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'''Westermarsch II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 396 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020), die sich auf einer Fläche von rund 11,69 km² verteilen. Insbesondere der östliche Bereich ist heute stark mit [[Norddeich]] verwachsen, weshalb eigentlich in Westermarsch II befindliche Häuser und Straßen oftmals Norddeich zugerechnet werden.
'''Westermarsch II''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 396 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020), die sich auf einer Fläche von rund 11,69 km² verteilen. Insbesondere der östliche Bereich ist heute stark mit [[Norddeich]] verwachsen, weshalb eigentlich in Westermarsch II befindliche Häuser und Straßen oftmals Norddeich zugerechnet werden.
__TOC__
__TOC__
 
==Namensherkunft==
== Namensherkunft ==
Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den vorherrschenden Landschaftstyp des Ortes ([[Marsch]]) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen des [[Norderland|Norderlandes]] bzw. der [[Stadt Norden]]. Durch die römische Ziffer unterscheidet sich der Ort von [[Westermarsch I]].
Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den vorherrschenden Landschaftstyp des Ortes ([[Marsch]]) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen des [[Norderland|Norderlandes]] bzw. der [[Stadt Norden]]. Durch die römische Ziffer unterscheidet sich der Ort von [[Westermarsch I]].


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== Geografie ==
==Geografie==
Westermarsch II befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu [[Norddeich]] verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des [[Dörper Weg |Dörper Wegs]]. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse und Zugehörigkeiten zu einem [[Rott]] gehörten. In etwa kann man jedoch sagen, dass die südliche Grenze von Westermarsch II beim [[Lehmweg]] beginnt und sich dann in westliche Richtung bis [[Utlandshörn]] erstreckt.
Westermarsch II befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu [[Norddeich]] verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des [[Dörper Weg |Dörper Wegs]]. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse und Zugehörigkeiten zu einem [[Rott]] gehörten. In etwa kann man jedoch sagen, dass die südliche Grenze von Westermarsch II beim [[Lehmweg]] beginnt und sich dann in westliche Richtung bis [[Utlandshörn]] erstreckt.


Westermarsch II entspricht der alten [[Westermarsch II#Verwaltung|Rotteinteilung]] Rott 5 bis Rott 9, während [[Westermarsch I]] Rott 1 bis Rott 4 umfasst. ''[[Rott]]'' ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende Grenze zu Westermarsch I, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen. (siehe Abschnitt [[Westermarsch II#Verwaltung|Verwaltung]])
Westermarsch II entspricht der alten [[Westermarsch II#Verwaltung|Rotteinteilung]] Rott 5 bis Rott 9, während [[Westermarsch I]] Rott 1 bis Rott 4 umfasst. ''[[Rott]]'' ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende Grenze zu Westermarsch I, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen. (siehe Abschnitt [[Westermarsch II#Verwaltung|Verwaltung]])


== Geschichte ==
==Geschichte==
 
* siehe auch: [[Stadt Norden|Geschichte der Stadt Norden]]
* siehe auch: [[Stadt Norden|Geschichte der Stadt Norden]]
* siehe auch: [[Westermarsch I#Geschichte|Geschichte von Westermarsch I]]
* siehe auch: [[Westermarsch I#Geschichte|Geschichte von Westermarsch I]]
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Die [[Zweite Marcellusflut]], die auch als G''rode Mandränke'' (Großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] wieder dem Wasser abgewonnen werden konnten. Die im 9. Jahrhundert entstandene [[Leybucht]] gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde auch [[Leide]] genannt.
Die [[Zweite Marcellusflut]], die auch als G''rode Mandränke'' (Großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch [[Liste der Eindeichungen|Eindeichungen]] wieder dem Wasser abgewonnen werden konnten. Die im 9. Jahrhundert entstandene [[Leybucht]] gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde auch [[Leide]] genannt.


Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die [[Erste Dionysiusflut]], die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene, äußerst wohlhabende Dorf [[Neuwesteel|Westeel]] wurde sogar gänzlich zerstört und infolge dessen aufgegeben. Die Leide ''verschwand,'' als die Leybucht ihre größte Ausdehnung erhielt. Durch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche Eindeichungen]] in den Folgejahrhunderten entstand das [[Norder Tief]] aus der Leybucht.
Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]], die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene, äußerst wohlhabende Dorf [[Westeel]] wurde sogar gänzlich zerstört und infolge dessen aufgegeben. Die Leide ''verschwand,'' als die Leybucht ihre größte Ausdehnung erhielt. Durch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche Eindeichungen]] in den Folgejahrhunderten entstand das [[Norder Tief]] aus der Leybucht.


Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]] in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief|Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]].
Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]] in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief|Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]].
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===Neuzeit===
===Neuzeit===
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618 bis 1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können.
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618 bis 1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können.
Zur Zeit der [[Westermarscher Seedeich|Bedeichung]] war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der Westermarsch in neun Rotten<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>


Bei der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im [[Westermarscher Seedeich|Seedeich]]. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft [[Itzendorf]] wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die ''Itzendorfplate'', eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in [[Utlandshörn]] und in Norden endend.
Bei der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im [[Westermarscher Seedeich|Seedeich]]. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft [[Itzendorf]] wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die ''Itzendorfplate'', eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in [[Utlandshörn]] und in Norden endend.
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==Verwaltung==
==Verwaltung==
* siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]
* siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]
* siehe auch: [[Rotteinteilung der Westermarsch]]
* siehe auch: [[Rotteinteilung der Westermarsch]]
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* [[Wachthaus (Westermarsch II)|Wachthaus]]
* [[Wachthaus (Westermarsch II)|Wachthaus]]


== Einzelnachweise ==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />


== Quellenverzeichnis ==
==Quellenverzeichnis==
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Westermarsch_II.pdf Beschreibung von Westermarsch II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Westermarsch_II.pdf Beschreibung von Westermarsch II] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]


== Siehe auch ==
==Siehe auch==
 
* [[Westermarsch I]]
* [[Westermarsch I]]


[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Westermarsch II]]
[[Kategorie:Westermarsch II]]