Dreißigjähriger Krieg: Unterschied zwischen den Versionen
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1622 stand von Mansfeld schließlich für einige Monate ganz in den Diensten der Niederlanden und kam quasi auf deren Einladung nach Ostfriesland, wo seine Truppen auch Norden und das Umland besetzten. Die Übermacht der feindlichen Streitmacht war so gewaltig, dass Enno III. nicht einmal verhindern konnte, dass ihm 300.000 Reichstaler aus seiner Festung, wohin er zwischenzeitlich von Aurich geflohen war, gestohlen wurden. Die Soldaten des von Mansfeld hielten ihn dort zudem wie einen Gefangenen fest. | 1622 stand von Mansfeld schließlich für einige Monate ganz in den Diensten der Niederlanden und kam quasi auf deren Einladung nach Ostfriesland, wo seine Truppen auch Norden und das Umland besetzten. Die Übermacht der feindlichen Streitmacht war so gewaltig, dass Enno III. nicht einmal verhindern konnte, dass ihm 300.000 Reichstaler aus seiner Festung, wohin er zwischenzeitlich von Aurich geflohen war, gestohlen wurden. Die Soldaten des von Mansfeld hielten ihn dort zudem wie einen Gefangenen fest. | ||
Am 14. November 1622 zog das Söldnerheer in der Stadt ein.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Norden und Ostfriesland litten in der Folgezeit große Not. Die auswärtigen Truppen ernährten sich aus dem Lande und wurden durch Anwerbungen noch verstärkt. Die Bevölkerung wurde durch direktes (Mord) und indirektes Wirken (Vorratsplünderung) der Mansfelder Truppen auf bis zu die Hälfte reduziert.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 47</ref> Einzig die Stadt Emden konnte sich, geschützt durch den kurz zuvor fertiggestellten Emder Wall, Mansfeld widersetzen. Als dieser einige Dörfer der Umgebung besetzte, verlangten die Emder von den Generalstaaten vergeblich Hilfe. Die Stadt war aber gut gerüstet und in der Lage, eine ausreichende Verteidigungsanlage zu errichten. Der Festungsbaumeister Johann von Falkenburg hatte die Stadt von 1606 bis 1616 auf den neuesten Stand der Verteidigungstechnik gebracht. So konnte sie ihre Umgebung gezielt unter Wasser setzen, was sie zur Demonstration auch tat. Ferner riss sie den Vorort Barenburg ab, um freies Schussfeld zu haben. Mansfeld unterließ es daraufhin, die Stadt anzugreifen. | Am 14. November 1622 zog das Söldnerheer in der Stadt ein.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Norden und Ostfriesland litten in der Folgezeit große Not. Die auswärtigen Truppen ernährten sich aus dem Lande und wurden durch Anwerbungen noch verstärkt. Die Bevölkerung wurde durch direktes (Mord) und indirektes Wirken (Vorratsplünderung) der Mansfelder Truppen auf bis zu die Hälfte reduziert.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 47</ref> Flohen Norder Bürger aus ihren Häusern vor der disziplinlosen Horde Mansfelds, wurden ihre Häuser in Brand gesetzt.<ref>Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 13</ref> | ||
Einzig die Stadt Emden konnte sich, geschützt durch den kurz zuvor fertiggestellten Emder Wall, Mansfeld widersetzen. Als dieser einige Dörfer der Umgebung besetzte, verlangten die Emder von den Generalstaaten vergeblich Hilfe. Die Stadt war aber gut gerüstet und in der Lage, eine ausreichende Verteidigungsanlage zu errichten. Der Festungsbaumeister Johann von Falkenburg hatte die Stadt von 1606 bis 1616 auf den neuesten Stand der Verteidigungstechnik gebracht. So konnte sie ihre Umgebung gezielt unter Wasser setzen, was sie zur Demonstration auch tat. Ferner riss sie den Vorort Barenburg ab, um freies Schussfeld zu haben. Mansfeld unterließ es daraufhin, die Stadt anzugreifen. | |||
Die Bevölkerung reagierte auf die brutalen Übergriffe mit Abwehr- und Racheaktionen. Allmählich begannen die Verhältnisse in der Region sich zum offenen Kriegszustand zu entwickeln. Für die Niederländischen Generalstaaten als vorgebliche Schutzmacht waren die Zustände in Ostfriesland bald nicht mehr haltbar und so vermittelten sie, die die Truppen ja überhaupt ins Land geholt hatten, zwischen von Mansfeld und den Ostfriesischen Ständen, die bezeichnenderweise an Stelle des Grafen die Verhandlungen über die Bedingungen des Abzuges führten. Von Mansfeld, der durch die Verwüstung Ostfrieslands sich selbst seiner Basis beraubt hatte, verlangte dafür 300.000 Gulden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Mansfeld.pdf Biographie des Peter Ernst II. von Mansfeld] in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Diese Summe im Lande aufzubringen war nicht möglich. Schließlich boten die Niederländer an, den Ständen diese Summe vorzustrecken. Am 12. Januar 1624 unterschrieb Mansfeld den Abzugsvertrag und entließ seine Söldnertruppen bei Stickhausen.<ref>Patze, Hans (1998): Geschichte Niedersachsens - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von der Reformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Hannover, S. 122</ref> Bereits am 5. Januar des Jahres verließen sie die Stadt Norden.<ref name=":0" /> | Die Bevölkerung reagierte auf die brutalen Übergriffe mit Abwehr- und Racheaktionen. Allmählich begannen die Verhältnisse in der Region sich zum offenen Kriegszustand zu entwickeln. Für die Niederländischen Generalstaaten als vorgebliche Schutzmacht waren die Zustände in Ostfriesland bald nicht mehr haltbar und so vermittelten sie, die die Truppen ja überhaupt ins Land geholt hatten, zwischen von Mansfeld und den Ostfriesischen Ständen, die bezeichnenderweise an Stelle des Grafen die Verhandlungen über die Bedingungen des Abzuges führten. Von Mansfeld, der durch die Verwüstung Ostfrieslands sich selbst seiner Basis beraubt hatte, verlangte dafür 300.000 Gulden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Mansfeld.pdf Biographie des Peter Ernst II. von Mansfeld] in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Diese Summe im Lande aufzubringen war nicht möglich. Schließlich boten die Niederländer an, den Ständen diese Summe vorzustrecken. Am 12. Januar 1624 unterschrieb Mansfeld den Abzugsvertrag und entließ seine Söldnertruppen bei Stickhausen.<ref>Patze, Hans (1998): Geschichte Niedersachsens - Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von der Reformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Hannover, S. 122</ref> Bereits am 5. Januar des Jahres verließen sie die Stadt Norden.<ref name=":0" /> | ||