Schloss Tidofeld: Unterschied zwischen den Versionen
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== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Ursprünglich waren [[Bargebur]] und Tidofeld zusammengehörende Orte, die zur Lütetsburg gehörten. Das Land gehörte ursprünglich den [[Manninga]], durch Erbschaft fiel Lütetsburg jedoch 1588 an die Grafen von Innhausen und Knyphausen, die ihren Stammsitz ursprünglich bei Wilhelmshaven hatten. Nachdem Tido II. von Innhausen und Knyphausen (1582 - 1638) der Nachfolger seines verstorbenen Vaters wurde, ließ er sich zwischen der Lütetsburg und der [[Stadt Norden]] ein neues Schloss für 24.000 Reichstaler errichten, das er nach sich selbst Schloss Tidofeld nannte. Bald schon wurde Tidofeld zum Synonym für den gesamten, eigentlich noch zu Bargebur gehörenden Ort.<ref name=":0" /> | |||
Den [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] überstand das Schloss unbeschadet. Zwar musste Tido zwei Mal im Auftrag von [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] nach den Haag in den Niederlanden sowie zum Reichstag in Regensburg unternehmen, um dort den Rückzüg niederländischer Soldaten aus Ostfriesland und den Einmarsch der gefürchteten hessischen Soldaten zu verhindern, doch blieb er sonst die meiste Zeit auf seinem Anwesen.<ref name=":0" /> | |||
1638 starb er dort schließlich unverheiratet und kinderlos. Zuvor verfügte er testamentarisch, dass es an seinen jüngsten Bruder Carl Friedrich gehen sollte, der seinerzeit als Hofrichter der [[Cirksena|Cirksenas]] in Aurich tätig war. Gemäß Erbrecht hätte er jedoch seinen ältesten Bruder Dodo I. bzw. dessen Nachkommen einsetzen müssen. Doch Tido verfügte die Erbfolge in dieser Weise, da er befürchtete, dass der deutsche Kaiser sich das Schloss anderenfalls für den Verrat Dodos, der im Kriege als Feldmarschall für die feindlichen Schweden kämpfte und starb, als Strafe einverleiben werde.<ref name=":0" /> | |||
2014 fanden Archäologen der Ostfriesischen Landschaft bei Grabungen Hinweise darauf, dass es sich bei der bislang vermuteten Burgstelle | Die getroffene Erbfolge führte tatsächlich dazu, dass Carl Friedrich neuer Herr von Schloss Lütetsburg wurde, doch bemächtigte sich Enno Wilhelms dafür der Lütetsburg. Er ließ Enno Adam von der Erbfolge ausschließen und fand ihn mit einer Jahresrente von 800 Gulden ab. Sein Leben lang auf Rache sinnend, ließ sich Enno Adam auf dem Sterbebett von seinem Sohn Dodo II. versichern, dass er Rache für das ihm ergangene Unrecht nehmen werde. Dieser sah seine Chance Anfang Oktober 1669 gekommen, als der ebenfalls ohne Nachkommen gebliebene Carl Friedrich verstarb und ihn als seinen Neffen zum neuen Herren von Tidofeld machte. Kaum hatte er das Schloss Tidofeld in Besitz genommen, sammelte er Gefolgsleute um sich und griff das Schloss Lütetsburg am 3. Oktober an, auf dem nach dem Tode von Enno Wilhelm nun Haro Caspar, ein Vetter von Dodo II., residierte.<ref name=":0" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 135</ref> | ||
Der Angriff schlug fehl und führte dazu, dass Haro am 5. Oktober aus Rache Besitztümer seines Vetters in [[Ostermarsch]] beschädigte und in Besitz nahm. Am 11. Oktober griff er dann mit über 100 Mann das Schloss Tidofeld an und beschoss es mit Geschützen. Durch Treffer der Korn und Heu lagernden Scheune geriet das Schloss in Brand, Dodo und seine Männer mussten vor den Flammen fliehen. Haro nahm das Schloss in Besitz und ließ es schleifen. | |||
Seine Taten führten zu einer ostfrieslandweiten Entrüstung. Dodo II. verklagte Haro vor dem höchsten Gericht im Heiligen Römischen Reich, dem Reichsgerichtshof in Wien, auf Schadenersatz. Er bekam Recht und eine Entschädigung in Höhe von 61.131 Reichstalern zugesprochen, die Haro finanziell ruinierten. Unter der Aufsicht von 18 Dragonern (berittenen Soldaten) wurde er 1677 gezwungen, Schloss Lütetsburg zu räumen. Er ging nach Asinghaborg bei Groningen und verstarb dort in seinem niederländischen Exil. Die von ihm begründete niederländische Nebenlinie des Hauses Innhausen und Knyphausen starb 1884 aus. | |||
2014 fanden Archäologen der Ostfriesischen Landschaft bei Grabungen Hinweise darauf, dass es sich bei der bislang vermuteten Burgstelle wohl auch um die tatsächliche Örtlichkeit handelte. Die zur Burg gehörende [[Warft]] ist bis heute gut erkennbar. Hier befand sich seit etwa 1717 das Haus des Müllers der [[Sägemühle Tidofeld|Tidofelder Sägemühle]]. Auch heute steht hier noch ein Haus, das postalisch unter [[Westekelbur]] 2 fällt. Bis auf die Bezeichnung ''Burg Tidofeld'' als Synonym für den Ort sowie der Name des [[Tidofelder Burgen- und Schlickplaats]] erinnert heute ansonsten nichts mehr an das einst stolze Schloss. | |||
== Beschreibung == | == Beschreibung == | ||
Das Schloss bestand aus mehreren Gebäuden und verfügte über einen Turm, der dem des Schlosses Lütetsburg nicht unähnlich | Das Schloss bestand aus mehreren Gebäuden und verfügte über einen etwa 20 Meter hohen, schlanken Turm, der dem des Schlosses Lütetsburg nicht unähnlich war. Zum Anwesen gehörte ein stattlicher Garten und Wohngebäuden für Bedienstete und das Gesinde. Dieses setzte sich zusammen aus drei Dienern, einer Haushälterin, drei Mägden, zwei Knechten und einem Jungen nebst sechs landwirtschaftlich tätigen Arbeitern.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 134</ref> | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||