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==Geschichte==
==Geschichte==
===Anfänge des Feuerlöschwesens===
===Anfänge des Feuerlöschwesens===
Die Geschichte des Feuerlöschwesen in Norden geht zurück auf die [[Brandordnung]] von 1783, welche der Stadt unter preußischer Herrschaft von Kaiser Friedrich dem Großen auferlegt wurde. Die Brandordnung regelte erstmal das Verhalten der Norder Bevölkerung bei einem Brandfall und enthielt grundsätzliche Vorschriften für den Brandschutz. So wurde beispielsweise jeder Haushalt gesetzlich verpflichtet, einen Löscheimer vorzuhalten und jeder Bürger hatte im Brandfall umgehend Hilfe zu leisten. Im Bereich des heutigen [[Hotel Reichshof|Hotels Reichshof]] wurde ein [[Spritzenhäuser|Spritzenhaus]] eingerichtet.
Die Geschichte des Feuerlöschwesens in der [[Stadt Norden]] geht auf die [[Brandordnung|Brandordnung von 1783]] zurück, welche der Stadt unter preußischer Herrschaft von Friedrich dem Großen auferlegt wurde. Die Brandordnung regelte erstmal das Verhalten der Norder Bevölkerung bei einem Brandfall und enthielt grundsätzliche Vorschriften für den Brandschutz. So wurde beispielsweise jeder Haushalt gesetzlich verpflichtet, einen Löscheimer vorzuhalten und jeder Bürger hatte im Brandfall umgehend Hilfe zu leisten.


Die erste Löschspritze der Stadt wurde in Amsterdam erworben und verfügte über einen ca. 20 Meter langen Schlauch.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172</ref> Das [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus]] neben dem [[Glockenturm]] auf dem [[Marktplatz]] wurde später ebenfalls zu einem Spritzenhaus umfunktioniert. Im Jahr 1806 wurde ein weiteres Spritzenhaus in der [[Dammstraße]] erbaut. Von einer geordneten, ausgebildeten Feuerwehr war die Stadt indes noch weit entfernt.
Im Bereich des heutigen [[Hotel Reichshof|Hotels Reichshof]] wurde ein [[Spritzenhäuser|Spritzenhaus]] eingerichtet. Die erste Löschspritze der Stadt wurde in Amsterdam erworben und verfügte über einen ca. 20 Meter langen Schlauch.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172</ref> Das [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus]] neben dem [[Glockenturm]] auf dem [[Marktplatz]] wurde später ebenfalls zu einem Spritzenhaus umfunktioniert. Im Jahr 1806 wurde ein weiteres Spritzenhaus in der [[Dammstraße]] erbaut. Von einer geordneten, ausgebildeten Feuerwehr war die Stadt indes noch weit entfernt.


=== Gründungsgeschichte ===
=== Gründungsgeschichte ===
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Geführt wurde die Feuerwehr von einem Kommandanten im Range eines Hauptmanns und seinem Stellvertreter. Dem Hauptmann und seinem Stellvertreter unterstand der Vorstand, der von einem Vorstandsvorsitzenden und einem Stellvertreter geführt wurde. Diesem gehörte auch der Schrift- und Rechnungsführer an. In ihrer Gesamtheit wurden und werden Vorstand und Wehrführung auch ''Stadtkommando'' (kurz: ''Kommando'') genannt.
Geführt wurde die Feuerwehr von einem Kommandanten im Range eines Hauptmanns und seinem Stellvertreter. Dem Hauptmann und seinem Stellvertreter unterstand der Vorstand, der von einem Vorstandsvorsitzenden und einem Stellvertreter geführt wurde. Diesem gehörte auch der Schrift- und Rechnungsführer an. In ihrer Gesamtheit wurden und werden Vorstand und Wehrführung auch ''Stadtkommando'' (kurz: ''Kommando'') genannt.


Jedes ''Einsatzfahrzeug'' stellte einen Zug dar, dessen Bezeichnung man hier anfangs sinnbildlich verstehen kann, da diese zunächst aus von Hand oder Pferden zu ziehenden Kutschen oder Anhängern bestanden.
Jedes ''Einsatzfahrzeug'' stellte einen Zug dar, dessen Bezeichnung man hier anfangs sinnbildlich verstehen kann, da diese zunächst aus von Hand oder Pferden zu ziehenden Kutschen oder Anhängern bestanden. Jeder Zug, jeweils geführt von einem Zugführer, war wiederum einer von drei Abteilungen zugeordnet, geführt von einem Abteilungsführer. Es gab eine eine ''Steigerabteilung'', eine ''Spritzenabteilung'' und eine ''Ordnungsabteilung''. Über die Zuteilung der Einsatzkräfte zu den einzelnen Abteilungen entschied der Vorstand, wobei die persönlichen Fähigkeiten und die Entfernung vom Wohnhaus zum nächstgelegenen Spritzenhaus von entscheidender Bedeutung waren. Der Hauptmann hatte stets ein besonderes Veto- oder gar Alleinbestimmungsrecht.


Jeder Zug, jeweils geführt von einem Zugführer, war wiederum einer von drei Abteilungen zugeordnet, geführt von einem Abteilungsführer. Es gab eine eine ''Steigerabteilung'', eine ''Spritzenabteilung'' und eine ''Ordnungsabteilung''. Über die Zuteilung der Einsatzkräfte zu den einzelnen Abteilungen entschied der Vorstand, wobei die persönlichen Fähigkeiten und die Entfernung vom Wohnhaus zum nächstgelegenen Spritzenhaus von entscheidender Bedeutung waren. Der Hauptmann hatte stets ein besonderes Veto- oder gar Alleinbestimmungsrecht.
Die Steigerabteilung hatte die Aufgabe des heutigen ''Angriffstrupps''. Die Angehörigen sollten in das Brandobjekt ''steigen'', um dort die Brandbekämpfung sowie Rettung von Menschen, Tieren und bedeutenden Sachgütern vorzunehmen. Die Spritzenabteilung war zuständig für die Bedienung der Pumpen und der Wasserförderung. Ihre Aufgabe war somit mit denen des heutigen ''Wassertrupps'' sowie des ''Schlauchtrupps'' vergleichbar. Die Ordnungsabteilung hatte für Ordnung an der Einsatzstelle zu sorgen, diese von Zuschauern freizuhalten und gerettete Sachwerte zu bewachen. Weiterhin stellte sie Sanitäter und Musiker (für feierliche Anlässe) sowie die ''Alarmhornisten''. Letztere eilten im Brandfall durch die Stadt und blusen Alarmhörner zur Alarmierung der Einsatzkräfte und Warnung der Bevölkerung. Auf alten Bildern ist zu erkennen, dass die Ordnungsabteilung vorwiegend aus Männern mittleren bis fortgeschrittenen Alters bestand, während insbesondere in der Steiger- und Spritzenabteilung eher jüngere Generationen vertreten sind.


Die Steiger- und die Spitzenabteilung wählten aus ihren Reihen einen auf drei Jahre amtierenden ''Obersteiger'' bzw. ''Oberspritzenmann'' als Abteilungsführer. Der Abteilungsführer der Ordnungsabteilung hingegen wurden vom Vorstand ernannt. Im Verhinderungsfalle des Kommandanten und dessen Stellvertreter oblag die Wehrführung dem Dienstältesten ''Obersteiger''. Die Spritzenabteilung bestimmte zudem einen Spritzenmeister, der verantwortlich für je eine Spritzenpumpe war.
Die Steiger- und die Spitzenabteilung wählten aus ihren Reihen einen auf drei Jahre amtierenden ''Obersteiger'' bzw. ''Oberspritzenmann'' als Abteilungsführer. Der Abteilungsführer der Ordnungsabteilung hingegen wurden vom Vorstand ernannt. Im Verhinderungsfalle des Kommandanten und dessen Stellvertreter oblag die Wehrführung dem Dienstältesten ''Obersteiger''. Die Spritzenabteilung bestimmte zudem einen Spritzenmeister, der verantwortlich für je eine Spritzenpumpe war. Zudem trugen die Züge innerhalb dieser Züge je nach Aufgabe die Bezeichnung ''Spritzenzug'' (bedienen die Spritze) und ''Zubringerzug'' (bringen das Wasser zur Spritze).


Im Jahre 1911 stellte sich die Gliederung der Wehr wie folgt dar:
Beachtenswert ist, dass die Norder Wehr von Anfang an auch für den Brandschutz in den noch bis 1972 eigenständigen Gemeinden [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]] und der [[Sandbauerschaft]] zuständig war. Für den Brandschutz dort waren primär der 5. Zug und 6. Zug vorgesehen, die deshalb jeweils südlich und nördlich der Kernstadt stationiert waren, während alle anderen Züge sich im innerstädtischen Bereich konzentrierten. Bei Bedarf durften auch der 1. Zug, der 3. Zug sowie der 7. Zug unterstützen, während alle anderen Züge mitsamt ihrer Gerätschaften in der Stadt zu verbleiben hatten, um den städtischen Brandschutz nicht zu gefährden. Anders herum war der Einsatz des 6. Zugs nur auf besonderen Befehl innerhalb der Stadtgrenzen vorgesehen.


'''Steigerabteilung:'''
=== Abteilungen im Jahr 1886 ===
'''Steigerabteilung'''


Die Steigerabteilung hatte die Aufgabe des heutigen ''Angriffstrupps''. Die Angehörigen sollten in das Brandobjekt ''steigen'', um dort die Brandbekämpfung sowie Rettung von Menschen, Tieren und bedeutenden Sachgütern vorzunehmen. Die Abteilung umfasste den 1. bis 3. Zug nebst Ausrüstung:
* 1. Zug: Eine mechanische, fahrbare Feuerleiter (16 Meter) und mehrere Handleitern
** Standort: [[Spritzenhaus (Marktplatz)|Spritzenhaus am Glockenturm]]


* 1. Zug: Eine mechanische, fahrbare Feuerleiter (16 Meter) und mehrere Handleitern - Standort: [[Spritzenhaus (Marktplatz)|Spritzenhaus am Glockenturm]]
'''Spritzenabteilung'''


* 2. und 3. Zug mit einer Mannschaftstransportkutsche.
* 2. Zug: Eine große Feuerlöschspritze (Hauptspritze) und ein Gerätewagen
** Standort: [[Spritzenhaus (Marktplatz)|Spritzenhaus am Glockenturm]]


'''Spritzenabteilung:'''
* 3. Zug: Ein Zubringer- und ein Schlauchwagen
** Standort: [[Spritzenhaus (Marktplatz)|Spritzenhaus am Glockenturm]]
* 4. Zug: Eine mittelgroße Spritze und ein Schlauchwagen
** Standort: [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus am Rathaus]]
* 5. Zug: Eine kleine und eine große Feuerlöschspritze sowie ein Schlauchwagen
** Standort. [[Spritzenhaus (Dammstraße)|Spritzenhaus an der Dammstraße]]
* 6. Zug: Eine große und eine mittlere Feuerlöschspritze sowie ein Gerätewagen
** Standort: [[Spritzenhaus (Kleine Mühlenstraße)|Spritzenhaus an der Gewerbeschule]]


Die Spritzenabteilung war zuständig für die Bedienung der Pumpen und der Wasserförderung.
'''Ordnungsabteilung'''


* 4. Zug mit Handdruckspritze und Gerätewagen
* 7. Zug: Ordnungsmannschaften
* 5. Zug mit Handdruckspritze und Dampfdruckspritze
* 6. Zug mit Handdruckspritze.


'''Ordnungsabteilung:'''
=== Abteilungen im Jahr 1911 ===
'''Steigerabteilung'''
* 1. Zug: Eine mechanische, fahrbare Feuerleiter und mehrere Handleitern


Die Ordnungsabteilung hatte für Ordnung an der Einsatzstelle zu sorgen, diese von Zuschauern freizuhalten und gerettete Sachwerte zu bewachen. Weiterhin hatte die Ordnungsabteilung die Aufgabe, die "Alarmhornisten" zu stellen. Diese eilten im Brandfall eine Alarmhupe betätigend durch die Stadt, um die Einsatzkräfte zu alarmieren.
* 2. und 3. Zug: Eine Mannschaftstransportkutsche
'''Spritzenabteilung'''


7. Zug mit Mannschaftstransportkutsche.
* 4. Zug: Eine Handdruckspritze und ein Gerätewagen
* 5. Zug: Eine Handdruckspritze und eine Dampfdruckspritze
* 6. Zug: Eine Handdruckspritze


Auf alten Bildern ist zu erkennen, dass die Ordnungsabteilung vorwiegend auf Männern mittleren bis fortgeschrittenen Alters bestand, während insbesondere in der Steiger- und Spritzenabteilung eher jüngere Generationen vertreten sind.
'''Ordnungsabteilung'''
 
* 7. Zug: Eine Mannschaftstransportkutsche


==Heutige Organisation==
==Heutige Organisation==