Norddeicher Hafen: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 35: | Zeile 35: | ||
Lange Zeit war der [[Norder Hafen]] der bedeutendste der Stadt. Spätestens nach dessen zunehmender Verlandung und schließlich dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] endete dessen Bedeutung für die Stadt, während die des Norddeicher Hafens zunahm. Im engeren Sinne hatte Norden seit 1929 keinen Seehafen mehr, ehe Norddeich 1972 nach Norden eingemeindet wurde. Das letzte größere Schiff, der Dreimastschoner ''Antje'' verließ den Norder Hafen im Jahre 1932.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> | Lange Zeit war der [[Norder Hafen]] der bedeutendste der Stadt. Spätestens nach dessen zunehmender Verlandung und schließlich dem Bau des [[Leybuchtsiel|Leybuchtsiels]] endete dessen Bedeutung für die Stadt, während die des Norddeicher Hafens zunahm. Im engeren Sinne hatte Norden seit 1929 keinen Seehafen mehr, ehe Norddeich 1972 nach Norden eingemeindet wurde. Das letzte größere Schiff, der Dreimastschoner ''Antje'' verließ den Norder Hafen im Jahre 1932.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> | ||
Vor dem Bau des heutigen Norddeicher Hafens befand sich seit spätestens 1640 eine An- und Ablegestelle bei [[Itzendorf]]. Der Ort musste jedoch nach der schwerwiegenden [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] aufgegeben werden, was dazu führte, dass die Fischerboote von nun an ''am Norddeich'', also dem nördlich von Norden gelegenen Deich, an- und ablegten.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 297</ref> Zu dieser Zeit verlief der | Vor dem Bau des heutigen Norddeicher Hafens befand sich seit spätestens 1640 eine An- und Ablegestelle bei [[Itzendorf]]. Der Ort musste jedoch nach der schwerwiegenden [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] aufgegeben werden, was dazu führte, dass die Fischerboote von nun an ''am Norddeich'', also dem nördlich von Norden gelegenen Deich, an- und ablegten.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 297</ref> Zu dieser Zeit verlief der [[Lintelermarscher Seedeich|Seedeich]] noch etwa mittig des heutigen Ortskerns, als ungefähre Anhaltspunkte zur Deichlinie kann der [[Hattermannsweg]] betrachtet werden. Spätestens ab 1780 wurde im ehemaligen Itzendorf ein rund 20 Meter langer Nachfolgebau für den alten Itzendorfer Hafen, der bis 1840 genutzt wurde, errichtet. In der Peripherie entstand die Siedlung [[Fischerhausen|''Fischerhausen am Norddeiche'']].<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 48</ref> Als Richtweiser für die Schiffe diente ein einfaches Anseglungs- bzw. Richtfeuer.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 159</ref> | ||
Offiziell | Offiziell wurde ''Norddeich'' als Abfahrtsort nach Norderney erstmalig im Jahre 1824 genannt, existiert hat ein (bedarfsorientierter) Fährbetrieb jedoch spätestens seit 1797 nach Norderney und seit 1789 nach Juist.<ref name=":0" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 301</ref> Genutzt wurden kleine Segelschiffe, die jedoch nur bei Flut auslaufen konnten.<ref name=":0" /><ref name=":4" /> Die Schiffe wurden von einfachen Bootsbesitzern betrieben, die zumeist unregelmäßig verkehrten.<ref name=":4" /> Erst ab 1830 verlief der Fährbetrieb geordnet und regelmäßig.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 302</ref> Die Standortwahl für den Hafen war wohl vor allem dem Verlauf des ''Busetiefs'', einer von fünf Seegatten (Strömungsrinnen) zwischen Norddeich sowie den Inseln Norderney und Juist, zu verdanken.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 158</ref> | ||
Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die [[Dampfschiffsrhederei Norden]] zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte ''Schlenge'' (erbaut 1835).<ref name=":1" /><ref name=":2" /> Diese Landungsbrücke kann man sich wie eine etwas breite Buhne vorstellen, die mit Holzbrettern zu einem Steg erweitert wurde. Bei (schweren) Sturmfluten wurde die Schlenge nicht selten beschädigt, da sie in der offenen Nordsee lag.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 298</ref> Erst 1892 | Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die [[Dampfschiffsrhederei Norden]] zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte ''Schlenge'' (erbaut 1835).<ref name=":1" /><ref name=":2" /> Diese Landungsbrücke kann man sich wie eine etwas breite Buhne vorstellen, die mit Holzbrettern zu einem Steg erweitert wurde. Bei (schweren) Sturmfluten wurde die Schlenge nicht selten beschädigt, da sie in der offenen Nordsee lag.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 298</ref> Erst 1892 bzw. 1893 wurde der Hafen erstmals (einigermaßen) befestigt, doch erst um 1936 wurden Wellenbrecher verbaut, um den Hafen vor der brandenden Flut zu schützen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 310</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 330</ref> Der Ausbau des Hafens bis 1893 war eng verbunden mit dem Bau des [[Bahnhof Norddeich-Mole|Bahnhofs Norddeich-Mole]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 160</ref> | ||
Gegen Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] plante die Wehrmacht die Zerstörung des Hafens, um den Alliierten diese wichtige Infrastruktur nicht in die Hände fallen zu lassen.<ref name=":0" /> Glücklicherweise kam es hierzu nicht. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. In den Folgejahren | Gegen Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] plante die Wehrmacht die Zerstörung des Hafens, um den Alliierten diese wichtige Infrastruktur gemäß des ''Nerobefehls'' nicht in die Hände fallen zu lassen.<ref name=":0" /> Glücklicherweise kam es hierzu nicht. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. In den Folgejahren investierte sie selbst nicht unerhebliche Summen in die Hafeninfrastruktur, hinzu kamen besonders ab den 1950er Jahren auch öffentliche Mittel. Als einer der ersten Bereiche wurde die Mole saniert.<ref name=":3">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 88</ref> | ||
1962 | 1962 nahm die Frisia einen fahrplanmäßigen Autofährverkehr auf. Zunächst wurden die Autos noch mit Kränen an und von Bord gehievt, ab 1972 erbaute die Reederei dann erstmals eine Landungsbrücke an der Mole, ehe sie 1992 im Osthafen eine weitere errichtete. 1998 folgte eine dritte Hubbrückenanlage.<ref name=":3" /> Seit den 1970er Jahren wurde die Insel Baltrum nicht mehr von Norddeich, sondern von Neßmersiel angefahren. | ||
Von 1972 bis 1986 wurden die Seedeichee und damit einhergehend auch der Norddeicher Hafen in mehreren Teilschritten erweitert und verstärkt; so entstand der westliche Hafenschutzdamm.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Rose.pdf Basse-Soltau, Ursula (2001): Biographie des Karl von Rose], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Durch die westliche Eindeichung des Hafens (Westhafen) entstand eine geschützte Fläche, die sich als potentieller Yachthafen eignen würde. So gelang es dem bis dahin im Osthafen ansässigen [[Yacht-Club Norden]] 1983, die Auflagen der Bezirksregierung Weser-Ems zu erfüllen und sich hier neu anzusiedeln. Das erforderliche Geld konnte jedoch erst durch den Verkauf von Bootsliegeplätzen eingenommen werden. Die Anlage des Yachthafens wurde nachfolgend aus weitestgehend eigenen Mitteln und eigener Arbeitskraft bewerkstelligt. Nach zähen Verhandlungen mit den Behörden konnte | Von 1972 bis 1986 wurden die Seedeichee und damit einhergehend auch der Norddeicher Hafen in mehreren Teilschritten erweitert und verstärkt; so entstand der westliche Hafenschutzdamm.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Rose.pdf Basse-Soltau, Ursula (2001): Biographie des Karl von Rose], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Durch die westliche Eindeichung des Hafens (Westhafen) entstand eine geschützte Fläche, die sich als potentieller Yachthafen eignen würde. So gelang es dem bis dahin im Osthafen ansässigen [[Yacht-Club Norden]] im Jahre 1983, die Auflagen der Bezirksregierung Weser-Ems zu erfüllen und sich hier neu anzusiedeln. Das erforderliche Geld konnte jedoch erst durch den Verkauf von Bootsliegeplätzen eingenommen werden. Die Anlage des Yachthafens wurde nachfolgend aus weitestgehend eigenen Mitteln und eigener Arbeitskraft bewerkstelligt. Nach zähen Verhandlungen mit den Behörden konnte 1996, nachdem klar war, dass der reguläre Schiffsverkehr weitestgehend in den Osthafen verlagert werden würde, das neue Clubhaus an seiner bis heute bestehenden Örtlichkeit errichtet werden. Die dort befindliche Gastronomie wird seit 1998 verpachtet.<ref name=":02">[https://yacht-club-norden.de/der-verein Geschichte des Yacht-Clubs Norden], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> | ||
Von 1988 bis 1998 | Von 1988 bis 1998 wurde die [[Mole Norddeich|Mole]] abermals verstärkt, erhöht und auch verlängert.<ref name=":3" /> Zuvor wurde bereits der [[Lintelermarscher Seedeich]] erheblich verstärkt. | ||
== Gliederung == | == Gliederung == | ||