Norder Fehngesellschaft: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 42: | Zeile 42: | ||
Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Als einer der ersten erkannte [[Popke Fegter|Direktor Fegter]] die Zeichen der Zeit, wenngleich er 1933 noch mit Stolz (und zu Recht) behauptete, dass die Fehngesellschaft der größte Arbeitgeber auf dem Lande sei.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Fegter_Popke.pdf Ramm, Heinz (1997): Biographie des Popke Fegter], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Zu dieser Zeit beschäftigte man immer noch 250 Mitarbeiter.<ref name=":1" /> | Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Als einer der ersten erkannte [[Popke Fegter|Direktor Fegter]] die Zeichen der Zeit, wenngleich er 1933 noch mit Stolz (und zu Recht) behauptete, dass die Fehngesellschaft der größte Arbeitgeber auf dem Lande sei.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Fegter_Popke.pdf Ramm, Heinz (1997): Biographie des Popke Fegter], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Zu dieser Zeit beschäftigte man immer noch 250 Mitarbeiter.<ref name=":1" /> | ||
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Torfgewinnung immer weiter ab und erreichte mit 1.100 Tonnen im Jahre 1964 einen relativen Tiefstand. Torf war als Brennstoff längst nicht mehr das gefragteste Produkt, sondern wurde seit den 1950er Jahren immer weiter durch Kohle aus dem prosperierenden Ruhrgebiet verdrängt. Die Gesellschaft löste sich daher langsam aber sicher auf. Das Kompaniehaus ging in den Besitz der Gemeinde Großheide über, die Kanäle wurden dem [[Entwässerungsverband Norden|Entwässerungsverband]] übertragen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 28</ref> Heute dienen die ehemaligen Gebiete der Fehngesellschaft vor allem der Naherholung und der Landwirtschaft. | Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Torfgewinnung immer weiter ab und erreichte mit 1.100 Tonnen im Jahre 1964 einen relativen Tiefstand. Torf war als Brennstoff längst nicht mehr das gefragteste Produkt, sondern wurde seit den 1950er Jahren immer weiter durch Kohle aus dem prosperierenden Ruhrgebiet verdrängt. Schon seit 1947 wurde kein Torf mehr über den Fehnkanal transportiert.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 41</ref> Die Gesellschaft löste sich daher langsam aber sicher auf. Das Kompaniehaus ging in den Besitz der Gemeinde Großheide über, die Kanäle wurden dem [[Entwässerungsverband Norden|Entwässerungsverband]] übertragen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 28</ref> Heute dienen die ehemaligen Gebiete der Fehngesellschaft vor allem der Naherholung und der Landwirtschaft. | ||
== Direktoren == | == Direktoren == | ||
Version vom 20. Oktober 2021, 14:07 Uhr
Norder Fehngesellschaft | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | 1790 |
| Auflösung | um 1970 |
| Rechtsform | Kapitalgesellschaft (KG)
Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) |
| Hauptsitz | Dorfstraße 35
26532 Großheide |
Die Norder Fehngesellschaft war ein Zusammenschluss von Norder Kaufleuten, die den gemeinsamen wirtschaftlichen Zweck verfolgten, Torf in den Hochmoorgebieten rund um das heutige Berumerfehn (damals Norderfehn) abzubauen. Torf war zu dieser Zeit das meistverbreitete Brennmaterial, Kohle wurde aufgrund ihrer schwereren Beschaffbarkeit und des höheren Preises erst wesentlich später genutzt.
Gegründet wurde die Gesellschaft um 1790 als Norder Fehn-Societaet von sieben Norder Kaufleuten. Einer der Hauptinitiatoren und der erste Direktor war Folkmar Lantzius, nach dem später auch die Lantziusstraße benannt wurde. Der wohl bekannteste Direktor war der einstige Bürgermeister der Sandbauerschaft und spätere Senator sowie Unternehmer Popke Fegter, der diesen Posten im Jahr 1915 wahrnahm.
Geschichte
Da die Norder Torfmoore erschöpften, gab es bereits um 1740 erste und seit 1769 konkrete Überlegungen zum Bau eines Kanals, um in dem relativ nahen Berumer Hochmoor Torf abzubauen. Bis dahin war die Stadt weitestgehend von Torfimporten aus dem Saterland und vor allem den Niederlanden abhängig, wo die Kaufmänner die Preise wegen ihrer Monopolstellungen diktierten.[1][2] Straßen waren zu dieser Zeit kaum vorhanden und wenn, dann kaum oder gar nicht befestigt. Zudem fehlten schlichtweg die Möglichkeiten, größere Lasten auf dem Erdweg zu transportieren. Über Jahrhunderte hinweg wurden in Ostfriesland Waren mit Booten und Kähnen über das weitverzweigte Fluss- und Kanalnetz befördert.
Im Mai 1794 konnte schließlich mit dem Bau des Fehnkanals begonnen werden, nachdem rund 1500 Hektar Moor in Pacht erworben werden konnten und alle rechtlichen Hürden überwunden waren. Im selben Jahr wurde auch der Ort Norderfehn gegründet und das Kompaniehaus erbaut, das Hauptsitz der Gesellschaft wurde. Zu den ersten Direktoren gehörten der Norder Uhrmacher Jacob Willms Uven (1735-1825), der von 1795 bis 1811 die Gesellschaft leitete und vorher als Wortführer der Fehn-Societät aufgetreten war, sowie Norder Kaufmann und Ziegler Folkmar Friedrich Wilhelm Lantzius, der bis 1820 amtierte und von Anfang an die treibende Kraft war. Beide gelten als die eigentlichen Gründer von Norderfehn, das später den Namen Berumerfehn erhielt, weil der Ort im damaligen Amt Berum lag.[3]
Unklare Eigentumsverhältnisse in den Moor- und Wildengebieten, die zum Teil gerichtlich geklärt werden mussten, ungenaue Grenzen, die Entschädigung der Betroffenen und Verschleppungen von Seiten der Kriegs- und Domänenkammer hatten den Baubeginn zuvor immer wieder verzögert. Hinzu kamen Probleme durch das Urbarmachungsedikt von 1765, durch das Friedrich der Große Ödländer, Heiden und Moore für sich in Besitz nahm. Ursprünglich verfolgte die preußische Regierung damit die Absicht, nicht besiedelte Gebiet wie Moore urbar zu machen und zu kultivieren. Die Fehngesellschaft stellte dieses Delikt jedoch vor Probleme, da sie weniger das Land urbar (bewohnbar) machen wollten, als dort nur den Torf abzubauen.
In einem 1794 geschlossenen Vertrag verpachtete der Nachfolger von Friedrich dem Großen, Friedrich Wilhelm II., die Moorflächen auf dem Gebiet des heutigen Berumerfehns an die Fehngesellschaft. Um die genauen Grenzen dieses Gebietes kam es zu einem langen Rechtsstreit, der erst 1875 mit einem Vergleich endete. Der preußische Staat hatte die umstrittenen Wilden inzwischen anderweitig vergeben, so dass die Norder Fehngesellschaft zum Ausgleich den etwa 37.500 ha großen Königskeil sowie eine in der Nähe liegende sogenannte Vergrößerungsfläche ersatzweise erhielt. Diese Fläche musste die Gesellschaft 1920 wegen neuer Gesetze in der Weimarer Zeit an den Staat verkaufen, der sie danach an die Ackerbaugesellschaft in Berlin zum Torfabbau verpachtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gebiet in den Besitz des Landes Niedersachsen über. Hier wurde noch bis 2013 Torfabbau durch ein Auricher Unternehmen betrieben.
1796/1797 wurde der erste Torf im Norder Hafen angelandet, in umgekehrter Richtung wurde vor allem Dünger (Seeschlick, Kleierde, Straßenkot und Brennereiabfälle) transportiert. Der Schlick wurde vor allem abgetorfte Landstücke zur Bodenverbesserung aufgeschüttet.[4] Die Kosten des Kanals betrugen 27.314 Reichsthaler, hinzu kamen Entwässerungsgräben, Brücken, Schleusen, Wege, Torfschiffe, Entschädigungen für Ländereien, sodass sich die Gesamtkosten auf gut 60.000 Taler beliefen.[4] Gebaut wurde der Kanal vor allem von Arbeitern aus dem Oldenburger Raum, da die Bürger Halbemonds, durch dessen Gebiet der Kanal in großen Teilen fließt, die entstehende Konkurrenz fürchteten und den Bau zu boykottieren versuchten. Auch Halbemond war damals noch Moorgebiet.
Die für den Transport notwendigen Schiffe wurden anfangs von der Gesellschaft selbst in einer betriebseigenen Werft nahe der Ölmühle in Bargebur gebaut und gewartet. Dort befand sich auch der Ausladeplatz für den Torf.[4]
Unter der Regie von Direktor Sicco Theodor van Hülst entstand 1894 im Berumerfehner Wald das große Denkmal mit den Namen der bis dahin tätigen Direktoren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Amtszeit von van Hülst jedoch unter keinem günstigen Stern. Die in den Geschäftsberichten der Fehngesellschaft immer wieder genannte Nässe des Bodens aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse beeinträchtigten die Torfgewinnung und die Erträge erheblich. 1906 hatte die Gesellschaft nichtsdestotrotz immer noch 160 Torfgräber beschäftigt.
Obwohl es vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges damit wieder aufwärts ging, belastete eine hohe Verschuldung die wirtschaftliche Lage auch weiterhin. Die Gesellschaft musste nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Ablösung der staatlichen Erbpacht auf sich nehmen, sondern beteiligte sich mit hohen finanziellen Aufwendungen auch am Chausseebau und an der Unterhaltung der Wege, Brücken und Schleusen in Berumerfehn. Manche Interessenten lasteten die Negativ-Bilanz ihrem Direktor an.[5]
Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Als einer der ersten erkannte Direktor Fegter die Zeichen der Zeit, wenngleich er 1933 noch mit Stolz (und zu Recht) behauptete, dass die Fehngesellschaft der größte Arbeitgeber auf dem Lande sei.[6] Zu dieser Zeit beschäftigte man immer noch 250 Mitarbeiter.[4]
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Torfgewinnung immer weiter ab und erreichte mit 1.100 Tonnen im Jahre 1964 einen relativen Tiefstand. Torf war als Brennstoff längst nicht mehr das gefragteste Produkt, sondern wurde seit den 1950er Jahren immer weiter durch Kohle aus dem prosperierenden Ruhrgebiet verdrängt. Schon seit 1947 wurde kein Torf mehr über den Fehnkanal transportiert.[7] Die Gesellschaft löste sich daher langsam aber sicher auf. Das Kompaniehaus ging in den Besitz der Gemeinde Großheide über, die Kanäle wurden dem Entwässerungsverband übertragen.[8] Heute dienen die ehemaligen Gebiete der Fehngesellschaft vor allem der Naherholung und der Landwirtschaft.
Direktoren
| Zeitraum | Vollständiger Name | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1790 - 1795 | Folkmar Lantzius | Gründungsdirektor |
| 1795 - 1811 | Jacob Willms Uven[3] | zuvor Sprecher (Wortführer) der Gesellschaft |
| 1811 - 1820 | Folkmar Lantzius | Gründungsdirektor |
| 1820 - ??? | unbekannt | |
| ??? - ??? | unbekannt | |
| ??? - ??? | Laurenz van Hülst | |
| 1881 - 1914 | Sicco Theodor van Hülst[3] | war zuvor mehrere Jahre stellvertretender Direktor |
| 1914 - 1915 | unbekannt | |
| 1915 - 1939 | Popke Fegter[9] | |
| 1939 - 1964 | unbekannt |
Einzelnachweise
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 26
- ↑ Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 47
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 27
- ↑ Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
- ↑ Ramm, Heinz (1997): Biographie des Popke Fegter, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
- ↑ Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 41
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 28
- ↑ Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874–1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden
Quellenverzeichnis
- Folkerts, Rudolf (1994): Der Fehnkanal - ein fast vergessener Wasserweg. In: Ostfreesland Kalender für Jedermann, Norden, S. 208
- Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Orsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)
- Historische Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft
- Beschreibung von Berumerfehn in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)