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Ein '''Zunft- und Gildewesen''' hat es auch in Norden gegeben. Die unterschiedlichen Kaufmanns- bzw. Handwerksberufe fanden sich in diesen zusammen. In Bezug auf erstere ist in der Regel von Gilden die Rede, während man bei handwerklichen Berufen eher von Zünften sprach. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch nur das Wort ''Zunft'' durch, weshalb beide Wesen auch in diesem Artikel zusammengefasst werden.
Ein '''Zunft- und Gildewesen''' hat es auch in Norden gegeben. Die unterschiedlichen Kaufmanns- bzw. Handwerksberufe fanden sich in diesen zusammen. In Bezug auf erstere ist in der Regel von Gilden die Rede, während man bei handwerklichen Berufen eher von Zünften sprach. Aus Gründen der Vereinfachung wurden beide Wesen in diesem Artikel zusammengefasst.


Den Vorsitzenden eine Zunft nennt man - im Gegensatz zu den anderen Meistern - Obermeister. Ein der Bäckerzunft bzw. -innung vorsitzender Bäckermeister wurde daher beispielsweise als ''Bäckerobermeister'' bezeichnet.
Den Vorsitzenden einer Zunft nennt man Obermeister. Ein der Bäckerzunft vorsitzender Bäckermeister wurde daher beispielsweise als ''Bäckerobermeister'' bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde von den ''Innungen'' übernommen, nachdem die Zünfte im Zuge der Gewerbefreiheit im Königreich Preußen ab 1810 verschwanden und seit dem 18. Juli 1881 ihre neue Bezeichnung erhielten.


Sämtliche Straßen im [[Gewerbegebiet Leegemoor]] tragen die Bezeichnung alter Berufe, die größtenteils in Zünften zusammengeschlossen waren. Aber auch außerhalb dieses Gebietes finden sich alte Berufsbezeichnungen wieder, so etwa bei der [[Weberslohne]] oder die [[Schmiedestraße]].
Sämtliche Straßen im [[Gewerbegebiet Leegemoor]] tragen die Bezeichnung alter Berufe, die größtenteils in Zünften zusammengeschlossen waren. Aber auch außerhalb dieses Gebietes finden sich alte Berufsbezeichnungen wieder, so etwa bei der [[Weberslohne]] oder der[[Schmiedestraße]].


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Die älteste Nachricht von einer Norder Zunftrolle datiert auf den 23. Januar 1589, als [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] die Handwerksrolle der Norder Goldschmiede anerkennt und bestätigt. Hierbei nimmt er ausdrücklich Bezug auf die bereits von seinem Großvater [[Edzard Cirksena|Edzard dem Großen]] (1462 - 1528) verliehene Rolle.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 59</ref> Daher ist anzunehmen, dass es Zunftrollen mindestens im späten 15. bzw. frühen 16. Jahrhundert gegeben hat. Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt indes aus dem Jahr 1553 und ist auf den 27. September des Jahres datiert. Sie ist jedoch nicht mehr im Original erhalten, sondern nur in einer von [[Hermannus Conerus]] beglaubigten Abschrift.<ref name=":1" /> In der Zunftrolle wurden vor allem auch Rechte und Pflichten ihrer Mitglieder festgeschrieben, so hatten etwa die Brauer die Beschaffenheit und Sauberkeit ihrer Bierfässer regelmäßig zu prüfen.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Regelmäßig stellten die Zunftmitglieder ihre schönsten Handwerksstücke öffentlich bei Paraden und Umzügen zur Schau.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 230</ref>
Die älteste Nachricht von einer Norder Zunftrolle datiert auf den 23. Januar 1589, als [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] die Handwerksrolle der Norder Goldschmiede anerkennt und bestätigt. Hierbei nimmt er ausdrücklich Bezug auf die bereits von seinem Großvater [[Edzard Cirksena|Edzard dem Großen]] verliehene Rolle.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 59</ref> Daher ist anzunehmen, dass es Zunftrollen mindestens im späten 15. bzw. frühen 16. Jahrhundert gegeben hat. Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt indes aus dem Jahr 1553 und ist auf den 27. September des Jahres datiert. Sie ist jedoch nicht mehr im Original erhalten, sondern nur in einer von [[Hermannus Conerus]] beglaubigten Abschrift.<ref name=":1" /> In der Zunftrolle wurden vor allem auch Rechte und Pflichten ihrer Mitglieder festgeschrieben, so hatten etwa die Brauer die Beschaffenheit und Sauberkeit ihrer Bierfässer regelmäßig zu prüfen.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Regelmäßig stellten die Zunftmitglieder ihre schönsten Handwerksstücke öffentlich bei Paraden und Umzügen zur Schau.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 230</ref>


Da Norden anderen Städten, wie beispielsweise Emden, im wirtschaftlichen Leben stets nachstand, gab es hier auch nicht annähernd so viele Zünfte wie dort. Auch war es üblich, dass sich mehrere miteinander ähnliche Berufe zu einer Zunft zusammenschlossen, so etwa die Kramer (Händler) und die (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler), zu denen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) häufig auch Apotheker und sogar Goldschmiede kamen. Vielen Zünften war indes nur eine kurze Existenz beschieden. Die Goldschmiede und die Brauer konnten sich beispielsweise nur wenige Jahrzehnte in einer eigenen Gilde organisieren bzw. halten. Bereits vor 1535 scheint es auch eine Schlachterzunft gegeben zu haben.<ref name=":1" />
Da Norden anderen Städten, wie beispielsweise Emden, im wirtschaftlichen Leben stets nachstand, gab es hier auch nicht annähernd so viele Zünfte wie dort. Auch war es üblich, dass sich mehrere miteinander ähnliche Berufe zu einer Zunft zusammenschlossen, so etwa die Kramer (Händler) und die (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler), zu denen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) häufig auch Apotheker und sogar Goldschmiede kamen. Vielen Zünften war indes nur eine kurze Existenz beschieden. Die Goldschmiede und die Brauer konnten sich beispielsweise nur wenige Jahrzehnte in einer eigenen Gilde organisieren bzw. halten. Bereits vor 1535 scheint es auch eine Schlachterzunft gegeben zu haben.<ref name=":1" />