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Von 1821 bis zu seinem Tode im Jahr 1829 war [[Hinrich Adolf von Lengen]], Sohn des Eisenhändlers und Goldschmieds [[Stephan Adolf von Lengen]], der Kommandant der Norder Stadtwache. Hinrich Adolf von Lengen, der sich auch als Maler betätigte, malte das älteste bekannte Bildnis des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]], das er selbst von 1794 bis 1799 besuchte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 22f.</ref> Als am 17. Juli 1832 das erste Mal seit dem Ende der Reformation erstmalig wieder ein Bischof nach Norden kommt, um der katholischen Gemeinde die heilige Firmung zu spenden, war die Polizei gezwungen, die gesamte [[Sielstraße]] - hier befand sich das damals [[Kapelle St. Michael|die Kapelle]] der Katholiken - abzusperren, um der andrängenden, neugierigen Menschenmasse Herr zu werden.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 15</ref>
Von 1821 bis zu seinem Tode im Jahr 1829 war [[Hinrich Adolf von Lengen]], Sohn des Eisenhändlers und Goldschmieds [[Stephan Adolf von Lengen]], der Kommandant der Norder Stadtwache. Hinrich Adolf von Lengen, der sich auch als Maler betätigte, malte das älteste bekannte Bildnis des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]], das er selbst von 1794 bis 1799 besuchte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 22f.</ref> Als am 17. Juli 1832 das erste Mal seit dem Ende der Reformation erstmalig wieder ein Bischof nach Norden kommt, um der katholischen Gemeinde die heilige Firmung zu spenden, war die Polizei gezwungen, die gesamte [[Sielstraße]] - hier befand sich das damals [[Kapelle St. Michael|die Kapelle]] der Katholiken - abzusperren, um der andrängenden, neugierigen Menschenmasse Herr zu werden.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 15</ref>


Im Mai 1874 erließ der Norder Magistrat eine neue [[Polizeiordnung]], in der das Betreten von Rasenflächen oder das Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit unter Strafe gestellt wurden. Bei Zuwiderhandlungen wurde Geld- oder gar Haftstrafe angedroht. Auch sonst wurden die typisch preußischen Tugenden über Zucht und Ordnung in Ostfriesland vollends gepflegt. Im September 1885 wurde ein gerade einmal elf Jahre altes Mädchen angezeigt, nachdem sie sich an eine eiserne Viehstange auf dem [[Blücherplatz]] gehängt hatte. Im Polizeibericht heißt es, dass sie ''"in schamloser Weise"'' geturnt habe, ''"so daß ihr die Röcke und Kleider über den Kopf geflogen sind und die Passanten ein Ärgernis genommen haben."''
Im Mai 1874 erließ der [[Magistrat|Norder Magistrat]] eine neue [[Polizeiordnung]], in der das Betreten von Rasenflächen oder das Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit unter Strafe gestellt wurden. Bei Zuwiderhandlungen wurde Geld- oder gar Haftstrafe angedroht. Auch sonst wurden die typisch preußischen Tugenden über Zucht und Ordnung in Ostfriesland vollends gepflegt. Im September 1885 wurde ein gerade einmal elf Jahre altes Mädchen angezeigt, nachdem sie sich an eine eiserne Viehstange auf dem [[Blücherplatz]] gehängt hatte. Im Polizeibericht heißt es, dass sie ''"in schamloser Weise"'' geturnt habe, ''"so daß ihr die Röcke und Kleider über den Kopf geflogen sind und die Passanten ein Ärgernis genommen haben."'' Dass in Norden ''Zucht und Ordnung'' herrschten, zeigten auch öffentliche Liste, auf denen die Polizei stadtbekannte ''Trunkenbolde'' namentlich und postalisch benannte, um die Wirte zu ermahnen, diesen keinen Alkohol auszuschenken. Eine solche, historische Liste hang bis zuletzt noch im Schankraum des [[Hotel Zur Post|Hotels Zur Post]].


Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt zugleich die dritte (rechte) der [[Drei Schwestern]]. Der hintere, untere Teile wurde der Polizei als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte. Räumlichkeiten hinter der ''Dritten Schwester'' wurden ab etwa 1886 auch als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt. Die übrigen Räume wurden vermietet. In einer dieser vermieteten Wohnungen lebte der Polizeisergeant [[Hinrich Bohlken]] mit seiner Familie, sein mittelbarer Nachbar war der Polizeisergeant Frank oder Fritz Leopold. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bezeichnung ''Sergeant'' (deutsch, nicht englisch ausgesprochen) der zweitunterste Dienstgrad. Er war Vorgesetzter der Polizeidiener, stand jedoch noch unter den Wachtmeistern.
Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt zugleich die dritte (rechte) der [[Drei Schwestern]]. Der hintere, untere Teile wurde der Polizei als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte. Räumlichkeiten hinter der ''Dritten Schwester'' wurden ab etwa 1886 auch als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt. Die übrigen Räume wurden vermietet. In einer dieser vermieteten Wohnungen lebte der Polizeisergeant [[Hinrich Bohlken]] mit seiner Familie, sein mittelbarer Nachbar war der Polizeisergeant Frank oder Fritz Leopold. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bezeichnung ''Sergeant'' (deutsch-französisch, nicht englisch ausgesprochen) der zweitunterste Dienstgrad. Er war Vorgesetzter der Polizeidiener, stand jedoch noch unter den Wachtmeistern.


Um kurz nach 1900 sorgten die Beamten [[Theodor Höger]] und [[Johannes Heinichen]] für Sicherheit und Ordnung. Heinichen war eine regionale Bekanntheit, da er einen der ersten Polizeihunde besaß. Höger wurde zugleich Nachmieter der Wohnung von Bohlken. Ihm wurde es von der Stadt gestattet, den Garten des Bürgermeisters (heute Parkplatz des Rathauses) zur Zucht von Hühnern der Rasse ''Schwarze Minorka'' zu nutzen.
Um kurz nach 1900 sorgten die Beamten [[Theodor Höger]] und [[Johannes Heinichen]] für Sicherheit und Ordnung. Heinichen war eine regionale Bekanntheit, da er einen der ersten Polizeihunde besaß. Höger wurde zugleich Nachmieter der Wohnung von Bohlken. Ihm wurde es von der Stadt gestattet, den Garten des Bürgermeisters (heute Parkplatz des Rathauses) zur Zucht von Hühnern der Rasse ''Schwarze Minorka'' zu nutzen.