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==Wirtschaft und Infrastruktur==
==Wirtschaft und Infrastruktur==


* siehe auch: [[Stadt Norden#Wirtschaft|Wirtschaft der Stadt Norden]]
=== Fischerei und Landwirtschaft ===
Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Bekannt ist, dass von Norddeich aus um 1888 sieben Schaluppen auf Schellfischfang gingen und auch ''Argenfischerei'' betrieben wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 167</ref> Hierzu wurden auf einer Sandbank bis zu 800 Meter lange Buschzäune errichtet, die zu einem spitzen Winkel zusammenliefen und an dessen Ende Fangnetze (sogenannte ''Argen'') aufgestellt waren. Bei Ebbstrom verfingen sich dadurch Schollen, Butte und andere Fische in den Netzen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 302</ref> 1920 wurde Norddeich bereits mit 14 Schiffen befischt. Darunter befanden sich zwei 160 PS starke Dampfer, drei Kutter und vier hölzerne Schaluppen mit einem nur 12 bis 20 starken Hilfsmotor.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref>


Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Bekannt ist, dass von Norddeich aus um 1888 sieben Schaluppen auf Schellfischfang gingen und auch Argenfischerei betrieben wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 167</ref> Hierzu wurden auf einer Sandbank bis zu 800 Meter lange Buschzäune errichtet, die zu einem spitzen Winkel zusammenliefen und an dessen Ende Fangnetze (sogenannte ''Argen'') aufgestellt waren. Bei Ebbstrom verfingen sich dadurch Schollen, Butte und andere Fische in den Netzen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 302</ref> Muschelfang wird traditionell südlich von Borkum und nahe der Vogelinsel Memmert betrieben. Von Bedeutung war lange Zeit auch das Krabben- bzw. Granatpulen, das noch bis in die 1990er Jahre einer dreistelligen Personenzahl ein Einkommen bescherte.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 303</ref> Heute wird der vor Norddeich gefangene Granat jedoch irrsinnigerweise überwiegend in Marokko gepult und dann wieder zurück nach Deutschland verschifft.
In der frühen Nachkriegszeit wurden die Norddeicher Fischer nach Norderney beordert, um dort umfangreichen Fischfang zu betreiben. Die Nahrungsmittelknappheit war groß, auch die ''Frisia V'' der [[Reederei Frisia]] wurde für den Fischfang eingesetzt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref> Die gefangenen Fische wurden von der Britischen Militärregierung in den Regionen entlang des westlichen Niedersachsens bis nach Osnabrück verteilt. Da die Fischgründe sich in der Kriegszeit erheblich erholen konnte, da viele Kutter als Hilfskreuzer von der Wehrmacht beschlagnahmt wurden, war die Ausbeute konnte und man konnte Fische sogar eine Zeit mit den Händen in den Prielen fangen.<ref name=":0" />


Nach der Währungsreform von 1948 begannen die Norddeicher Fischer mit der industriellen Verarbeitung von Krabben (Granat).<ref name=":0" /> Lange Zeit war auch das das Krabben- bzw. Granatpulen von Bedeutung, das noch bis in die 1990er Jahre einer dreistelligen Personenzahl ein Einkommen bescherte.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 303</ref> Heute wird der vor Norddeich gefangene Granat jedoch irrsinnigerweise, aber kostengünstiger in Marokko, Tunesien und Polen gepult und dann wieder zurück nach Deutschland verschifft.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 171</ref>
Von etwa 1935 bis in die 1970er Jahre wurde auch Sardellenfischerei betrieben, dann jedoch wegen mangelnder Ausbeute eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 170</ref> Muschelfang wurde und wird traditionell südlich von Borkum und nahe Memmert betrieben, wo die Bedingungen für das Wachstum der Muscheln günstig sind.<ref name=":0" />
=== Tourismus ===
Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen.
Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen.