Karl Vissering: Unterschied zwischen den Versionen
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Trotz aller Eigenwilligkeiten, die in Visserings Persönlichkeit liegen, sind seine mehrfach mit Strafmaßnahmen endenden Gesetzesübertretungen gleichermaßen auch in die durch die allgemeine konjunkturelle Lage der Bauernschaft bedingten Widerstandsaktionen der späten Weimarer Republik einzuordnen. Zu den Aktionen der bedrängten Landbevölkerung zählten etwa Widerstandsdelikte und Steuerstreiks – Mittel, zu denen auch Vissering griff. Dabei kam es auch zur Annäherung von Vertretern unvereinbar scheinender politischer Lager. Am 22. Juli 1932 nahm Vissering an einer gemeinsamen Zusammenkunft von KPD- und NSDAP-Mitgliedern in Bedekaspelermarsch teil. Bei dieser soll die Gründung einer Notgemeinschaft zur Verhinderung von Zwangsverkäufen erfolgt sein. Der Regierungspräsident beabsichtigte daraufhin ein Disziplinarverfahren gegen Vissering wegen beamtenunwürdigen Verhaltens und ''gemeinsamer Sache'' mit Kommunisten. Vissering jedenfalls stand eindeutig auf der Seite der Nationalsozialisten; 1940 bezeichnet er sich selbst als Antisemit und deutschnationalen Mann. Sichtbar wird seine Haltung auch in einer von ihm 1940 verfassten Darstellung der Aufgaben der Ostfriesischen Landschaft, in der sich krude völkisch-rassische und den Nationalsozialismus verherrlichende Anschauungen mit ostfriesischem Sonderbewusstsein verknüpfen.<ref name=":0" /> | Trotz aller Eigenwilligkeiten, die in Visserings Persönlichkeit liegen, sind seine mehrfach mit Strafmaßnahmen endenden Gesetzesübertretungen gleichermaßen auch in die durch die allgemeine konjunkturelle Lage der Bauernschaft bedingten Widerstandsaktionen der späten Weimarer Republik einzuordnen. Zu den Aktionen der bedrängten Landbevölkerung zählten etwa Widerstandsdelikte und Steuerstreiks – Mittel, zu denen auch Vissering griff. Dabei kam es auch zur Annäherung von Vertretern unvereinbar scheinender politischer Lager. Am 22. Juli 1932 nahm Vissering an einer gemeinsamen Zusammenkunft von KPD- und NSDAP-Mitgliedern in Bedekaspelermarsch teil. Bei dieser soll die Gründung einer Notgemeinschaft zur Verhinderung von Zwangsverkäufen erfolgt sein. Der Regierungspräsident beabsichtigte daraufhin ein Disziplinarverfahren gegen Vissering wegen beamtenunwürdigen Verhaltens und ''gemeinsamer Sache'' mit Kommunisten. Vissering jedenfalls stand eindeutig auf der Seite der Nationalsozialisten; 1940 bezeichnet er sich selbst als Antisemit und deutschnationalen Mann. Sichtbar wird seine Haltung auch in einer von ihm 1940 verfassten Darstellung der Aufgaben der Ostfriesischen Landschaft, in der sich krude völkisch-rassische und den Nationalsozialismus verherrlichende Anschauungen mit ostfriesischem Sonderbewusstsein verknüpfen.<ref name=":0" /> | ||
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft verlangte Vissering, der im Krieg eine Splitterverletzung am Kopf erlitten hatte, sogleich eine Wiederaufnahme lebenslänglicher Gehaltszahlungen an ihn. Sein Antrag war chancenlos, weil von einer behaupteten Lebenszeitstellung als Leiter der Brandkasse keine Rede sein konnte: Die Position hatte er stets nur kommissarisch wahrgenommen.<ref name=":0" /> | Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft verlangte Vissering, der im Krieg eine Splitterverletzung am Kopf erlitten hatte, sogleich eine Wiederaufnahme lebenslänglicher Gehaltszahlungen an ihn. Sein Antrag war chancenlos, weil von einer behaupteten Lebenszeitstellung als Leiter der Brandkasse keine Rede sein konnte: Die Position hatte er stets nur kommissarisch wahrgenommen.<ref name=":0" /> Bereits in den 1920er Jahren und verstärkt in den 1930er Jahren veräußert er aus Geldnot einen Großteil seines Besitzes, unter anderem den an das Gut Lintel angrenzenden [[Stuvert]], wo der [[Jahnplatz]] sowie ein Neubaugebiet ([[Ubbo-Emmius-Straße]] etc.) entstand. | ||
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