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==Namensherkunft==
==Namensherkunft==
Der Name geht auf ein um 1614 an dieser Stelle durch Freiherr Tido zu Innhausen und Knyphausen erbautes [[Schloss Tidofeld|Schloss gleichen Namens]] zurück, das in Folge einer Familienfehde im Jahre 1669 wüst fiel und nachfolgend abgebrochen wurde.
Der Name geht auf ein um 1614 an dieser Stelle durch Freiherr Tido zu Innhausen und Knyphausen erbautes [[Schloss Tidofeld|Schloss gleichen Namens]] zurück, das in Folge einer Familienfehde im Jahre 1669 wüst fiel und nachfolgend abgebrochen wurde. Weiterhin wird der Ort im Jahre 1787 als ''Tiedefeld'' urkundlich vermerkt. 1818 folgt die Bezeichnung ''Tiedofeld'', später kam dann die heutige Schreibweise auf.


== Wappen==
== Wappen==
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== Geschichte==
== Geschichte==
Abgesehen von dem schon seinerzeit so genannten [[Schloss Tidofeld]] wird der Ort im Jahre 1787 erstmals als ''Tiedefeld'' urkundlich vermerkt. 1818 folgt die Bezeichnung ''Tiedofeld''. Ausdrücklich genannt wird auch die [[Sägemühle Tidofeld|Tidofelder Sägemühle]] im Jahre 1897. Der Ort war seit jeher äußerst dünn besiedelt und bestand. wenn überhaupt, aus einigen wenigen Höfen.
Tidofeld, dessen Name erst später aufkam, gehörte ursprünglich zu Bauerschaft [[Bargebur]], einem losen Zusammenschluss mehrerer Bauern, die dem Lütetsburger Grafen unterstanden. Das Land auf dem heutigen Tidofeld war seit jeher äußerst dünn besiedelt und bestand, wenn überhaupt, aus einigen wenigen Höfen. Bargebur gehörte, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zwischen 1534 und 1584, seit undenklichen Zeiten zu Lütetsburg. Durch einen Vertrag vom 5. Januar 1584 übergab Edzard aus dem Geschlecht der [[Manninga]], denen damals noch das Schloss Lütetsburg (benannt nach Lütet Manninga) gehörte, Bargebur und andere Ländereien an die bei Wilhelmshaven ansässigen Herren von Innhausen und Knyphausen. 1588 fiel auch Schloss Lütetsburg durch Erbschaft an sie.


Der Namensgeber Tido II. von Innhausen und Knyphausen war ein Bruder von Dodo, dem damaligen Grafen von Lütetsburg. Das von ihm hier im Jahre 1614 erbaute Schloss wurde aus abgetragenen Bestandteilen der dem Verfall überlassenen Burg Innhausen in Sengwarden bei Wilhelmshaven errichtet. Tido erwarb das Land, das bis zu seiner Abspaltung zu [[Bargebur]] gehörte, von Junker Albrecht Schwinge aus Emden. Dieser wiederum erbte es von einem Mann namens Siptet Remtsna, zu dem jedoch keine weiteren Daten bekannt sind. Nach der Landerwerbung gehörte Tidofeld somit zu Lütetsburg. Das Schloss wurde bereits 1669 zerstört. Die Burgstelle ist jedoch heute noch im östlich von [[Westekelbur]] als sichtbare Erhöhung in der Landschaft sichtbar, ein angrenzender Hof erinnert als [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats]] ebenfalls daran.
Bedeutung erlangte der seitdem so genannte Ort ''Tidofeld'' dann im Jahre 1614, als Graf Tido II. von Innhausen und Knyphausen, neuer Herr von Lütetsburg, sich im Ort ein Schloss errichten ließ, das er nach sich selbst und seiner Besitzung ''[[Schloss Tidofeld]]'' nannte. Das von ihm erbaute Schloss wurde aus abgetragenen Bestandteilen der dem Verfall überlassenen Burg Innhausen in Sengwarden bei Wilhelmshaven errichtet, wurde jedoch bereits 1669 infolge einer Familienfehde zerstört. Die Burgstelle ist noch heute östlich von [[Westekelbur]] als sichtbare Erhöhung in der Landschaft sichtbar, ein angrenzender Hof erinnert als [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats|''Tidofelder Burgen- und Schlickplaats'']] ebenfalls daran. Auch das 1995 entstandene Neubaugebiet, manchmal auch der ganze Ort, werden vereinzelt als ''Burg Tidofeld'' bezeichnet.


1938 errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] im Süden des heutigen Stadtteils. Größte Bedeutung erlangte das Areal im November 1944, als hier das Quartier des Kommandanten der Seeverteidigung Ostfriesland eingerichtet wurde. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>
Annähernd 270 Jahre passierte nun nicht viel in dem kleinen, beschaulichen Ort. Dies änderte sich schlagartig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und ihrer das ganze Reich umfassende Aufrüstungspolitik. 1938 errichtete die Wehrmacht ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager]] im Süden von Tidofeld, hier waren im Laufe der nächsten sieben Jahre verschiedene Einheiten der Marine stationiert. Größte Bedeutung erlangte das Areal im November 1944, als hier das Quartier des Kommandanten der Seeverteidigung Ostfriesland eingerichtet wurde. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstanden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit entgegen des letzten Befehls des ''Führers'' sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>


Nach dem Krieg wurde das Militärgelände in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es war mit seinen zahlreichen Baracken und Gebäude hierfür geradezu prädestiniert und gehörte schon bald mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Solidarität im Lager führte war beachtlich und führte gar zum gemeinschaftlichen Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Noch während der Zeit als Auffanglager für Vertriebene siedelte sich erstmals Industrie im Ort an. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem großen, heute noch vorhandenen Unterkunftsgebäude.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Hier war auch die [[Lagerschule Tidofeld|Lagerschule]]<nowiki/>untergebracht. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein. 1962 zog in das Gebäude die [[Lingener Wäschefabrik]] (''Lincron'') ein, der Schulbetrieb wurde 1970 eingestellt. Seit 1975 wird die Wäscherei von der [[Behindertenhilfe Norden]] betrieben.
Nach dem Krieg wurde das Kasernengelände in ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] umfunktioniert. Es war mit seinen zahlreichen Baracken und Gebäude hierfür geradezu prädestiniert und gehörte schon bald mit insgesamt über 1.000 gleichzeitig dort wohnenden Menschen zu den größten Lager innerhalb der Grenzen der heutigen Bundesrepublik. Die Solidarität im Lager führte war beachtlich und führte gar zum gemeinschaftlichen Bau einer [[Gnadenkirche Tidofeld|eigenen Kirche]], die heute eine Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung beinhaltet. Noch während der Zeit als Auffanglager für Vertriebene siedelte sich erstmals Industrie im Ort an. Im Februar 1947 eröffnete eine Blechwaren- bzw. Drahtzaunfabrik in dem großen, heute noch vorhandenen Unterkunftsgebäude.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Hier war auch die [[Lagerschule Tidofeld|Lagerschule]]<nowiki/>untergebracht. Das ständige Hämmern störte den Unterricht ungemein. 1962 zog in das Gebäude die [[Lingener Wäschefabrik]] (''Lincron'') ein, der Schulbetrieb wurde 1970 eingestellt. Seit 1975 wird die Wäscherei von der [[Behindertenhilfe Norden]] betrieben.


Von weiterer Bedeutung war die Ansiedlung der aus Schortens (Landkreis Friesland) stammenden [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerke]], die hier eine Zweigniederlassung errichten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref><ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 148</ref> Dieser war jedoch nur eine kurze Existenz beschienen, schon 1983 wurde der Betrieb wieder eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 291</ref> Heute befindet sich hier das sogenannte Telematikzentrum, das verschiedene Dienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten anbietet.
Von weiterer Bedeutung war die Ansiedlung der aus Schortens (Landkreis Friesland) stammenden [[Olympiawerk Tidofeld|Olympiawerke]], die hier eine Zweigniederlassung errichten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref><ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 148</ref> Dieser war jedoch nur eine kurze Existenz beschienen, schon 1983 wurde der Betrieb wieder eingestellt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 291</ref> Heute befindet sich hier das sogenannte Telematikzentrum, das verschiedene Dienstleistungen und Bildungsmöglichkeiten anbietet.