Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 27: Zeile 27:
__TOC__
__TOC__
==Namensherkunft==
==Namensherkunft==
Es herrscht Uneinigkeit darüber, woher die Stadt Norden ihren Namen erhalten hat. Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Name auf die nördliche Lage der Stadt bezieht und sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Der älteste Beleg ist ''Nordedi'' (787, jedoch in fehlerhafter Abschrift); um 860 wird die Gegend Nordwidu (''Norder Wald'') genannt. Grundlage des Ortsnamens ist das altsächsische ''norð'', altfriesisches north (''Norden'').<ref>Niemeyer, Manfred (2012): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, S. 456</ref> Wenngleich es nicht absolut gesichert ist, liegt es nahe, dass der Stadtname 884 ebenfalls im Zusammenhang mit der [[Schlacht von Nordendi]] fällt. Die Schlacht war ein wichtiger Sieg der Friesen über die plündernden, die friesischen Gewässer heimsuchenden Wikinger und Gründungsmythos der [[Theelacht]].
Es herrscht Uneinigkeit darüber, woher die Stadt Norden ihren Namen erhalten hat. Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Name auf die nördliche Lage der Stadt bezieht und sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Der älteste Beleg ist ''Nordedi'' (787, jedoch in fehlerhafter Abschrift); um 860 wird die Gegend Nordwidu (''Norder Wald'') genannt. Grundlage des Ortsnamens ist das altsächsische ''norð'', altfriesisches north (''Norden'').<ref>Niemeyer, Manfred (2012): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, S. 456</ref>
 
Wenngleich es nicht absolut gesichert ist, liegt es nahe, dass der Stadtname 884 ebenfalls im Zusammenhang mit der [[Schlacht von Nordendi]] fällt. Die Schlacht war ein wichtiger Sieg der Friesen über die plündernden, die friesischen Gewässer heimsuchenden Wikinger und Gründungsmythos der [[Theelacht]].
 
Die heutige Schreibweise ist seit dem Jahr 1409 nachgewiesen.


==Wappen==
==Wappen==
Zeile 524: Zeile 528:
Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß über viele Jahrhunderte hinweg eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das [[Jüdische Schule|Schulhaus]], das [[Vorsängers Haus|Wohnhaus des Rabbiners]] und das des [[Synagogenweg 3|Lehrers]] stehen indes bis heute. Die Synagoge auf Norderney hingegen blieb von den Aktionen in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verschont, da sie zuvor an einen Eisenwarenhändler verkauft worden war, der dort einen Lagerraum einrichten wollte. Die in Norden lebenden Juden wurden am [[Schlachthof]] zusammengetrieben und gemeinsam mit den anderen ostfriesischen Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht, von wo sie Wochen später zunächst zurückkehrten, ehe sie einige Zeit später endgültig deportiert wurden. Nach den Novemberpogromen löste sich die jüdische Gemeinde in Norden, die noch 1925 mehr als 230 Mitglieder hatte, auf. Noch 1933 gab es 50 Handelsbetriebe und Geschäfte mit jüdischen Eigentümern.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Die letzten [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]] wurden im April 1940 in Konzentrationslager abtransportiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde fast die Hälfte der jüdischen Norder umgebracht. Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Norden zurück.
Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß über viele Jahrhunderte hinweg eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das [[Jüdische Schule|Schulhaus]], das [[Vorsängers Haus|Wohnhaus des Rabbiners]] und das des [[Synagogenweg 3|Lehrers]] stehen indes bis heute. Die Synagoge auf Norderney hingegen blieb von den Aktionen in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verschont, da sie zuvor an einen Eisenwarenhändler verkauft worden war, der dort einen Lagerraum einrichten wollte. Die in Norden lebenden Juden wurden am [[Schlachthof]] zusammengetrieben und gemeinsam mit den anderen ostfriesischen Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht, von wo sie Wochen später zunächst zurückkehrten, ehe sie einige Zeit später endgültig deportiert wurden. Nach den Novemberpogromen löste sich die jüdische Gemeinde in Norden, die noch 1925 mehr als 230 Mitglieder hatte, auf. Noch 1933 gab es 50 Handelsbetriebe und Geschäfte mit jüdischen Eigentümern.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref> Die letzten [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]] wurden im April 1940 in Konzentrationslager abtransportiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde fast die Hälfte der jüdischen Norder umgebracht. Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Norden zurück.


Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde Norden von Bomben getroffen, die zu mehreren Todesopfern führten. Insgesamt überstand die Stadt den Krieg, von den Entbehrungen des Alltags abgesehen, relativ glimpflich. Norden nahm wie andere Städte und Gemeinden in Ostfriesland nach dem 6. September 1944 ausgebombte Emder auf, nachdem die Seehafenstadt durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört worden war. Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Norddeicher Hafen]] als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den ''Atlantikwall'' aufgerüstet wurden, der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]] in [[Tidofeld]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Zum Einsatz an der ''Heimatflak'' wurden viele Norder Schüler einberufen, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt starben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird noch heute jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht, in dem sich eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen findet. Zudem gibt es einen [[Soldatenfriedhof]] auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]] (''Parkfriedhof'') in [[Ostlintel]].
Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde Norden von Bomben getroffen, die zu mehreren Todesopfern und Gebäudeschäden führten. Es gab mehrere Kriegsgefangenenlager, unter anderem wurden Kriegsgefangene in der Produktion der [[Molkerei (Norden)|Norder Molkerei]] und der [[Eisenhütte]] eingesetzt, um das zum Kriegsdienst einberufene Personal zu ersetzen.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Insgesamt überstand die Stadt den Krieg, von den Entbehrungen des Alltags abgesehen, relativ glimpflich. Norden nahm wie andere Städte und Gemeinden in Ostfriesland nach dem 6. September 1944 ausgebombte Emder auf, nachdem die Seehafenstadt durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört worden war. Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Norddeicher Hafen]] als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den ''Atlantikwall'' aufgerüstet wurden, der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]] in [[Tidofeld]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Zum Einsatz an der ''Heimatflak'' wurden viele Norder Schüler einberufen, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt starben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird noch heute jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht, in dem sich eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen findet. Zudem gibt es einen [[Soldatenfriedhof]] auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]] (''Parkfriedhof'') in [[Ostlintel]].


Am 4. Mai treffen kanadische Truppen in Norden ein. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht vorgesprochen hatten, wurde die Stadt kampflos übergeben. Nachfolgend übernimmt die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führt eine Entnazifizierung durch. Für die Versorgung der Kriegsversehrten werden mehrere Baracken, die teilweise noch aus dem Ersten Weltkrieg stammen, als Lazarett umfunktioniert. Auch das [[Ulrichsgymnasium]], das noch während des Krieges im Keller verbunkert wurde, dient einige Zeit als Lazarett. Auch fast alle anderen Schulen werden entsprechend umfunktioniert, um die zahlreichen Verwundeten zu versorgen. Die Panzersperren und unter Brücken deponierte Sprengladungen, die dort kurz vor Kriegsende noch von einigen Fanatikern entsprechend Hitlers ''Nerobefehls'' platziert wurden, wurden wieder entfernt, ehe sie gezündet wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 43</ref>
Am 4. Mai treffen kanadische Truppen in Norden ein. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht vorgesprochen hatten, wurde die Stadt kampflos übergeben. Nachfolgend übernimmt die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führt eine Entnazifizierung durch. Für die Versorgung der Kriegsversehrten werden mehrere Baracken, die teilweise noch aus dem Ersten Weltkrieg stammen, als Lazarett umfunktioniert. Auch das [[Ulrichsgymnasium]], das noch während des Krieges im Keller verbunkert wurde, dient einige Zeit als Lazarett. Auch fast alle anderen Schulen werden entsprechend umfunktioniert, um die zahlreichen Verwundeten zu versorgen. Die Panzersperren und unter Brücken deponierte Sprengladungen, die dort kurz vor Kriegsende noch von einigen Fanatikern entsprechend Hitlers ''Nerobefehls'' platziert wurden, wurden wieder entfernt, ehe sie gezündet wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 43</ref>
Zeile 729: Zeile 733:
==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />
==Quellenverzeichnis==
*[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
*[https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]


==Siehe auch==
==Siehe auch==