach Sichtung eines dänischen Kriegsschiffes am 8. Juni 1848, das Teil der dänischen Seeblockade anlässlich des Schleswig-Holsteinischen Krieges war, durch die die Dänen den gesamten Schiffsverkehr in Nord- und Ostsee lahmlegten. Angeblich war dieses vor Norderney vor Anker gegangen. Die Bürgerwehr - oder zumindest der mutige Teil von ihr - war bereits im Begriff, nach Norderney zu verlegen, als die Nachricht eintraf, dass das Schiff wieder abgelegt hatte.<ref name=":0" /><ref name=":3" /> | ||
Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine | Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine selbst gestickte Bataillonsfahne, die an diesem Tage nach einer feierlichen Fahnenweihe auf dem [[Marktplatz]] überreicht wurde.<ref name=":0" /> Die Munition der Wehr wurde im sogenannten [[Pulverturm]] nahe der [[Kolkbrücke]] aufbewahrt.<ref name=":1" /> Auch nach der Revolution bestand die Wehr fort, 1849 wurde ihr eine Musikapelle, das ''Janitscharen-Corps Silistria'' angegliedert. Der Exerzierplatz wurde nun am [[Hof Selden Rüst]], damals noch eine Gastwirtschaft, eingerichtet. Dort fand seit 1850 auch das ''Bürgerwehr-Scheibenschießen'' statt.<ref name=":0" /> Für reguläre Zusammenkünfte nutzte man den Saal im [[Weinhaus]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Die Kapelle bestand bis zum 11. Juli 1855, zum 8. April 1857 wurde die Bürgerwehr dann auch gesetzlich aufgelöst.<ref name=":0" /> Auch die neu gewonnene Pressefreiheit wurde durch dieses Gesetz wieder zunichte gemacht.<ref name=":3" /> | ||
Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden. In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam es am 5. September 1919 jedoch kurzfristig wieder zur Gründung einer Bürgerwehr, die 283 Mann mit 30 Waffen umfasste. Sie hatte jedoch nur kurzen Bestand und wurde im Zuge der Gründung der Weimarer Republik rasch wieder aufgelöst. | Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden. In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam es am 5. September 1919 jedoch kurzfristig wieder zur Gründung einer Bürgerwehr, die 283 Mann mit 30 Waffen umfasste. Sie hatte jedoch nur kurzen Bestand und wurde im Zuge der Gründung der Weimarer Republik rasch wieder aufgelöst. | ||