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Kurz nachdem er bereits bei der Gründung der [[Landwirtschaftsschule]] eine tragende Rolle gespielt hatte, wandte sich [[Adolf Wegner|Dr. Adolf Wegner]] im Jahre 1878 in einer Annonce im [[Ostfriesischer Kurier]] an die örtlichen Bauern mit der Aufforderung, sich genossenschaftlich zu vereinigen, um die Absatzmöglichkeiten und die Produktqualität zu erhöhen. Gängige Praxis war, dass die Bauern ihre Milchprodukte auf ihren Höfen selbst verarbeiteten, was zu sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen führte. Maßgeblich für die Gründung einer Molkerei war die Erfindung der industriellen Butterherstellung im selben Jahr durch den Schweden Carl Gustav Patrik de Laval.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 256</ref>
Kurz nachdem er bereits bei der Gründung der [[Landwirtschaftsschule]] eine tragende Rolle gespielt hatte, wandte sich [[Adolf Wegner|Dr. Adolf Wegner]] im Jahre 1878 in einer Annonce im [[Ostfriesischer Kurier]] an die örtlichen Bauern mit der Aufforderung, sich genossenschaftlich zu vereinigen, um die Absatzmöglichkeiten und die Produktqualität zu erhöhen. Gängige Praxis war, dass die Bauern ihre Milchprodukte auf ihren Höfen selbst verarbeiteten, was zu sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen führte. Maßgeblich für die Gründung einer Molkerei war die Erfindung der industriellen Butterherstellung im selben Jahr durch den Schweden Carl Gustav Patrik de Laval.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 256</ref>


Am 26. November 1878 kamen Wegner sowie 19 Landwirte in der [[Marxsche Bierhalle|Marxschen Bierhalle]] zusammen und konstituierten die ''Molkereigenossenschaft Norden''. Die Bauern konnten zusammen 109 Milchkühe vorweisen, aus deren Milch man ab dem 30. März 1880 gemeinschaftlich bzw. genossenschaftlich Milchprodukte wie beispielsweise Käse herstellte. Produktionsort war die eigens dafür errichtete Molkerei an der heutigen [[Molkereilohne]] 35, wobei sich das erste Hauptgebäude im Winkel der Lohne zur [[Westerstraße]] befand. Das Land wurde hierfür von der [[Ludgerusgemeinde Norden|katholischen Gemeinde]] erworben, die das Land ursprünglich für den Bau ihrer Kirche nutzen wollte, dann aber dank eines bischöflichen Darlehens [[Ludgeruskirche|den Bau]] an der favorisierten [[Osterstraße]] in Angriff nehmen konnten.<ref name=":0" /><ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden</ref> Insgesamt verschlang der Bau bis zur vollständigen Fertigstellung zum 1. Mai 1882 rund 50.500 Mark, wobei nur 5.000 Mark auf den Erwerb des Grundstücks entfielen. Für weitere 13.200 Mark wurden Maschinen angeschafft.<ref name=":0" /> Um geeignete Nachwuchskräfte auszubilden, gründete die Molkereigenossenschaft einhergehend mit dem Bau der Molkerei eine [[Molkereischule]], die sich im zur [[Westerstraße]] gewandten Hauptgebäude befand.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 77</ref>
Am 26. November 1878 kamen Wegner sowie 19 Landwirte in der [[Marxsche Bierhalle|Marxschen Bierhalle]] zusammen und konstituierten die ''Molkereigenossenschaft Norden''. Die Bauern konnten zusammen 109 Milchkühe vorweisen, aus deren Milch man ab dem 30. März 1880 gemeinschaftlich bzw. genossenschaftlich Milchprodukte wie beispielsweise Käse herstellte. Produktionsort war die eigens dafür errichtete Molkerei an der heutigen [[Molkereilohne]] 35, wobei sich das erste Hauptgebäude und die ''eigentliche Molkerei'' im Winkel der Lohne zur [[Westerstraße]] befand. Das Land wurde hierfür von der [[Ludgerusgemeinde Norden|katholischen Gemeinde]] erworben, die das Land ursprünglich für den Bau ihrer Kirche nutzen wollte, dann aber dank eines bischöflichen Darlehens [[Ludgeruskirche|den Bau]] an der favorisierten [[Osterstraße]] in Angriff nehmen konnten.<ref name=":0" /><ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden</ref> Insgesamt verschlang der Bau bis zur vollständigen Fertigstellung zum 1. Mai 1882 rund 50.500 Mark, wobei nur 5.000 Mark auf den Erwerb des Grundstücks entfielen. Für weitere 13.200 Mark wurden Maschinen angeschafft.<ref name=":0" /> Um geeignete Nachwuchskräfte auszubilden, gründete die Molkereigenossenschaft einhergehend mit dem Bau der Molkerei eine [[Molkereischule]], die sich im zur [[Westerstraße]] gewandten Hauptgebäude befand.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 77</ref>


Schwierigkeiten bereitete der jungen Molkerei vor allem die schlechten Wegverhältnisse der damaligen Zeit. Befestigte Straßen waren damals noch eine absolute Seltenheit, sodass die Wege im Winter schwer oder gar nicht zu befahren waren. Dies führte zu Lieferengpässen an Rohmilch, sodass kaum Molkereiprodukte hergestellt und abgesetzt werden konnten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 257</ref> Da die Bauern sowohl am Gewinn, aber auch am Verlust der genossenschaftlichen Molkerei beteiligt waren, waren die wirtschaftlichen Folgen natürlich nicht unerheblich. Um diesem Missstand zu begegnen, einigte man sich auf die Zahlung erhöhter Preise pro Liter Milch zur Winterzeit (12 Pfennig gegenüber 8 Pfennig im Sommer), um den Bauern einen besseren Anreiz für ihre Mühen bzw. die Lieferung zu geben.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 258</ref>
Schwierigkeiten bereitete der jungen Molkerei vor allem die schlechten Wegverhältnisse der damaligen Zeit. Befestigte Straßen waren damals noch eine absolute Seltenheit, sodass die Wege im Winter schwer oder gar nicht zu befahren waren. Dies führte zu Lieferengpässen an Rohmilch, sodass kaum Molkereiprodukte hergestellt und abgesetzt werden konnten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 257</ref> Da die Bauern sowohl am Gewinn, aber auch am Verlust der genossenschaftlichen Molkerei beteiligt waren, waren die wirtschaftlichen Folgen natürlich nicht unerheblich. Um diesem Missstand zu begegnen, einigte man sich auf die Zahlung erhöhter Preise pro Liter Milch zur Winterzeit (12 Pfennig gegenüber 8 Pfennig im Sommer), um den Bauern einen besseren Anreiz für ihre Mühen bzw. die Lieferung zu geben.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 258</ref>
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Da die Milchanlieferung in den 1960er Jahren weiter anstieg, wurde ein Neubau notwendig, der 1962 bis 1963 südöstlich des Sanatogenwerks errichtet wurde (hier befindet sich heute die Firma [[Everwien]]).<ref name=":3" /><ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 1300133.tif)</ref> Währenddessen wurde die Milchtrockungsanlage stillgelegt und die Milchtrockung in eine Großanlage nach Leer verlegt, um Kosten zu sparen. Aufgrund der guten Entwicklung konnte die Norder Molkerei schon bald weitere umliegende Molkereien übnernehmen und dank eines neu errichteten Milchlagers auch Tankwagen einsetzen. 1967 wurde die Molkerei in Hilgenriedersiel übernommen, 1973 jene in Marienhafe und 1981 schließlich die [[Molkerei (Süderneuland II)|Süderneulander Molkerei]].<ref name=":3" />
Da die Milchanlieferung in den 1960er Jahren weiter anstieg, wurde ein Neubau notwendig, der 1962 bis 1963 südöstlich des Sanatogenwerks errichtet wurde (hier befindet sich heute die Firma [[Everwien]]).<ref name=":3" /><ref>Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 1300133.tif)</ref> Währenddessen wurde die Milchtrockungsanlage stillgelegt und die Milchtrockung in eine Großanlage nach Leer verlegt, um Kosten zu sparen. Aufgrund der guten Entwicklung konnte die Norder Molkerei schon bald weitere umliegende Molkereien übnernehmen und dank eines neu errichteten Milchlagers auch Tankwagen einsetzen. 1967 wurde die Molkerei in Hilgenriedersiel übernommen, 1973 jene in Marienhafe und 1981 schließlich die [[Molkerei (Süderneuland II)|Süderneulander Molkerei]].<ref name=":3" />


In den 1970er Jahren und noch mehr in den 1980er Jahren wuchsen die wirtschaftlichen Probleme der Molkerei, sodass der Mitarbeiterstamm immer weiter verkleinert werden musste. Allein von 1983 bis 1989 wurde das Personal um über 50 % (von 41 auf 20) Mitarbeiter reduziert.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 261</ref> Auch eine Kooperation mit der MZO Oldenburg/Ostfriesland sowie deren Tochterunternehmen Botterbloom konnte die schwächelnde Molkerei nicht retten, sodass diese im Jahre 1992 schließlich geschlossen werden musste. Neben der Firma Everwien wird das ehemalige Sanatogenwerk heute als Mehrparteienhaus genutzt. Hier befinden sich unter anderem mehrere Sozialwohnungen, die nur von Personen mit entsprechendem Wohnberechtigungsschein gemietet werden können.
In den 1970er Jahren und noch mehr in den 1980er Jahren wuchsen die wirtschaftlichen Probleme der Molkerei, sodass der Mitarbeiterstamm immer weiter verkleinert werden musste. Allein von 1983 bis 1989 wurde das Personal um über 50 % (von 41 auf 20) Mitarbeiter reduziert.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 261</ref> Auch eine Kooperation mit der MZO Oldenburg/Ostfriesland sowie deren Tochterunternehmen Botterbloom konnte die schwächelnde Molkerei nicht retten, sodass diese im Jahre 1992 schließlich geschlossen werden musste. Neben der Firma Everwien wird das ehemalige Sanatogenwerk heute als Mehrparteienhaus genutzt. Hier befinden sich unter anderem mehrere Sozialwohnungen, die nur von Personen mit entsprechendem Wohnberechtigungsschein gemietet werden können. Der Schornstein des ehemaligen ''Sanatogenwerk'' ist erhalten und ortsbildprägend, der der ursprünglichen Molkerei wurde abgebrochen.


== Genossenschaftsvorsitzende ==
== Genossenschaftsvorsitzende ==