Leegemoorgesellschaft: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulandes]] im Jahr 1556 durch [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] befindliche Moorflächen, die durch den Nachfolger und Sohn Annas, [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als [[Gemeinweide]] in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten. | Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulandes]] im Jahr 1556 durch [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] befindliche Moorflächen, die durch den Nachfolger und Sohn Annas, [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als [[Gemeinweide]] in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2006): Norder Gemeinweiden im ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, S. 46</ref> | ||
Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. | Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten die ''Gebräucher'' (Landnutzer) die ''Leegemoorgesellschaft''. Die Weiden wurden seit jeher überwiegend zur Viehhaltung genutzt. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der in einem eigenen [[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)|Hirtenhaus]] wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt.<ref name=":0" /> Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der [[Zinngießerstraße]]. An das Hirtenhaus erinnert auch der Straßenname [[Zum Hirtenhaus|''Zum Hirtenhaus'']]. | ||
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] erwies sich das Leegemoor als unabdingbar für die Versorgung der hungernden Bevölkerung mit Fleisch. Insbesondere, nachdem die gefürchteten Söldnerheere des Erich von Mansfeld die Stadt und das Umland in den Jahren 1622 bis 1624 heimsuchten, plünderten und brandschatzten, kam es zu großer Not. Auch nach ihrem Abzug - der Krieg dauerte noch bis 1648 - litt das Volk. Handel und Verkehr konnten kaum betrieben werden, allgemeines Elend griff um sich. Wahrscheinlich verkaufte [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] die Ländereien in dieser Zeit auch an die bisherigen Pächter, um die Staatskasse aufzufüllen. Zu dieser Zeit befanden sich die [[Altenbürgerlande|Alten- und Neuenbürgerlande]] bereits in (mehr oder minder) schon lange (seit etwa 1570) in fester Hand.<ref>Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 3</ref> | |||
An jedem 2. Februar (Maria Lichtmess) im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur Abrechnungsversammlung an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter (''Lepelgasten'') zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser ''Ofrekensversammeln'' darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache (''Proot för de Frolü'') gedacht. | == Sitten und Gebräuche == | ||
An jedem 2. Februar (''Maria Lichtmess'') im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur Abrechnungsversammlung, an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter (''Lepelgasten'') zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser ''Ofrekensversammeln'' darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache (''Proot för de Frolü'') gedacht. | |||
Bedingt durch die [[COVID 19 | Bedingt durch die [[COVID 19-Pandemie]] konnte diese Tradition - erstmalig in der Geschichte - im Februar 2021 nicht stattfinden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts fand sie dann in verschiedenen Gastwirtschaften und Hotels statt. Seit etwa 1850 tagte man im [[Vossenhus]], dann ab ungefähr 1875 im [[Reichshof]]. Später verlegte man die Zusammenkunft in die [[Gastwirtschaft Zum Elephanten]] und dann in den [[Lentzhof]]. Bis zur Schließung des [[Deutsches Haus|Deutschen Hauses]] traf man sich dort und seitdem wieder im Reichshof. Neben einem traditionell deftigem Essen, dem ''Leegemoorschmus'' auf Kosten der Gesellschaft, wird gemeinsam Tabak aus langen, weißen Tonpfeifen geraucht. Dazu wird ein [[Doornkaat]], versehen mit einem Magenbitterschnaps, serviert. Angestoßen und getrunken wird ''up Leegemoors Wohlfahrt,'' also auf das Wohlergehen und Fortbestehen der Genossenschaft. | ||
Bis heute schafft es die Leegemoorgesellschaft, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften und halbjährich an die Anteilseigner auszuschütten. Dies ist wenig verwunderlich, da sich auf den Ländereien seit 1977 verschiedenste Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Die letzte bis dahin unverpachtete Fläche der Leegemoorgesellschaft wurde 2007 als Gewerbefläche vermarktet. | |||
==Verwaltung== | ==Verwaltung== | ||
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==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||